Bayer 04 Leverkusen: Wie Peter Bosz sein Spiegelbild besiegte

Bayer spielt effizient und gewinnt : Wie Peter Bosz sein Spiegelbild bezwang

In der Partie beim FC Bayern stellten ausnahmsweise die Gäste aus Leverkusen das Team, das effizient spielte und gewann. Bayers Trainer Peter Bosz konnte die Gefühlslage seines Gegenübers Hansi Flick nur allzu gut nachempfinden.

Über die Stränge schlägt Peter Bosz praktisch nie. Als Fußballprofi flog der niederländische Coach von Bayer 04 laut Statistik lediglich ein einziges Mal mit glatt Rot vom Platz. Und auch beim Feiern hält sich der 56-Jährige meistens zurück. Selbst den Abend nach dem 2:1 am vergangenen Samstag beim Rekordmeister aus München ließ er eigenen Angaben zufolge ruhig ausklingen. „Wir waren erst sehr spät zurück, da sind wir direkt schlafen gegangen“, sagte Bosz und fügte hinzu: „Es sind drei Punkte – nicht mehr und nicht weniger.“

Trotz seines Understatements wird der Fußballlehrer die vergangene Woche – inklusive des 2:0-Erfolgs in Moskau – freilich genossen haben und sie ihn in seinem Tun bestärkt haben. Selbst wenn der Sieg beim Rekordmeister etwas glücklich zustande kam. Die Münchner erarbeiteten sich vor allem nach dem Seitenwechsel Chance um Chance, scheiterten aber wahlweise am eigenen Unvermögen, dem Aluminium oder am gut aufgelegten Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky. Die Gäste hingegen spielten effizient und überzeugten durch Kampf und Leidenschaft.

Die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Tor war in dieser Saison bislang keine Spezialität der Werkself. Im Gegenteil. Sowohl gegen Freiburg (1:1), Gladbach (1:2), Bremen (2:2) und Hoffenheim (0:0) wäre bei einer besseren Chancenausbeute deutlich mehr drin gewesen. Am Samstag spielten nun jedoch die Bayern so, wie die Zuschauer es bisweilen von Bayer gewöhnt waren: überlegen, aber schludrig im Abschluss.

Bosz kam sich daher zeitweise vor, als würde er gegen sein eigenes Spiegelbild antreten. „Das stimmt, das habe ich wirklich gedacht“, erklärte er. „Das, was Hansi Flick auf der Bank erleben musste, mit den vielen Chancen und den Lattentreffern... Er wird sich auch gefragt haben: ‚Was müssen wir noch machen?’ So habe ich auch schon oft in dieser Saison dagestanden.“

Der Plan von Bosz, die mit Flick als Coach zuvor punktverlustfreien Bayern durch schnelle Außenstürmer zu attackieren, ging jedenfalls auf. Moussa Diaby und Doppeltorschütze Leon Bailey stellten die Abwehrspieler des Tabellenvierten immer wieder vor Schwierigkeiten. Kevin Volland untermauerte mit zwei Torvorlagen seinen Wert fürs Team, in der Defensive überzeugten neben Hradecky vor allem die Bender-Zwillinge mit teils herausragenden Aktionen.

Am Samstag (18.30 Uhr) steht für Bosz und seine Werkself nun das nächste Topspiel gegen den Tabellendritten FC Schalke auf dem Plan. Dann dürfte auch wieder Kai Havertz mitmischen können. Der 20-jährige Offensivkünstler fehlte zuletzt wegen eines Faserrisses im linken Oberschenkel, saß gegen München aber schon wieder auf der Ersatzbank und hätte Bosz zufolge bei Gelegenheit auch „eine halbe Stunde“ spielen können. Durch die verletzungsbedingten Wechsel von Wendell, Bailey und Charles Aránguiz musste der Coach seinen Plan jedoch umstellen – und Havertz durfte sich noch etwas schonen.