Klartext von Andrich „Die Situation ist brutal gefährlich“

Leverkusen · Bayer Leverkusens Mittelfeldspieler findet nach dem 1:1 gegen Werder Bremen deutliche Worte, um die schwierige Lage beim Werksklub zu beschreiben. Der Fokus richtet sich auf Gerardo Seoane, der einräumt: „Als Trainer stehe ich in der Verantwortung."

Leverkusens Robert Andrich und Charles Aránguiz (v.r.) stehen nach dem Schlusspfiff gegen Bremen enttäuscht auf dem Rasen.

Leverkusens Robert Andrich und Charles Aránguiz (v.r.) stehen nach dem Schlusspfiff gegen Bremen enttäuscht auf dem Rasen.

Foto: dpa/Marius Becker

Was genau Gerardo Seoane durch den Kopf ging, während Ole Werner seine Einschätzung zum Spielverlauf abgab, weiß freilich nur er. Sicher ist, dass der Trainer von Bayer Leverkusen nach dem 1:1 gegen Werder Bremen alles andere als glücklich aussah. Mit versteinerter Mine wartete er ab, bis sein Kollege fertig war – wohlwissend, dass auf ihn vor allem kritische Fragen warten. Die Werkself liegt mit nun fünf Punkten aus sieben Spielen in der Bundesliga weit hinter den Erwartungen zurück. Das Remis gegen den Aufsteiger ist zu wenig für den Champions-League-Teilnehmer, um erleichtert in die Länderspielpause gehen zu können.

Mittelfeldspieler Robert Andrich fand nach dem Schlusspfiff bereits klare Worte. „Die Situation ist brutal gefährlich. Jedem muss bewusst sein, was gerade abgeht, nichts anderes zählt“, sagte der 27-Jährige. Mit Blick auf Bayers eigentlichen Anspruch, der irgendwo bei Platz vier oder höher liegt, fügte er hinzu: „Wir haben ganz andere Probleme als die Regionen in der Tabelle, die wir uns vorstellen. Daher müssen wir punkten – und damit am besten in München loslegen.“

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Die Partie beim ebenfalls zuletzt nicht sattelfesten und seit vier Ligaspielen sieglosen Rekordmeister zum Auftakt des 8. Spieltags in knapp zwei Wochen hat freilich den Klang eines absoluten Top-Spiels in der Bundesliga, doch in der aktuellen Lage gerät sie für beide Seiten eher zu einem Krisengipfel.

Bayers Probleme fasst Andrich, der unter der Woche beim 2:0 gegen Atlético Madrid sein erstes Tor in der Champions League erzielte, vergleichsweise sachlich zusammen. Vor allem die mangelhafte Chancenverwertung habe einem Sieg gegen Bremen im Weg gestanden. „Es ist eine Mischung aus der fehlenden letzten Konsequenz, falschen Entscheidungen und Unkonzentriertheit“, monierte der Profi. „Das ist aktuell zu wenig und so kann man kaum Spiele gewinnen.“ Das sei allerdings kein neues Phänomen in dieser Saison. „Das ist schon häufiger unser Problem gewesen: Wir spielen uns sehr gut über außen durch, aber dann fehlt zu oft der letzte Pass. Daran müssen wir arbeiten.“

In der Tat vergaben die Leverkusener eine ganze Reihe guter Chancen, ehe Kerem Demirbay per sehenswertem Schlenzer nach einer knappen Stunde das 1:0 erzielte. Danach gab es Gelegenheiten, für die Vorentscheidung zu sorgen, doch es fehlte immer ein bisschen. So konnte Bremen von seiner inzwischen bekannten Stärke zehren, auch in den Schlussminuten stets gefährlich zu bleiben. Milos Veljkovic staubte nach einer Szene, bei der Leverkusens Schlussmann Lukas Hradecky zunächst einen Abschluss von Niclas Füllkrug stark parierte, dann aber unglücklich agierte, zum 1:1 ab (82.).

So richtet sich der Fokus auf Seoane. Ob der Schweizer auch noch in München auf der Bank der Leverkusener sitzt, ist eine Frage, die nur Simon Rolfes beantworten kann. Der Sportgeschäftsführer machte sich nach dem Abpfiff allerdings rar und mied etwaige Mikrofone. Bei Bayer konnte sich nach der starken Vorsaison unter Seoanes Regie wohl niemand vorstellen, nach sieben Spieltagen in der Bundesliga mit einer Trainerdiskussion konfrontiert zu sein.

Die Bilanz in der aktuellen Spielzeit ist trotz zuletzt aufsteigender Tendenz einigermaßen verheerend. Im Pokal war in Runde eins beim Drittligisten SV Elversberg Schluss. In der Liga gab es bislang nur einen Sieg, hinzu kommt der Fehlstart in der Champions League beim 0:1 in Brügge, der durch den Erfolg gegen Madrid zumindest ein wenig kaschiert wurde. Auffällig ist, dass es immer etwas anderes ist, das einen Sieg der Werkself verhindert. Nun war es die Chancenverwertung, mal sind es aber auch schlicht zu viele individuelle Fehler oder fahrlässiges Verhalten in der Defensive.

„Ein Blick auf die Tabelle zeigt vieles auf“, sagte Seoane. „Wir sind unzufrieden mit den Resultaten und als Trainer stehe ich in der Verantwortung für die Punktausbeute, das ist klar.“ Es gebe aber auch positive Erkenntnisse – zum Beispiel, dass die Mannschaft in den vergangenen Spielen sehr geschlossen und solidarisch aufgetreten sei und alles unternommen habe. Es gebe freilich noch viel zu verbessern, dieses Mal sei es die Effizienz gewesen. Dann schloss sich der 43-Jährige Robert Andrichs Worten an: „Wenn du aus so vielen Chancen keine Tore erzielst und das über eine ganz lange Zeit, ist die Situation selbstverständlich gefährlich.“

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