Bayer Leverkusen geht mit Hakan Calhanoglu ein Risiko ein

Bayer Leverkusen : Bayer geht mit Calhanoglu ein Risiko ein

Der Deutsch-Türke wechselt nach langem Hin und Her für angeblich 14,5 Millionen Euro vom HSV nach Leverkusen. Für viele startet er dort mit einer Hypothek, weil er seinen Weggang aus Hamburg quasi erzwungen hat. Das befremdet selbst Bayer-Anhänger.

Im Sommer 2013 war Wolfgang Holzhäuser noch Geschäftsführer von Bayer Leverkusen. Und als solcher hielt er auf Einladung der Kreissparkasse Heinsberg einen Vortrag über Werte im Fußball. Damals wollte eine Zuhörerin wissen, ob denn der Werks-klub tatsächlich auf den Charakter eines Spielers schaue, bevor er über dessen Verpflichtung entscheide. "Prinzipiell achten wir auf den Charakter", antwortete Holzhäuser. Aber wenn man zum Beispiel dringend einen Stürmer brauche, mache man da schon mal Abstriche.

Knapp ein Jahr später ist Holzhäuser längst nicht mehr im Amt. Doch als Bayer 04 gestern die Verpflichtung des Hamburgers Hakan Calhanoglu für kolportierte 14,5 Millionen Euro bekanntgab, klang seine Aussage aktueller denn je. Da holte der Werksklub in den Augen vieler einen 20-Jährigen, an dessen Integrität einem Arbeitgeber gegenüber in den vergangenen Wochen doch so einige Zweifel erwachsen waren.

Vielen Beobachtern war nachhaltig sauer aufgestoßen, dass der Deutsch-Türke rund um das nervenaufreibende Saisonfinale des abstiegsbedrohten Hamburger SV seinen Wechselwunsch öffentlichkeitswirksam vorgetragen hatte - und das, obwohl er erst im Frühjahr seinen Vertrag bis 2018 verlängert hatte. Im Mai warb Calhanoglu um Verständnis für seinen Wechselwunsch, weil er doch in Leverkusen in der Champions League spielen könne. Er wolle so weit kommen, wie Messi oder Cristiano Ronaldo, sagte er.

Die, die es weiterhin gut mit ihm meinten, wähnten ihn zumindest schlecht beraten. Die, die es nicht ganz so gut mit Calhanoglu meinten, beschimpften ihn zuweilen heftigst in den sozialen Medien. Bei den HSV-Fans war er unten durch, für den HSV wurde er plötzlich zum Problemfall. Zuletzt wurde Calhanoglu von einer Psychologin vier Wochen lang krank geschrieben und verpasste somit den Trainingsauftakt der Hanseaten.

Nun ist Calhanoglus Wechselwunsch also erfüllt. Der HSV hatte anfangs noch vehement dem Leverkusener Werben widersprochen und auf besagten Vertrag gepocht, aber letztlich doch einsehen müssen, dass a) ein Verein von einem Spieler erpressbar ist und b) man die 14,5 Millionen Euro gut gebrauchen kann, um Pierre-Michel Lasogga aus Berlin fest zu verpflichten.

In Leverkusen ist derweil die Freude groß, ein Riesentalent und den Wunschspieler bekommen zu haben. "Dank seiner Spielmacherqualitäten und seiner Torgefahr ist Hakan für unsere Mannschaft eine absolute Bereicherung. Er soll und wird unserem Team einen wichtigen Qualitätsschub geben", sagte Sportdirektor Rudi Völler. Geschäftsführer Michael Schade gewann Calhanoglus in der Öffentlichkeit höchst umstrittenem Wechselwunsch sogar etwas Positives ab: "Sein frühes und eindeutiges Bekenntnis zu Bayer 04 hat uns ermutigt, die Bemühungen trotz teilweise schwieriger Begleitumstände nie einzustellen", wurde er zitiert.

Was unter dem Strich dieses Wechsels dennoch für Bayer bleibt, ist ein Risiko. Zum einen ein finanzielles, schließlich bedeuten 14,5 Millionen Euro die Rekordausgabe des Vereins auf dem Transfermarkt. Zum anderen sehen aber eben auch viele in der Person Calhanoglu ein Risiko, denn es steht zumindest zu befürchten, dass die Vertragslaufzeit bis 2019 letztlich wenig Wert besitzt, sollte in naher Zukunft ein großer Klub die Fühler nach dem Profi ausstrecken.

Agiert Calhanoglu dann wie in Hamburg? Geht es dann irgendwann wieder nur noch um einen lukrativen Weiterverkauf, weil der Fußballer unbedingt weg will? "Ich freue mich sehr und werde alles geben, der Mannschaft zu helfen", sagte der Jungstar gestern.

So mancher wird die Haltbarkeit dieser Aussage im Blick behalten.

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(RP)