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Bayer Leverkusen: Gerardo Seoane zieht Lehren aus Debakel gegen Bayern

Bayer-Coach gewährt Einblick : Das sind Seoanes Lehren aus dem Bayern-Spiel

Bayer Leverkusens Trainer Gerardo Seoane stellt sich nach dem 1:5 gegen den FC Bayern München schützend vor seine Profis, fordert aber zugleich eine Reaktion. Was das betrifft, ist der Rekordmeister einmal mehr Vorbild für den Werksklub.

Im Hause Seoane ist es spät geworden am Sonntagabend. Der Trainer von Bayer 04 brauchte länger als gewöhnlich, um den Spieltag aufzuarbeiten. Das war auch kaum verwunderlich. Beim 1:5 (0:5)-Debakel im Top-Spiel gegen die Bayern hatte seine Mannschaft reichlich Analysematerial geliefert. All das, was die Werkself in den ersten Saisonmonaten so stark gemacht hat, schien an diesem Nachmittag wie weggeblasen. Vier Tore schenkten die Münchner den Rheinländern allein zwischen der 30. und 37. Minute ein. „Das ging so schnell, da blieb uns eigentlich keine Zeit, zu reagieren. Kaum war die Partie wieder angepfiffen, hat es auch schon geläutet“, sagte Gerardo Seoane am Morgen danach. „Das war eine brutale Situation: Hätte ich ein Time-out gehabt, dann wäre es der richtige Moment gewesen, es zu nehmen.“

Dem 42-Jährigen und seinem Team bleibt jedoch kaum Gelegenheit, durchzuatmen. Bereits am Mittwoch sitzt die Mannschaft im Flugzeug nach Spanien, wo sie am Donnerstag (18.45 Uhr) in der Europa League bei Betis Sevilla antritt. Am Sonntag (15.30 Uhr) folgt dann das Derby in der Liga beim 1. FC Köln. Die Aufgabe muss nun lauten, so schnell es geht die richtigen Schlüsse aus der Bayern-Schmach zu ziehen. „Es war nicht so, dass die Spieler nicht wollten, nicht motiviert waren oder eine schlechte Einstellung hatten“, betonte Seoane. Die Erwartungshaltung an das Duell, die Stärke des Gegners und das Misslingen von Aktionen in Kombination hätten jedoch dazu geführt, „dass wir uns ein bisschen verloren haben. Das ist auch die größte Lehre dieses Spiels: Dass es in schwierigen Momenten noch viel wichtiger ist, taktisch extrem kompakt und emotional verbunden zu bleiben.“

Gegen München hakte es beim Werksklub vorne wie hinten gleichermaßen. Fehlerhafte Offensivaktionen, ein halbherziges Anlaufen der Angreifer, Fehlpässe im Mittelfeld und ein viel zu großer Abstand zwischen den Mannschaftsteilen, insbesondere zwischen der Viererkette und der überforderten Doppelsechs, bildeten eine Melange, die das Team von Coach Julian Nagelsmann zum Toreschießen einlud. Von der von Seoane häufig angesprochenen „Solidarität“ war auf dem Rasen nichts zu sehen.

„Es war nicht so, dass ein Spieler nicht zurücklaufen wollte“, erläuterte der Schweizer. „Aber ich hatte in einigen Situationen das Gefühl, dass die Frusttoleranz bei einigen Spielern niedrig war.“ Im Fußball bleibe jedoch keine Zeit, zu lamentieren. „Da gibt es einige Beispiele, die wir aufarbeiten müssen. Wir wollen uns individuell, angefangen bei mir als Trainer, verbessern und natürlich auch als Team.“

Was es heißt, eine Reaktion zu zeigen, wissen die Münchner am besten. Sie haben in den vergangenen neun Meisterjahren lediglich zwei Mal zwei Spiele, in denen es um etwas ging, in Serie verloren. „Das ist immer die Herausforderung im Spitzensport“, sagte Seoane. „Du kannst umfallen, aber entscheidend ist, wie lange es dauert, bis du wieder aufstehst. Da können wir von den Besten lernen. Bayern kann sich vielleicht nicht erklären, wie sie trotz 40 Abschlüssen 1:2 gegen Frankfurt verloren haben und dann reagieren sie zwei Wochen später so.“