Bayer vor dem Rückspiel gegen West Ham Xhaka kehrt als Champion nach England zurück

London · Das Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League gegen West Ham United ist für Bayer Leverkusens Mittelfeldstrategen Granit Xhaka ein besonderes Duell. In seinen sieben Jahren beim FC Arsenal hat er schon einige brisante Spiele im Londoner Olympiastadion erlebt. Nun will er dort auch mit der Werkself gewinnen.

 Kehrt als Deutscher Meister nach London zurück: Bayers Mittelfeldchef Granit Xhaka.

Kehrt als Deutscher Meister nach London zurück: Bayers Mittelfeldchef Granit Xhaka.

Foto: AP/Martin Meissner

Kein Spieler im Kader von Bayer Leverkusen kennt die Premier League so gut wie Granit Xhaka. Sieben Jahre spielte er für den FC Arsenal. Mit dem Klub aus London hat er einige stadtinterne Derbys bestritten. Immerhin spielen in der englischen Eliteliga gleich mehrere Vereine aus der Hauptstadt; neben dem FC Arsenal der FC Chelsea, der FC Fulham, Tottenham Hotspur, Crystal Palace und West Ham United. Mit der Werkself kehrt er nun als Deutscher Meister in die Metropole zurück. Am Donnerstag steht das Viertelfinal-Rückspiel in der Europa League an, nach dem 2:0 im Hinspiel gegen West Ham hat Bayer gute Chancen, ins Halbfinale einzuziehen.

„Ich habe schon so meine Erfahrungen, wie es ist, hier zu spielen, vor 60.000 Menschen und mit großer Atmosphäre, aber wir haben das Selbstbewusstsein, nach dem 2:0 im Hinspiel das Halbfinale erreichen zu können“, sagt Xhaka. Er hat mit West Ham zwar nicht direkt eine Rechnung offen, angenehm sind die Erinnerungen an den Klub aus dem Osten Londons aber nicht. Als der FC Arsenal in der Spielzeit 2022/23 auf dem besten Weg war, die Premier League zu gewinnen, stolperten die „Gunners“ auf den letzten Metern – unter anderem mit einem 2:2 bei den „Hammers“. Am Ende der Saison jubelte Manchester City über den Titel, Xhaka und sein Team gingen leer aus. Fast hat es den Eindruck, als hätte er in Leverkusen auch sein ganz persönliches Meisterschaftstrauma überwunden.

Xhakas klares Ziel: das Halbfinale

„Es waren sieben wundervolle Jahre in England, aber das ist Vergangenheit. Wir haben nur ein Ziel: Nach dem Spiel im Halbfinale zu stehen“, sagt er. Dass Remis bei West Ham damals war Teil einer Serie von vier Partien ohne Sieg – zu viel, um Platz eins zu behaupten. Daran will der Schweizer aber keine Gedanken mehr verschwenden. Dafür ist die anstehende Aufgabe auch zu wichtig. „Wenn man im Viertelfinale steht, ist der Hunger immer da, etwas zu gewinnen“, beschreibt der Mittelfeldchef der Werkself seine Stimmungslage, aber auch die in der Mannschaft. „Wir sind verdient Meister geworden und konnten feiern, aber wir wussten auch immer, was am Donnerstag auf uns wartet. Alle sind fit und gesund und wir werden Gas geben.“

Sein Trainer Xabi Alonso dürfte diese Worte gerne hören. Er erinnert sich noch, wie der SC Freiburg im Achtelfinale der Europa League im Olympiastadion von London unter die Räder kam. Die Mannschaft von Christian Streich gewann zuhause zwar 1:0, wurde im Rückspiel dann aber mit 0:5 demontiert. „Wir haben bei Freiburg gesehen, wie es gehen kann. Es wird ein anderes Spiel als vor einer Woche. Wir sind aber nicht nur hier, um zu verteidigen, sondern um zu gewinnen“, betonte der Meistercoach.

„Vergangenes Jahr waren wir im Halbfinale, jetzt wollen wir noch einen Schritt weiter“

Die Hoffnung etwaiger Fans der Engländer, dass sich Bayers Profis nach dem Triumph am Sonntag ein paar Bier zu viel genehmigt haben könnten, zerstreute der Spanier umgehend. „Es war natürlich ein Moment zum Genießen und Feiern, aber zu viel war es nicht.“ Die Spieler hätten ihm jedenfalls bis jetzt keinen Grund gegeben, an ihnen und ihren Ambitionen zu zweifeln. „Ich fühle den Wunsch von ihnen, nach der Meisterschaft nicht zu stoppen. Vergangenes Jahr waren wir im Halbfinale, jetzt wollen wir noch einen Schritt weiter. Ich sehe nicht, warum unsere Mentalität jetzt eine andere sein sollte als vor vergangenen Sonntag."

Xhaka lebt das mit seinen Worten geradezu vor. Für Bayers Sportgeschäftsführer Simon Rolfes hat der 31-jährige Mittelfeldstratege eine herausragende Rolle im Gesamtgefüge der Mannschaft. Nicht umsonst ist er in so gut wie jedem Spiel der Profi mit den meisten Ballkontakten. Aber auch neben dem Platz überzeugt der Routinier auf ganzer Linie. „Granit hat einen riesigen Anteil an dem Titel“, sagte Rolfes vor dem Abflug nach England. „Er spielt im Herzen der Mannschaft, ist die Verbindung zwischen den Mannschaftsteilen. Auch von der Persönlichkeit her ist er ein Top-Profi – jeden Tag. Das lebt er vor und nimmt die anderen Jungs mit." Xhaka sei ein „großartiger Leader", aber nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe mit allen Spielern im Kader. „Ich glaube, auch deswegen schätzen ihn alle.“

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