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Bayer Leverkusen: Peter Bosz hält die Bayern für „machbar“

Vor Pokalfinale : Peter Bosz hält die Bayern für „machbar“

Der Trainer der Werkself schlägt vor dem Pokalfinale am Samstag selbstbewusste Töne an. Sein Kapitän Lars Bender steht womöglich vor seiner letzten Chance, einen großen Titel zu gewinnen – und appelliert an die Gier auf den Sieg. Daley Sinkgraven fällt für das Endspiel aus.

Was haben Rinus Michels, Huub Stevens und Louis van Gaal gemeinsam? Klar: Sie waren und sind Niederländer. Aber sie haben ebenfalls allesamt als Trainer einst den DFB-Pokal gewonnen. Geht es nach Peter Bosz, tritt er am Samstagabend die Nachfolge seiner Landsmänner an. Die von ihm trainierte Werkself trifft im Finale auf Bayern Müchen (20 Uhr). Zwar wird das Olympiastadion in Berlin leer sein, aber der Zauber des Endspiels wirkt trotzdem auf den 51-Jährigen.

„Das sind in Holland große Namen und es wäre super, wenn auch mein Name in dieser Reihe von Trainern steht“, sagt Bosz. Bedeutender als seine persönlichen Ambitionen sei aber das große Ganze. „Für Bayer 04 ist das Spiel sehr wichtig. Wir stehen nicht jedes Jahr in einem Finale. Deswegen finde ich es sehr traurig, dass die Fans nicht dabei sein können.“ Er und sein Team seien in Berlin, um nach dem Schlusspfiff den Pokal in den Abendhimmel zu stemmen. „Wir wollen gewinnen – für den Verein und für die Fans.“

Kapitän Lars Bender stößt ins gleiche Horn. Er erinnert an die Geschichte des Werksklubs, die verlorenen Endspiele, unter anderem 2002 und 2009 im Pokal, und betont die große Leverkusener Sehnsucht. „Man merkt es im Verein, in der ganzen Stadt, bei den Mitarbeiten aber auch bei den Spielern. Man lechzt nach einem Titel und bekommt nicht jedes Jahr die Chance“, sagt der 31-Jährige. „Jetzt haben wir die Möglichkeit. Entsprechend ambitioniert, ehrgeizig und gierig gehen wir die Sache an.“

Für ihn ist es wohl die letzte Möglichkeit, einen nationalen Titel zu gewinnen. Seit 2009 spielt er für die Werkself, seit 2015 ist er ihr Kapitän. Seine Karriere ist durchzogen von Verletzungspech, doch er kam immer wieder zurück, warf sich voll rein und führte das Team auf und neben dem Platz auch durch schwierige Zeiten. Längst ist er Identifikationsfigur und Publikumsliebling – ein „Leitwolf“ eben. 242 Bundesligaspiele und 21 Tore stehen in seiner bisherigen Bilanz, hinzu kommen etliche Partien auf der internationalen Fußballbühne.

Sein bisher größter Erfolg als Profi war die Silbermedaille mit Deutschland bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Nun könnte er seine sich dem Ende entgegen neigende Karriere mit dem Pokalsieg krönen. „Es ist mein erstes Finale auf nationaler Ebene und es ist klar, dass man das gewinnen möchte“, sagt er. „Jeder, der als kleiner Junge mit dem Kicken angefangen hat, wollte immer gewinnen und Titel holen. Damals ging es vielleicht eher um kleinere Medaillen, aber jetzt geht es um den großen Pokal. Meine Ausrichtung hat sich seit damals nicht verändert.“ Er spiele Fußball, um zu gewinnen.

Das Endspiel steht freilich unter besonderen Vorzeichen. Es wird ein Geister-Finale. Geht es nach Lars Bender, spielt das für die Leistung auf dem Rasen aber keine Rolle. „Es wird im Stadion merkwürdig, ganz anders als sonst, aber das hat für uns keine Auswirkungen auf die 90 Minuten. Da geht es nur darum, ein Fußballspiel zu gewinnen.“

So sieht es sicher auch Peter Bosz. Er schlägt als einer der wenigen Trainer, deren Mannschaft in dieser Saison die Bayern schlagen konnte (2:1 in der Bundesliga-Hinrunde) selbstbewusste Töne an: Der Gegner aus München sei „machbar“ betont der Niederländer. „Aber es wird nicht einfach. Das Pokalfinale ist etwas Besonderes, in Deutschland noch mehr als anderswo. Der Sieg ist möglich, aber es hängt von uns ab. Wir werden alles versuchen, um das Ding zu gewinnen.“

Nicht dabei helfen können Paulinho, der am Freitag am Kreuzband operiert wurde und Bayer monatelang fehlen wird, sowie Boszs Landsmann Daley Sinkgraven, der mit muskulären Problemen angeschlagen passen muss.