Bayer in der Krise Alarmstufe Dunkelrot

München · Bayer Leverkusens Sportgeschäftsführer Simon Rolfes findet nach dem 0:4 beim FC Bayern bemerkenswert klare Worte – auch Richtung Gerardo Seoane. Den angezählten Trainer können wohl nur noch kurzfristige Erfolge retten.

Bayer Leverkusens Trainer Gerardo Seoane sah einen desolaten Auftritt seiner Mannschaft in München.

Bayer Leverkusens Trainer Gerardo Seoane sah einen desolaten Auftritt seiner Mannschaft in München.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Simon Rolfes ist nicht unbedingt bekannt für markige Worte. Was der sonst eher abwägende und zurückhaltende Sportgeschäftsführer von Bayer Leverkusen nach dem 0:4 beim FC Bayern sagte, glich daher einem Donnerwetter – auch Richtung Trainer Gerardo Seoane. „Wir waren von der ersten Minute an chancenlos und haben alles vermissen lassen, was man in einem Bundesligaspiel, aber vor allem hier in München zeigen muss“, polterte der 40-Jährige. „Es ist nicht zu akzeptieren, wie wir gespielt haben.“ Dann zählte er eine beachtliche Mängelliste im Spiel der Werkself auf. Die Laufbereitschaft habe nicht gepasst, ebenso das Zweikampfverhalten. Mut sei nicht zu sehen gewesen – und auch nicht der Wille, beim Rekordmeister die Initiative zu ergreifen.

Der Gesamteindruck ist angesichts der Tatsache, dass Seoane im Vorfeld der Partie die von Rolfes vermissten Eigenschaften dezidiert von seinen Spielern eingefordert hat, umso verheerender. Zu sehen war vor allem in der desolaten ersten Halbzeit nichts davon. Bereits nach knapp drei Minuten stand es 0:1 durch Leroy Sané, Jamal Musiala erhöhte rund eine Viertelstunde später. Sadio Mané machte kurz vor der Halbzeit die Demontage mit dem dritten Treffer perfekt. Dass Thomas Müller nach einem groben Patzer des insgesamt wie von der Rolle wirkenden Kapitäns und Schlussmanns Lukas Hradecky den Endstand herstellte (84.), war nur noch eine Randnotiz.

Bundesliga 22/23: FC Bayern gegen Bayer 04 - die Werkself in der Einzelkritik​
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FC Bayern - Bayer 04: die Werkself in der Einzelkritik

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Entsprechend war auch der Nachhall bei den Spielern. „Die Bayern haben uns in allen Belangen übertroffen und dominiert“, sagte Kerem Demirbay im Interview bei Dazn. Der Mittelfeldspieler war zuletzt einer der Leistungsträger der Leverkusener. In München tauchte aber auch er ab. „Bei aller Qualität, die wir haben, bleibt Fußball ein Tagesgeschäft – und momentan haben wir gar keine Qualität. Wir verlieren die Spiele auf eine Art und Weise, das ist brutal.“

Und so richtet sich der Fokus erneut auf Seoane. Die Trainerdiskussion schien nach internen Analysen beendet, nun flackert sie doch wieder auf. Denn weniger als das Ergebnis ist die Art und Weise seines Zustandekommens bedenklich. Der Schweizer wirkte nach dem Spiel angeschlagen, aber auch ratlos, warum seine Mannschaft nicht die immer wieder von ihm geforderten Tugenden zeigen kann, die letztlich die Basis jeden Erfolgs im Sport sind. „Es ist eine Willensfrage: Bin ich bereit, die letzten Meter im höchsten Tempo konsequent zu gehen? Habe ich die Aggressivität in mir?“, beschrieb Seoane. „Das hatten wir in diesem Spiel auf jeden Fall nicht.“

Im bislang katastrophalen Saisonverlauf – Bayer ist vorerst auf Rang 16 abgerutscht – markiert das 0:4 in München zweifellos einen Tiefpunkt. Konnte man bei anderen Spielen mit dürftigen Resultaten noch behaupten, dass zumindest die Leistung der Werkself in Ordnung war, geht nun auch dieses Argument für den Coach verloren. Der würde das Debakel beim Rekordmeister gerne „ausklammern“, aber es ist fraglich, ob sein Vorgesetzter das auch so sieht. Mit Blick auf das anstehende Spiel in der Champions League beim FC Porto am Dienstag (21 Uhr) betonte Simon Rolfes: „Das einzig Gute ist, dass wir direkt wieder spielen. Es ist ganz entscheidend, dass wir die von mir genannten Komponenten in Porto zeigen.“

Wohl auch für Seoanes Zukunft unter dem Bayer-Kreuz. „Wir sind alle gefordert und in der Verantwortung“, betonte Rolfes zwar mit Blick auf die Trainerfrage, gleichzeitig hob er aber unmissverständlich hervor: „Wir brauchen jetzt kurzfristig Erfolge und ein anderes Auftreten. Das ist es, womit wir uns beschäftigen sollten – und nicht mit anderen Dingen.“

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