Bayer 04 Leverkusens Tin Jedvaj avanciert zum Torjäger

Abwehrspieler zeigt Stürmer-Qualitäten : Tin Jedvaj, der Torjäger

Sowohl bei Bayer 04 als auch in der kroatischen Nationalmannschaft stellte Tin Jedvaj zuletzt seine Qualitäten als Angreifer zur Schau. Dabei fühlt sich der 22-Jährige in der Innenverteidigung am wohlsten.

Bislang war Tin Jedvaj in gegnerischen Strafräumen nicht gerade gefürchtet. Drei Bundesliga-Treffer in 70 Partien für die Werkself zeugen nicht zwingend von einem ausgeprägten Torriecher des Fußballprofis von Bayer 04. Ob die vergangenen Wochen daran etwas geändert haben? Möglich wäre es. Immerhin erzielte der 22-Jährige in den vergangenen sechs Pflichtspielen vier Tore: zwei davon für den Werksklub in Pokal und Europa League, dazu ein Doppelpack für Kroatien inklusive des Last-Minute-Siegtreffers gegen Spanien. Für Bayer-Trainer Heiko Herrlich ist die Torgefahr seines Schützlings keine Überraschung. „Wir wissen schon, dass er gerade bei Standardsituationen gefährlich ist und sich gut einschaltet“, sagt er.

Der Coach der Werkself setzte den 2015 für rund sieben Millionen Euro fest vom AS Rom verpflichteten Verteidiger in dieser Saison bislang in neun von 17 möglichen Partien ein. In fünf Begegnungen stand der kroatische Vizeweltmeister in der Startformation. Bislang kam Jedvaj unter dem Bayer-Kreuz in dieser Saison allerdings ausschließlich als rechter Abwehrspieler oder Innenverteidiger zum Zug. In der Nationalmannschaft stellte ihn Kroatiens Coach Zlatko Dalic zuletzt aber zwei Mal in Folge als Linksverteidiger auf.

„Ich bin der Überzeugung, dass er auch dort spielen kann, das hat er in der Nationalmannschaft immer wieder bewiesen. Aber er muss es auch annehmen“, sagte Herrlich. Der 46-Jährige sieht Jedvaj zwar nach wie vor primär als rechten Verteidiger, weiß aber um die Flexibilität des gebürtigen Zagrebers. Ihn als Linksverteidiger für den in Leverkusen nahezu konkurrenzlosen Wendell aufzubieten, der zuletzt selten überzeugte, sei „eine Option, die wir schon vorher auf dem Schirm hatten.“

Ginge es nach Jedvaj, würde er wohl ausschließlich in der Abwehrzentrale eingesetzt werden. Dort fühlt sich der 18-fache Nationalspieler am wohlsten. Letztlich liegt es aber an Herrlich, die Stärken des Defensiv-Allrounders mit Torjägerqualitäten richtig einzuschätzen und gewinnbringend für seine Mannschaft einzusetzen. „Er hat großes Potenzial, muss dieses aber auch konstant abrufen“, betont Herrlich. Eine Umschreibung, die fast auf die komplette Leverkusener Mannschaft zutrifft.

In den Augen von Kroatiens Nationaltrainer Zlatko Dalic habe Jedvaj „nach der WM noch einmal einen großen Sprung gemacht.“ Leverkusens Verantwortliche hätten sicher nichts dagegen, wenn Jedvaj auch am Freitag gegen den VfB Stuttgart (20.30 Uhr, BayArena) seine Qualitäten in der Defensive und Offensive präsentieren würde – ob nun als Links-, Rechts-, oder Innenverteidiger.

(sb)
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