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Bayer Leverkusen: Die Baustellen werden für Trainer Peter Bosz größer

Formtief, Verletzungspech, Ergebniskrise : Bayers Baustellen werden immer größer

Daley Sinkgraven erleidet einen Muskelfaserriss im Training und Florian Wirtz muss nach positivem Coronatest in Quarantäne – keine guten Voraussetzungen für das Schlüsselspiel am Samstag in Mönchengladbach.

Wenn es bei einer Fußballmannschaft nicht läuft und Erklärungen für die Misere knapp werden, kommen grenzwissenschaftliche Ansätze ins Spiel. Bei Bayer Leverkusen von einem „Fluch“ zu sprechen, mag zunächst übertrieben klingen, trifft aber den Wesenskern der aktuellen Krise. Ein Blick auf die bisherige Woche reicht aus, um das zumindest in Erwägung zu ziehen. Am Montag vermeldete der Werksklub, dass sich Winterzugang Timothy Fosu-Mensah das rechte Kreuzband gerissen hat, am Mittwoch wurde der positive und quarantäneverursachende Corona-Test von Florian Wirtz publik und am Donnerstag erwischte es Daley Sinkgraven. Der Niederländer zog sich im Training einen Faserriss zu.

In dem Zusammenhang ist die Nachricht, dass die Infektion von Wirtz nicht zu einer Kettenreaktion im Kader geführt hat, noch die beste vor dem Spiel am Samstag in Mönchengladbach (15.30 Uhr). Kontakte zu Mitspielern und dem Betreuerstab hätten nicht bestanden, teilte der Klub mit. Alle anderen Tests im Team seien negativ ausgefallen. Wirtz wird nun in seiner häuslichen Isolation verfolgen, wie sich die Werkself beim Rivalen vom Niederrhein schlägt.

Die Partie ist eine Art Krisengipfel, denn beide Teams spielen derzeit weit unter ihren Möglichkeiten. Gladbach musste sich am Dienstag im DFB-Pokal Dortmund geschlagen geben (1:0) – also pikanterweise dem Klub, der im Sommer neuer Arbeitgeber von Trainer Marco Rose wird.

Seit die Entscheidung des Coaches öffentlich wurde, gebrauch von seiner Vertragsklausel zu machen und zum BVB zu wechseln, läuft es nicht mehr beim Champions-League-Teilnehmer. In der Rückrundentabelle steht die Borussia vom Niederrhein mit fünf Punkten aus sechs Spielen so enttäuschend da, wie Bayer 04. Nur Schalke, Hertha BSC und Bielefeld haben eine noch schlechtere Ausbeute als die beiden ambitionierten Klubs, die sich eigentlich als Konkurrenten um Platz vier oder mehr wähnen.

Davon kann derzeit dies- und jenseits des Rheins aber keine Rede mehr sein. Es ergebe in der aktuellen Phase keinen Sinn, über die Champions League zu sprechen, sagte Bayers Trainer Peter Bosz bereits vor der 1:2-Heimniederlage gegen Freiburg am vergangenen Sonntag. Er steht ebenso wie sein Pendant Rose geradezu unter Siegzwang, um die Talfahrt seiner Mannschaft zu stoppen.

Die beiden jüngsten Ausfälle machen die Aufgabe freilich nicht einfacher. In Wirtz fehlt Bayers ohnehin seit Wochen struktur- und ideenlosem Mittelfeld ein weiterer wichtiger Spieler. Trotz des aktuellen Formtiefs beim 17-jährigen Senkrechtstarter wäre er freilich nach wie vor einer für die überraschenden, kreativen Momente, die schnellen durchstecker und raumöffnenden Pässe.

In Sinkgraven hat sich gleich ein potenzieller Ersatz für die Position verletzt. Der Niederländer ist zwar nominell linker Verteidiger, hat seine Karriere aber einst im offensiven Mittelfeld begonnen. So bleibt Bosz nichts anderes übrig, als im Zentrum auf die Achse aus Charles Aránguiz, Kerem Demirbay und Nadiem Amiri zu setzen – ein Trio, das sich zuletzt in mäßiger bis schlechter Verfassung präsentierte. Noch schwieriger ist die Lage hinten rechts. Durch die Ausfälle von Santiago Arias, Lars Bender und Timothy Fosu-Mensah läuft es wohl auf Aleksandar Dragovic hinaus – oder den von seinem Faserriss genesenen Mitchell Weiser, der seit gut einer Woche wieder mit der Mannschaft trainiert.