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Bayer 04 Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes: „Wir übernehmen Verantwortung“

Simon Rolfes im Interview : „Wir übernehmen Verantwortung“

Bayer Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes im Gespräch über einen Gehaltsverzicht, Charles Aránguiz und die Fortsetzung der Saison.

Herr Rolfes, das Arbeitsleben vieler Menschen auf der ganzen Welt hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen stark verändert. Wie gehen Sie mit der Situation um?

Rolfes Nicht nur das: Unser aller Alltag hat sich gewandelt. Der Fußball fehlt mir, fehlt uns allen. Es ist kein Training und es werden auch keine Spiele ausgetragen. Trotzdem gibt es genügend langfristige Themen, die wir nun angehen können und auch müssen.

Zu Ihren Hauptaufgaben gehört die Kaderplanung. Wie schwierig gestaltet diese sich aktuell?

Rolfes Der Großteil unserer Mannschaft hat langfristige Verträge. Im Winter haben wir mit Exequiel Palacios und Edmond Tapsoba zudem noch einmal gut nachgelegt. Wir fühlen uns daher als Verein gut aufgestellt. Unsere Hausaufgaben machen wir mit Blick auf die kommende Saison natürlich trotzdem. Der Transfermarkt ist verständlicherweise deutlich ruhiger als sonst zu diesem Zeitpunkt der Saison. Es wird sich alles ein wenig nach hinten verschieben.

Der Vertrag von Fan-Liebling Charles Aránguiz gilt nur bis zum Sommer. Bayer 04 würde gerne mit ihm verlängern. Wie ist der Stand der Verhandlungen?

Rolfes Es gibt gute Gespräche mit ihm und auch positive Signale, was eine Vertragsverlängerung betrifft. Aufgrund der Corona-Krise ruht das Ganze aber erst einmal.

Die Bayer-Fans haben zuletzt versucht, den Leistungsträger mit einem emotionalen Brief zum Verbleib zu bewegen.

Rolfes Solche Aktionen sind den Spielern wichtig. Es zeigt ihnen, dass sie nicht nur im Verein, sondern auch bei den Fans eine hohe Wertschätzung erfahren. Ich fand die Aktion der Fans super.

Muss es eine Sonderregelung für die Spieler geben, deren Verträge am 30. Juni enden, falls die Bundesliga-Saison erst im Juli beendet werden könnte

Rolfes Das Ziel sollte sein – natürlich unter Einhaltung aller gesundheitlichen Aspekte – die Saison bis zum 30. Juni zu Ende zu spielen. Auch wenn das vermutlich nur mit Geisterspielen möglich sein wird. Was Ausnahmeregelungen betrifft, da sind dann auch die Verbände und nicht nur die Vereine gefragt.

Halten Sie es für sinnvoll oder zumindest denkbar, das Ende des Sommer-Transferfensters nach hinten zu verschieben?

Rolfes Das ist derzeit das geringste Problem. Es müsste nicht zwangsweise so kommen. Wenn die Saison Ende Juni beendet ist, blieben immer noch acht bis neun Wochen. Viel wichtiger ist die Frage, in welchem Modus und ab wann wir den Spielbetrieb wieder aufnehmen können.

In der Europa League steht der Werksklub nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel bei den Glasgow Rangers mit einem Bein im Viertelfinale. Wie könnte es dort weitergehen?

Rolfes Vorrang hat die nationale Liga und die steht auch bei uns im Fokus. Wie es bei den internationalen Wettbewerben aussieht, lässt sich nur schwer abschätzen. In den verschiedenen Ländern gibt es schließlich auch unterschiedliche Entwicklungen rund um das Coronavirus. Da werden wir wohl noch einige Wochen abwarten müssen. Es wird gewiss Lösungen und Modelle geben, die nie zuvor in diesen Wettbewerben genutzt wurden.

Welche langfristigen Folgen könnte die aktuelle Zwangspause für den Fußball haben?

Rolfes Auf lange Sicht wird sich der Fußball immer adaptieren. Er interessiert die Menschen – auch in Zeiten einer Krise.

Das Thema Gehaltsverzicht ist angesichts des Stillstands bei vielen Bundesligisten ein Thema, so auch beim Werksklub. Sportgeschäftsführer Rudi Völler hat zuletzt betont, dass jeder im Verein seinen Beitrag leisten müsse – und nicht nur die Spieler.

Rolfes Da stehe ich vollkommen hinter ihm. Das gilt natürlich für Spieler, Trainer und auch das Management. Es geht auch um ein Signal in den Verein hinein, in die Liga, den Sport und die Gesellschaft, dass wir Verantwortung übernehmen und Solidarität zeigen.

Das Gespräch führte Sebastian Bergmann