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Bayer Leverkusen: Rudi Völler will sich keine Krisen einreden lassen

„Wir sind stabil“ : Völler will sich keine Krisen einreden lassen

Kurz sah es so aus als würde die Werkself gegen Frankfurt einen düsteren Pokalabend erleben. Doch dann drehte die Mannschaft von Trainer Peter Bosz auf – und die Partie. Sportgeschäftsführer Rudi Völler gibt das Finale als Ziel aus.

Es war eine Trotzreaktion zur richtigen Zeit – in mehrfacher Hinsicht. Die Werkself musste früh den Rückstand durch Amin Younes hinnehmen und nach 15 Minuten hätte es bereits 0:2 stehen können. Aber Frankfurts André Silva scheiterte bei seiner Großchance an Lukas Hradecky. Nichts deutete zu dem Zeitpunkt darauf hin, dass Leverkusen souverän ins Achtelfinale einziehen würde. Doch genau so kam es, mit einem 4:1 (1:1)-Sieg, der nach schwierigem Start ins Jahr befreiend wirkt.

„Die Eintracht ist eine sehr gute Mannschaft und schwer zu bespielen. In der ersten Viertelstunde haben sie super aufgetrumpft“, räumte Sportgeschäftsführer Rudi Völler nach dem Schlusspfiff ein. Allerdings: „Danach haben wir uns gut zurückgebissen und das Spielglück erzwungen – erst mit dem Elfmeter und dann mit dem Abseitstor.“ Beide Situationen schrien geradezu nach der Überprüfung durch einen Video-Schiedsrichter, aber den gibt es in der 2. Runde nicht.

Der von Lucas Alario verwandelte Strafstoß, der die Eintracht aus dem bis dahin glänzend aufgehenden Konzept von Trainer Adi Hütter brachte, war hart, aber vertretbar: Eine Flanke von Leon Bailey prallte im Strafraum an den Ellbogen von Erik Durm. Der Faden der Gäste riss aber erst kurz danach als der bis dahin starke Younes verletzt ausgewechselt werden musste. Das 2:1 durch Edmond Tapsobas unbemerkten Abseits-Kopfballtreffer Anfang der zweiten Halbzeit und Moussa Diabys 3:1 rund 20 Minuten später zogen den Gästen den Stecker.

Nach Jonathan Tahs berechtigtem Platzverweis eine Viertelstunde vor dem Ende (Notbremse) startete Frankfurt zwar noch ein paar wütende Angriffe, doch das Schlusswort hatte erneut Diaby nach einem sauber vorgetragenen Konter. Der 4:1-Sieg bringt nicht nur das Achtelfinale, sondern stoppt auch den jüngsten Negativtrend der Werkself.

„Natürlich haben wir es gegen Bremen nicht toll gemacht und auch zuvor in Frankfurt nicht“, sagte Völler mit Blick auf das magere Remis gegen die kriselnden Nordlichter und das 1:2 in der Main-Metropole zum Jahresauftakt – und fügte hinzu: „Aber wir sind stabil. Rückschläge gibt es im Laufe einer Saison immer wieder. Bisher sind wir damit gut umgegangen. Wir dürfen uns nicht irgendwelche Krisen einreden lassen. Wir wissen, was wir können, wollen uns in der Liga vorne festbeißen und im Pokal weit kommen.“

Und wie weit? Vergangene Saison führte Trainer Peter Bosz Bayer bis ins Finale, wo der FC Bayern dann aber eine Nummer zu groß war (2:4). Geht es nach Völler, steht im Mai wieder ein Endspiel mit Leverkusener Beteiligung an: „Wir wollen wieder nach Berlin – nicht nur am Freitag gegen Union, sondern auch im Pokal.“ Doch bis dahin ist es freilich noch ein weiter Weg.

Der geht im Achtelfinale zunächst Anfang Februar beim Viertligisten Rot-Weiss Essen weiter. Der 60-Jährige hat noch lebhafte Erinnerungen an das letzte Mal, dass beide Klubs in der Runde der letzten 16 aufeinandertrafen. 1995 trug er selbst noch das Trikot der Werkself und erzielte beim spektakulären 4:4 einen Treffer. Im Elfmeterschießen entschied Bayer die Partie für sich – mit 4:1.

„Ich erinnere mich, wie eng es war. Die Stimmung der Fans in Essen hat die Mannschaft mitgerissen“, sagte Völler. Dieser Faktor wird dieses Mal pandemiebedingt indes keine Rolle spielen. So oder so sieht Bayers Sportgeschäftsführer die Rollen klar verteilt: „Mit allem Respekt: Wir wissen, dass wir Favorit sind. Es wäre blöd, etwas anderes zu sagen.“

Nadiem Amiri, der Diabys 3:1 ebenso umsichtig wie gekonnt vorbeiretete, fand nach dem letztlich klaren, aber vielleicht um ein Tor zu hohen Sieg betont selbstbewusste Worte für die nächste Aufgabe im Pokal: „Rot-Weiss Essen freut sich bestimmt nicht, dass sie jetzt gegen uns antreten müssen. Aber wir freuen uns auf sie. Wir wollen sie dort weghauen und in die nächste Runde einziehen."

Die passenden Worte nach einer befeienden Trotzreaktion.