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Bayer 04 Leverkusen: Wie die Werkself 9:1 beim SSV Ulm gewann

Serie „Bayers Beste“ : Wie Bayer 04 beinahe zweistellig gewann

Vor 20 Jahren hat Bayer Leverkusen in Ulm den bis heute höchsten Sieg der Klubgeschichte gefeiert.

Bayers Sportgeschäftsführer Rudi Völler hat den Satz „Es gibt keine Kleinen mehr“ zu einem geflügelten Wort in der Fußballersprache gemacht. Tatsächlich fallen die Leistungsunterschiede in der Bundesliga seit der Jahrtausendwende wohl geringer aus als noch in den Anfangsjahren der Liga. Ausnahmen bestätigen freilich die Regel: So fegte jüngst RB Leipzig am 10. Spieltag der derzeit pausierenden Bundesliga-Saison mit 8:0 über ein bemitleidenswertes Team aus Mainz hinweg. Die Top 10 der höchsten Siege werden aktuell dennoch ausnahmslos von Partien belegt, die zwischen 1965 und 1984 ausgetragen wurden – mit Gladbachs 12:0 gegen Dortmund aus dem Jahr 1978 an der Spitze. Doch auch der Werksklub hat sich mit einem Kantersieg in den Geschichtsbüchern verewigt: Mit dem 9:1 am 18. März 2000 in Ulm steht Leverkusen derzeit in der Liste der höchsten Siege auf dem 11. Platz.

Das Spiel 23.500 Zuschauer hatten sich im Donaustadion eingefunden, um sich das Duell zweier Teams im Formhoch anzuschauen. Der von Martin Andermatt trainierte Aufsteiger hatte vor der Partie gegen Leverkusen mit Siegen gegen Bremen und Hamburg auf sich aufmerksam gemacht und auch Bayer war mit der Empfehlung von sechs ungeschlagenen Partien in Serie angereist. Auf dem Rasen ließen die Gäste allerdings früh die Muskeln spielen. Durch einen Doppelschlag von Emerson (10.) und Paulo Rink (14.) ging der Favorit aus dem Rheinland gleich durch seine ersten beiden Torchancen komfortabel in Führung. Weitere Treffer von Ulf Kirsten (19.) und Emerson (39.) brachten noch vor dem Seitenwechsel die Entscheidung.

Vier Treffer reichten Bayer an diesem Samstagnachmittag aber nicht und das von Trainer Christoph Daum trainierte Team setzte das Schützenfest im zweiten Abschnitt fort. Oliver Neuville erzielte das 5:0 (68.) und beim SSV brachen alle Dämme. Zé Roberto (74./81.), Michael Ballack (75.) und der eingewechselte Bernd Schneider (85.) – per Kopfball – erhöhten auf 9:0. Hätte Ulms Leandro in der Schlussminute nicht noch den Ehrentreffer für an diesem Tag völlig ohne Ordnung spielende Ulmer erzielt, wäre Bayer in der Rangliste der höchsten Siege auf dem siebten Rang gelandet. Doch auch so ist der Triumph bei den Schwaben der bis heute höchste Liga-Sieg in der Vereinsgeschichte der Werkself.

Der Star Emerson. Der brasilianische Mittelfeldspieler ragte aus einer insgesamt blendend aufgelegten Werkself noch einmal heraus. Laufstark, geschickt in der Zweikampfführung und mit einem unnachahmlichen Gespür für das Spiel zog der Brasilianer gekonnt die Fäden. Er erzielte sein erstes Tor mit dem linken und sein zweites mit dem rechten Fuß. Insgesamt gelangen ihm während seiner Zeit in Leverkusen 15 Tore und 14 Vorlagen in 108 Spielen. Die Partie in Ulm zählt sicher zu einer seiner schönsten Erinnerungen an den Klub.

Die Folgen Ob Christoph Daum einfach nur aufmunternde Worte finden wollte oder ob er es ernst meinte, ist nicht überliefert. Allerdings lag der damalige Bayer-Coach mit seiner Einschätzung kurz nach dem Schlusspfiff daneben, dass Ulm „überhaupt nichts mit dem Abstieg zu tun“ haben werde. Der Klub beendete die Saison vor Duisburg und Bielefeld auf dem 16. Platz, was damals den direkten Wiederabstieg bedeutete. Nach drei Insolvenzen und einem zwischenzeitlichen Absturz in die Oberliga spielt Bayers damaliger Gegner mittlerweile wieder in der Regionalliga Südwest. Und bei Bayer 04? Das Team verspielte durch ein 0:2 am letzten Spieltag in Unterhaching die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte und wurde zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Vizemeister.

Bayer 04 Juric; R. Kovac, Ramelow, Nowotny, Zé Roberto (82. Schneider), Emerson, Ballack, Beinlich (78. Gresko), Rink, Neuville, Kirsten (52. Kirsten). Trainer: Daum.