Bayer Leverkusen: Sorgenkind Eren Derdiyok sieht wieder Land bei Bayer

Bayer Leverkusen : Sorgenkind Derdiyok sieht wieder Land bei Bayer

Der Schweizer Stürmer schießt das Siegtor beim 2:1 gegen Stuttgart und wähnt sich zurück auf dem richtigen Weg.

In der knappen Viertelstunde, die er an diesem Wochenende seiner Karriere als Profifußballer hinzufügen durfte, hat Eren Derdiyok zwei außergewöhnliche Dinge getan. Erstens streichelte er in keiner Szene den Ball mit der Sohle — eine Angewohnheit, die viele für ein leidiges Mätzchen des Schweizers halten. Zweitens schoss er ein Tor. Es war das Siegtor beim 2:1 von Bayer Leverkusen gegen den VfB Stuttgart. Und es war das erste Bundesligator des Stürmers seit dem 18. November 2012. 440 Tage war das am Samstag her. "Ich bin enorm erleichtert. Ich bin irgendwie umgefallen, aber wieder aufgestanden. Die Mannschaft und der Trainer haben mir geholfen, wieder aufzustehen", sagte der 25-Jährige.

Derdiyoks Kopfballtor war ein Treffer, der der Werkself nach drei Niederlagen in Serie den dringend benötigten Sieg verschaffte. Es war aber auch das Lebenszeichen eines Spielers, der irgendwo auf dem Weg von einem der größten Stürmertalente Europas zum Bundesligastürmer gehobener Qualität falsch abgebogen war. "Wir glauben, dass wir einen Stürmer gefunden haben, der in ein, zwei Jahren die Bundesliga stark bereichern wird", sagte der damalige Leverkusener Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im Juli 2009, nachdem Bayer knapp 3,8 Millionen Euro für Derdiyok an den FC Basel überwiesen hatte.

In den folgenden drei Jahren spaltete Derdiyok die Kritiker. Die einen sahen in ihm genau dieses große Talent, das in 90 Bundesligaspielen für Leverkusen 25 Tore schoss. Die anderen monierten, zwischen seinen Weltklasse-Momenten wie dem Fallrückziehertor gegen Wolfsburg im Oktober 2011 seien zu viele Partien, in denen seine Qualitäten brach liegen. Am Ende, 2012, war Bayer 04 glücklich, Derdiyok für rund fünf Millionen Euro nach Hoffenheim transferieren zu können. Nur einmal kamen den Verantwortlichen im Nachhinein Zweifel an der Richtigkeit ihrer Entscheidung: als der 1,90-Meter-Mann im Mai desselben Jahres beim 5:3 der Schweiz gegen Deutschland dreimal traf.

Hoffenheim sollte der nächste Schritt für Derdiyok werden, aber es wurde eine Sackgasse. Mehrere Trainerwechsel und schlechte Spiele manövrierten ihn in die berüchtigte Trainingsgruppe der Aussortierten. Aus der holte ihn Bayer 04 im Sommer zum Kopfschütteln vieler auf Leihbasis zurück. Sportdirektor Rudi Völler und Co. setzten darauf, dass ein geläuterter Derdiyok wieder in die Spur gelangen könnte. Mit einem halben Jahr Verspätung erhält dieses Kalkül nun endlich erstes Futter. "In der Vorbereitung konnte ich Zeichen setzen, dass ich wieder da bin. Nicht nur ich hatte eine schwerere Phase, auch wir als Mannschaft zuletzt", sagt Derdiyok.

Er fühlt sich wieder gut, endlich als Teil dieser Werkself, die auf Rang zwei steht. Er will nicht mehr nur für ein paar Minuten Ersatz für Stefan Kießling (er erzielte gegen Stuttgart das zweite Leverkusener Tor), er will mehr spielen — er muss spielen, wenn er zur WM will. "Je mehr ich spiele, umso besser für mich. Nächste Woche fangen die Englischen Wochen wieder an. Da braucht man jeden", sagt Derdiyok. Gestern Morgen erhielt dieser Optimismus einen kleinen Dämpfer: Er knickte im Training um und musste die Einheit vorzeitig abbrechen.

(RP)
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