Bayer Leverkusen: Am Montag beim 1. FC Nürnberg

Montagabend in Nürnberg: Das Spiel der Wahrheit für die Werkself

Am Montagabend tritt Bayer 04 Leverkusen beim 1. FC Nürnberg an. Die beiden Mannschaften trennen nur vier Punkte. Allein diese Statistik reicht, um die Bedeutung des Spiels herauszustellen.

Mit drei Punkten gegen Rasgrad wäre Bayer 04 der Gruppensieg in der Europa League sicher gewesen. Aber es bleibt beim Konjunktiv. Wie so oft in dieser Saison. Die 90 dürftigen Minuten gegen den bulgarischen Meister offenbarten einmal mehr gravierende Mängel im Spiel der Werkself. Trotz der Rotation von zehn Spielern in der Startelf stand immer noch ein Team auf dem Platz, das die schwachen Gäste hätte schlagen können – oder besser gesagt: müssen. Dass Mitchell Weiser mit einem eher ungewollten Traumtor aus sehr spitzem Winkel (85.) den Rückstand (65.) egalisierte, war im Grunde der einzige Lichtblick an einem tristen Abend, der die im Fußball gängige Phrase „Not gegen Elend“ mit Anschauungsmaterial unterfütterte.

Die traurigste Nachricht ereilte die Werkself aber einen Tag danach: Panagiotis Retsos, der nach einem Sehnenriss im rechten Oberschenkel monatelang an seinem Comeback arbeitete, griff sich nach etwa einer halben Stunde gegen Rasgrad ohne Fremdeinwirkung an den Oberschenkel und humpelte in Begleitung der Mannschaftsärzte vom Platz. Die Diagnose erfolgte am Freitagnachmittag: Der griechische Nationalspieler zog sich eine Muskel-Sehnen-Verletzung im rückseitigen linken Oberschenkel zu. Es war sein erster Pflichtspieleinsatz in dieser Saison. Über die Behandlung wird die medizinische Abteilung von Bayer 04 in Absprache mit Retsos zu Beginn der kommenden Woche entscheiden, teilte der Verein ohne eine genaue Ausfallzeit mit. In diesem Jahr wird der Abwehrspieler aber wohl nicht mehr auf den Platz zurückkehren. „Das bitterste an dem Abend ist seine Verletzung“, sagte Trainer Heiko Herrlich bereits nach dem Schlusspfiff.

Immerhin konnte er einige seiner Stammspieler für das eminent wichtige Spiel am Montagabend in Nürnberg schonen (20.30 Uhr). Ein Blick auf die Tabelle verdeutlicht die Bedeutung der Partie. Mit einem Sieg wäre Leverkusen auf dem Weg Richtung einstelliger Tabellenplatz, was in der bislang schwierigen Spielzeit ein wichtiger Schritt für höhere Ambitionen wäre. Bei einer Niederlage könnte das vorerst zumindest verscheuchte Abstiegsgespenst allerdings wieder fröhlich unter dem Bayer-Kreuz spuken. Aber das ist bis zum Schlusspfiff am Montagabend ebenfalls Konjunktiv. Die fußballerische Magerkost gegen Rasgrad vor einer Minuskulisse taugt indes nicht als Mutmacher. Die BayArena war am Donnerstagabend höchstens halbvoll. Die Nordkurve kommentierte das mit selbstironischen Sprechchören („80.000 Bayer-Fans, Schalalalala!“ oder „Wer nicht hüpft, der ist zuhause, Hey! Hey!“). Der Torschütze sprach nach der Partie von hohem Aufwand und intakter Moral. „Wir hatten uns bereits vor dem Spiel gegen Stuttgart vorgenommen, kein Spiel bis zur Winterpause zu verlieren“, sagte Weiser.

In Nürnberg steht der nächste Härtetest für das Vorhaben an, bis Weihnachten kein Spiel zu verlieren. Ein Sieg bei den Franken wäre angesichts der momentanen Situation ein dringend benötigter Stimmungsaufheller.

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