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Bayer Leverkusen: Seoane sieht Personalnot in der Defensive gelassen

Drei Abwehrspieler fehlen : Seoane sieht Bayers Personalnot in der Defensive gelassen

Edmond Tapsoba und Odilon Kossounou sind bei ihren Nationalmannschaften und bereiten sich auf den Afrika-Cup vor, Piero Hincapie steht nach positivem Corona-Test in Ecuador unter Quarantäne. Leverkusens Trainer Gerardo Seoane ist dennoch guter Dinge, was Bayers Defensive angeht.

Paulinho dribbelt den Ball vor sich her, ist auf dem Weg Richtung Tor und schlägt einen Haken. Niklas Lomb macht sich bereit, den Schuss des Brasilianers abzufangen, doch dann rutscht Sadik Fofana von der Seite in den Offensivspieler und grätscht ihm gekonnt den Ball vom Fuß – alles sauber, alles fair, seine Mitspieler loben den 18-Jährigen für die gelungene Aktion. Das U19-Talent der Werkself trainiert aktuell mit den Profis. Das ist nichts Neues, schon in der Sommervorbereitung oder in Länderspielpausen war er dabei. Aber so nah an seinem Debüt für die Lizenzmannschaft war er bisher wohl noch nie.

Das liegt vor allem an der Personalknappheit in Bayers Defensive. Edmond Tapsoba (Burkina Faso) und Odilon Kossounou (Elfenbeinküste) sind nach Weihnachten zu ihren Nationalmannschaften gereist. Der Afrika-Cup in Kamerun steht vor der Tür. Je nach Turnierverlauf werden die beiden Innenverteidiger bis in den Februar hinein fehlen. Hinzu kommt Piero Hincapie, der nach einem positiven Test auf Covid-19 an Weihnachten in seinem Heimatland Ecuador unter Quarantäne steht. Dass der Linksverteidiger rechtzeitig zum ersten Rückrundenspiel gegen Union Berlin am 8. Januar zurück in Leverkusen und einsatzbereit ist, scheint aktuell sehr unwahrscheinlich.

Trainer Gerardo Seoane ist freilich nicht glücklich über die Situation, hat aber Verständnis für sie. „Der Afrika-Cup ist ein wichtiges Turnier. Wenn du Nationalspieler in der Mannschaft hast, gehört es dazu, dass sie bei den Kontinentalturnieren dabei sind – und dabei sein wollen“, sagt er mit Blick auf Tapsoba und Kossounou. Zum Fall Hincapie fügt er hinzu: „Piero ist positiv gestestet. Das kann in dieser schwierigen Zeit jedem von uns passieren.“

Immerhin: Dem Sommerzugang geht es den Umständen entsprechend gut. Zwar hatte der Ecuadorianer Seoane zufolge anfangs leichte Erkältungssymptome und Kopfschmerzen, aber er verbreitete bei Instagram unlängst ein Video von sich, in dem er auf einem Laufband zu sehen ist und seiner Rückreise nach Deutschland bereits mit Vorfreude entgegenblickt – sobald sein Testergebnis negativ ist. „Es geht ihm schon wieder viel besser“, sagt Seoane.

Der Trainer steht nun vor einer personellen Herausforderung in der Defensive, sieht die temporäre Personalknappheit aber vergleichsweise gelassen. „Jonathan Tah und Panos Retsos sind da und beide gesund, als Option haben wir auch noch Timothy Fosu-Mensah, der Innenverteidiger spielen kann.“ Letzterer ist nach seinem Kreuzbandriss nebst langer Reha wieder einsatzbereit, wird aber vorsichtig an die volle Belastung herangeführt.

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Hinzu kommt Fofana, den Seoane aus der U19 hochgezogen hat. Gut möglich, dass ihm zeitnah weitere Talente folgen. „Wir überlegen uns, ob wir noch einen oder zwei dazunehmen für die kommenden Wochen. Wir haben Nachwuchsspieler, die viel Potenzial haben“, sagt der Schweizer. Die Entwicklung von Fofana sieht der Coach positiv. „Er bringt die nötige Physis mit, hat die Statur eines Innenverteidigers, die Grundaggressivität, ist zweikampfstark und robust“, erklärt der 43-Jährige. Allerdings schränkt er ein: „Er ist noch nicht allzu lange im Spitzenfußball. Es gibt noch einige Dinge zum Aufarbeiten. Dass er einen anderen Spieler auf der Position ausstechen wird, kommt wahrscheinlich noch zu früh für ihn.“ Und doch ist Seoane froh, die Option Fofana in der Hinterhand zu haben – und sei es zunächst nur für die Trainingsroutine.

Beklagen will sich der Trainer der Werkself nicht über die Lage. Es sei auch denkbar, dass ein Spieler aus dem defensiven Mittelfeld vorübergehend ins Abwehrzentrum rücke, auch wenn das nicht die Ideallösung sei. Insgesamt sei der Kader variabel und gut aufgestellt für die kommenden Wochen. „Es wird eine Achterbahn für alle Mannschaften, vermutlich trifft es jeden mal“, sagt er. „Wir müssen versuchen, das Beste daraus zu machen und mit dem Personal arbeiten, das da ist. Das Problem haben nicht nur wir.“