Bayer Leverkusen: Lars Bender schweigt nach 4:3-Sieg gegen Borussia Dortmund

4:3-Sieg gegen BVB : Lars Bender ist Bayers stiller Genießer

Beim spektakulären 4:3-Sieg gegen Dortmund avancierte der Kapitän der Werkself zum Held des Abends. Darüber reden wollte er allerdings nicht, Doppeltorschütze Kevin Volland hingegen schon.

Es war keine erfreuliche Rückkehr für Julian Brandt. Im Sommer war er nach fünfeinhalb Jahren in Leverkusen zu Dortmund gewechselt. Nach mehr als 90 hochunterhaltsamen Minuten gegen seinen Ex-Klub humpelte der Dortmunder in die Kabine der Gastgeber, um seinen ehemaligen Teamkollegen zu gratulieren. Im Spiel wurde er von den Bayer-Fans ausgepfiffen, mit Papierknäueln beworfen und musste zur Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden. Das Sprunggelenk machte zu große Probleme. Lars Bender foulte Brandt bereits in der ersten Minute und setzte damit ein Zeichen – und der Kapitän der Werkself war es auch, der beim Leverkusener 4:3 (2:2)-Sieg den entscheidenden Treffer erzielte.

Doch darüber reden wollte der 30-Jährige nicht. Anstatt sich öffentlich feiern zu lassen, zog es der Leitwolf der Werkself vor, zu schweigen. Angesichts der Ausfälle von Charles Aránguiz (Faserriss in der Wade), Julian Baumgartlinger (Knieprobleme), Exequiel Palacios (Rücken) und Kerem Demirbay (Sperre) ließ Trainer Peter Bosz Bender zum ersten Mal seit langem im zentralen Mittelfeld spielen. Man könnte sagen, dass der Kapitän sein Statement zum Topspiel des 21. Spieltags auf dem Platz gegeben hat – also da, wo bekanntlich immer die Wahrheit liegt.

In der 82. Minute schraubte er sich bei einer Flanke von Daley Sinkgraven in bemerkenswerter Manier am höchsten, ließ den Ball perfekt über seinen Scheitel rutschen und gab ihm so den entscheidenden Richtungswechsel ins Dortmunder Tor. Er ließ seiner Freude freien Lauf und das Stadion tobte. Zuvor hatte der Joker Leon Bailey zugestochen und das 3:3 erzielt – ein Spielstand, der durch einen Doppelpack von Kevin Volland (20./43.), einem Kopfball von Mats Hummels (22.), dem Traumtor von Emre Can (33.) sowie der zwischenzeitlichen Dortmunder 3:2-Führung durch Raphael Guerreiro zustande kam (64.). Kurz zuvor setzte Kai Havertz noch eine Großchance an den rechten Pfosten (63.).

Alleine die knappe Zusammenfassung der von vorne bis hinten rassigen Partie zeigt das enorme Ausmaß des Spektakels, das beide Mannschaften boten. Es hätten ohne Weiteres ein paar weitere Tore auf beiden Seiten fallen können, Gelegenheiten gab es zur Genüge. So aber führte die irre Dramaturgie des Samstagabends zum besseren Ende für Bayer.

„Es war ein sehr leidenschaftliches Spiel von uns“, sagte Volland. „Wir haben mutig gespielt, obwohl es nicht einfach ist, Dortmund bei einem Rückstand hinterherzurennen.“ Bayer habe den längeren Atem gehabt und das Spiel daher auch verdient gewonnen. „Wir hatten nach dem 2:3 nichts mehr zu verlieren. Dass wir das Ding in zwei, drei Minuten gedreht haben, ist der Wahnsinn.“

Für den an diesem besonderen Abend besonders stillen Genießer Lars Bender hatte der Torjäger der Werkself viele lobende Worte übrig. „Lars habe ich bis jetzt nur beim Basketballspielen so hoch springen sehen“, sagte Volland grinsend. „Es war ein überragendes Spiel von ihm und man hat nach seinem Tor gesehen, wie viel Druck von ihm abgefallen ist. Das sind echte Emotionen. Solche Typen braucht man als Mannschaft.“

Nach knapp 70 Minuten wurde Bender von Axel Witsel gefoult, bekam dabei einen heftigen Schlag auf sein Knie ab, wurde auf dem Rasen behandelt und war kurz davor, den Platz zu verlassen. „Eigentlich wollte ich ihn auswechseln“, sagte Trainer Peter Bosz. Doch dann habe der Kapitän ihn um eine weitere Minute gebeten. Kurz danach stand es vor allem dank ihm 4:3. „Dieser Wille ist es, den meine Mannschaft heute gezeigt hat. Riesenkompliment an meine Jungs.“

Sein Pendant Lucien Favre war indes freilich deutlich weniger begeistert von dem Ergebnis. „Sie können sich vorstellen, wie schwer dieses Spiel für uns zu verdauen ist“, sagte der BVB-Coach, der das Ergebnis als „sehr schade“ bewertete. „Wir hätten einen Punkt erreichen können, aber wir haben es nicht geschafft.“

Stattdessen jubelten die Leverkusener, die durch den Sieg in einem „Big-Point-Spiel“ bis auf zwei Punkte an Dortmund herangerückt sind. Weiter geht es für Bosz und sein Team am kommenden Samstag bei Union Berlin (15.30 Uhr).