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Bayer Leverkusen: Bayer hat 100 gewaltbereite Fans

Bayer Leverkusen : Bayer hat 100 gewaltbereite Fans

Opfer und ehemalige Täter berichten über Ausschreitungen am Rande des Fußballs und über die schweren juristischen Folgen.

Beim Fußball geht es halt schon mal ein wenig derber zu, meinen Fans lapidar, oder besser: die, die sich dafür halten. Und sie meinen nicht nur die Angriffe der Fußballer auf dem Spielfeld, sondern auch das, was sich zuweilen auf den Rängen oder vor den Stadien im Umfeld eines Fußballspiels abspielt. Auch wenn zuletzt einige Vorfälle für Aufsehen sorgten, wie die Schlägerei von angeblichen "Bayer-Fans" am Düsseldorfer Hauptbahnhof, so will Stefan Thomé das Thema nicht gleich überbewerten: "In Leverkusen haben wir zwar auch eine gewaltbereite Szene von etwa einhundert Personen, doch die ist im Vergleich zu anderen Bundesligisten doch recht gering."

Thomé ist Sozialpädagoge und seit 18 Jahren Leiter des Fan-Projekts in Leverkusen. Damit will er ein virulentes Thema aber keineswegs schönreden, betont Thomé, der deswegen die Fans zu einer Diskussionsrunde ins "Stadioneck" an der Bismarckstraße eingeladen hatte. Neben 20 Fans waren Rechtsanwalt Jens George und Norbert Mehlich, Mitarbeiter in der Jugendgerichtshilfe, dabei und sprachen die Konsequenzen an, die ein Fehlverhalten für die Beteiligten mit sich bringen kann.

"Leider waren nur wenige dabei, und gerade die, die sich das hätten anhören sollen, fehlten", bedauerte Thomé. Dafür entwickelte sich eine fast dreistündige Diskussion über das Thema der Randerscheinungen beim Fußball, mit zahlreichen Schilderungen von Beteiligten — Opfern wie (ehemaligen) Tätern.

So schilderte Marco, wie er jüngst nach einem Spiel von zwei Personen angegriffen wurde, ihm der Fanschal geklaut wurde und er noch einen Nasenbeinbruch erlitt. Die Täter wurden ermittelt. Was denen jetzt droht, machte Rechtsanwalt George, selbst bekennender Bayer-Fan, deutlich: "Neben den Folgen eines Strafprozesses drohen auch hohe zivilrechtliche Folgen."

"Irgendwann hat's aber auch bei mir Klick gemacht"

Marcos Krankenkasse wird sich schadlos halten, Kosten von einigen tausend Euro kommen da schnell zusammen. Marcos Arbeitgeber kann Verdienstausfall geltend machen, das Opfer Schmerzensgeld beanspruchen. Früher einmal Intensivtäter war ein junger Mann, der nach seinem "Scheiß", den er gebaut habe, ins Gefängnis musste. "Irgendwann hat's aber auch bei mir Klick gemacht", bekannte er und riet, sich von Krawall und kriminellen Taten am Rande von Fußballspielen fernzuhalten.

Geläutert zeigt sich offenbar auch ein 19-Jähriger, der bei der Schlägerei zuletzt in Düsseldorf dabei war. Er zeigte sich, wie Fanprojekt-Leiter Thomé berichtet, einsichtig und hofft auf ein mildes Gerichtsurteil. Thomé kennt aber auch die vielen anderen, die nach den Vorfällen bei ihm im Büro sitzen, durchaus wissen, dass sie Strafbares getan haben, sich dabei aber selbst nur ein müdes Lächeln abgewinnen können. Da Polizei und Gerichte deutlich konsequenter vorgehen, wie Rechtsanwalt George aus seiner Praxis berichtet, sollten sich die Betroffenen der Folgen bewusst sein.

Aktuell hat er vier Fälle von Fußball-Kriminalität zu vertreten. Ungeschoren davon zu kommen, wird bei den Maßnahmen der Polizei immer unwahrscheinlicher, die modernste Überwachungstechnik benutzt und Zivilbeamte einsetzt, die potenzielle Krawallmacher beobachten. Wer erwischt wird, braucht nicht groß auf Gnade zu hoffen. Dann ist das Stadionverbot, das Bayers Fußball-Abteilung grundsätzlich ausspricht, die kleinste Strafe. Auch sollten die Jugendlichen bedenken, was das für ihren beruflichen Werdegang bedeuten kann, sagt George. Schnell hat man eine Eintragung im Bundesmelderegister und gilt als vorbestraft.

(sg-)