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Bayer Leverkusen hat gegen Young Boys Bern das Achtelfinale im Visier

Europa-League-Rückspiel : Bayer dient sich selbst als warnendes Beispiel

Was passiert, wenn man in der Europa League ohne Fokus und Biss spielt, hat Bayer Leverkusen 45 Minuten lang beim 3:4 in Bern erlebt. „Das darf nicht wieder passieren“, mahnt Jonathan Tah vor dem Rückspiel am Donnerstag.

Jonathan Tah war bei Bayer Leverkusens 3:4 (0:3) in Bern vergangene Woche nicht zu beneiden. Der Innenverteidiger stand im Hinspiel des Sechzehntelfinals der Europa League während der desolaten ersten Halbzeit unter Dauerdruck. Eine Angriffswelle nach der nächsten rollte auf das Tor der Werkself zu. Der Schweizer Meister führte den Bundesligisten phasenweise vor. Dabei wirkte der Nationalspieler ebenso wie seine Teamkollegen fahrig und nicht bissig genug, während Bern mit Verve die Schwachstellen der Mannschaft von Trainer Peter Bosz offenlegte. Am Donnerstag kommt es zum Rückspiel (21 Uhr).

Die Ausgangslage ist klar: Ein Sieg muss her, um das Achtelfinale zu erreichen. „Es ist wichtig, dass wir fokussiert und aggressiv anfangen“, sagt Tah. „Was in der ersten Halbzeit in Bern passiert ist, darf nicht wieder passieren.“ Mut macht ihm die Aufholjagd in den zweiten 45 Minuten, die trotz Niederlage eine etwas bessere Ausgangslage einbrachte. Etwaige Rechenspiele interessieren den Nationalspieler aber nicht. „Sich damit zu beschäftigen, wie hoch und mit wie vielen Toren man gewinnen müsste, ist nicht gut“, sagt Tah.

Neben Stammtorwart Lukas Hradecky (Achillessehnenverletzung) und Lars Bender (Meniskusoperation) wird auch Sven Bender fehlen (Belastungssteuerung). Hinzu kommen Langzeitverletzte wie unter anderem Santiago Arias (Wadenbeinbruch) und Julian Baumgartlinger (Kreuzbandriss). Immerhin: Nadiem Amiri kehrt in den Kader zurück, nachdem er am Wochenende beim 1:1 in Augsburg aussetzen musste. Bei Karim Bellarabi sieht es nach überstandener Oberschenkelverletzung ebenfalls vielversprechend aus. Allerdings sei noch das Abschlusstraining abzuwarten, betont Bosz.

Der Kader der Werkself ist zweifellos geschwächt. Für den Trainer ist die Häufung von Ausfällen mehr als nur bemerkenswert. Sie ist ein Novum für den 57-Jährigen. „Ich bin jetzt 40 Jahre im Profifußball, aber so viele langfristig Verletzte habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Vieles davon sei schlicht und einfach Pech, manches sei aber auch die Folge der hohen Belastung in dieser besonderen Pandemie-Saison mit ihrem extrem eng getakteten Spielplan.

Der Niederländer ist aber freilich dennoch in der Lage, ein schlagkräftiges Team auf den Rasen zu schicken – auch dank der Winterzugänge Demarai Gray, Jeremie Frimpong und Timothy Fosu-Mensah. Was die schwachen Spiele der vergangenen Wochen angeht, nimmt sich Bosz nicht aus der Verantwortung. Schon nach dem 3:4 in Bern übte er ungewöhnlich deutliche Selbstkritik und sprach davon, dass er seine Mannschaft womöglich nicht gut genug auf die Young Boys und ihre forsche Spielweise vorbereitet hatte.

„Es ist klar, dass ich am Ende die Verantwortung trage, wenn die Leistungen nicht gut sind“, sagt der Chefcoach. „Wir versuchen immer, die Mannschaft sehr präzise auf das vorzubereiten, was auf sie zukommt. Aber man muss ehrlich sagen: Es war nicht gut, wie wir in Bern angefangen haben.“ Das sei auch erneut Thema der Analyse sowie der Besprechung mit den Spielern vor dem Rückspiel gewesen. „Ich hoffe, dass wir nun besser vorbereitet sind und wir das am Donnerstag auch sehen werden.“