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Bayer 04 Leverkusen: Zwangspause kommt für die Werkself zur Unzeit

12 Siege aus 14 Spielen : Bundesliga-Pause kommt für Bayer zur Unzeit

Bayer Leverkusen ist das Team der Stunde. Die Unterbrechung kommt für die formstarke Werkself zur Unzeit und hat dennoch Verständnis für das Aussetzen des Spielbetriebs.

Als die Rangers den Anschlusstreffer erzielten, es plötzlich nur noch 2:1 stand und das Ibrox-Stadion zum Hexenkessel wurde, war das für Peter Bosz ein besonderer Moment. Der Trainer von Bayer Leverkusen geriet nach dem Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League regelrecht ins Schwärmen. „Das war eine Phase, in der ich erlebt habe, wie das Ibrox lebt. Das hat einen Riesenspaß gemacht“, sagte der 56-Jährige. Der Trainer und seine Spieler haben die Atmosphäre in vollen Zügen genossen.

Tatsächlich dürfte Bayers 3:1 (1:0)-Erfolg bei den von Liverpool-Legende Steven Gerrard trainierten Schotten bis auf Weiteres das letzte Spiel vor Zuschauern gewesen sein. Knapp 48.000 Menschen verfolgten das Spiel in dem legendären Stadion in Glasgow, während die anderen Partien bereits vor leeren Rängen stattfanden. Kai Havertz (37.), Charles Aránguiz (67.) und Leon Bailey (88.) trafen für die Gäste aus dem Rheinland, George Edmundson stellte den stimmungsanheizenden Anschluss her (75.). Es war auf absehbare Zeit aber auch das letzte Fußballspiel für die Werkself.

Die zunächst vor Geisterkulisse angesetzte Partie bei Werder Bremen am Montagabend ist abgesagt, das für kommenden Donnerstag geplante Rückspiel gegen Glasgow ebenfalls. Der Fußball erlebt wie der Rest der Sportwelt eine Zwangspause historischen Ausmaßes. Längst gibt es erste Corona-Infektionsfälle von Spielern, Trainern und Funktionären. Der Spielbetrieb ist nicht aufrecht zu erhalten. „Ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht. Es sind verrückte Zeiten“, betonte Bosz, der niederländische Coach.

Das Ausmaß der Krise relativiert die Bedeutung des Fußballs auf ein Minimum. Doch die Zwangspause ist für Leverkusen besonders bitter. Bayer 04 hat einen Lauf, gewann zwölf der vergangenen 14 Pflichtspiele, steht im Halbfinale des DFB-Pokals – Gegner ist Viertligist Saarbrücken – und hat die Tür zum Viertelfinale der Europa League weit aufgestoßen. In der Liga hält die Mannschaft Kurs Richtung Champions-League-Plätze.

Nationalspieler Jonathan Tah hätte dennoch Verständnis dafür, wenn der Fußball komplett zum Stillstand käme. „Uns als Spielern ist es wie der gesamten Gesellschaft wichtig, dass eine Lösung gefunden wird.“ Dafür würde er auch in Kauf nehmen, dass der formstarken Werkself eine potenziell herausragende Saison verhagelt werden könnte. „Wenn es dabei hilft, das Virus zu bekämpfen und Menschen damit geholfen werden kann, stehen wir voll dahinter. Dann geht es nicht mehr um Titel, sondern um die Gesundheit – und das ist das Wichtigste, was ein Mensch haben kann.“