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Bayer 04 Leverkusen: Werkself sucht zehnten Trainer seit 2000

Bayer Leverkusen : Werkself sucht zehnten Trainer seit 2000

Lewandowski übernimmt das Team bis zum Sommer. Weinzierl, Veh und Schaaf gelten als Kandidaten.

Als alles vorbei war, rückte auch bei einem Sami Hyypiä die Nüchternheit ins zweite Glied. Trotz grauen Himmels fuhr der Finne am Samstagnachmittag mit dunkler Sonnenbrille auf der Nase ein letztes Mal aus der Tiefgarage der BayArena. Die ein oder andere Träne soll geflossen sein, als er sich von der Mannschaft verabschiedet hatte. Am Morgen nach dem 1:2 in Hamburg hatten die Leverkusener Bosse Michael Schade und Rudi Völler die Reißleine gezogen und ihren Trainer entlassen.

"Natürlich ist es emotional. Aber es geht um Ergebnisse, und wenn die Ergebnisse nicht da sind, dann muss der Verein reagieren", sagte Hyypiä fast schon verständnisvoll. "Es war eine unausweichliche Entscheidung", sagte Sportdirektor Völler. Nach der zehnten Niederlage im 15. Pflichtspiel der Rückrunde waren Vertrauen in und Geduld mit Hyypiä am Ende. "Wir sind in Absprache mit Sami übereingekommen, dass es eines neuen Impulses bedarf, damit wir uns am Ende nicht vorwerfen lassen können, nicht alles versucht zu haben", sagte Geschäftsführer Schade. Den Neuanfang legen sie bei Bayer 04 nun bis Saisonende in die Hände eines Mannes, den es nach einer Saison in Kooperation mit Hyypiä im Vorjahr wieder in den Jugendbereich gezogen hatte. Sascha Lewandowski soll die Werkself in den verbleibenden fünf Spielen auf Rang vier hieven — hieven, denn am Wochenende fiel Leverkusen erstmals in dieser Saison aus den Top Vier heraus. "Es ist für mich keine leichte Situation, nun Samis Stelle einzunehmen, aber als Angestellter des Vereins stehe ich auch in der Verantwortung", sagte Lewandowski.

Ab 1. Juli, so stellte es Völler klar, hat dann aber ein anderer Trainer die Verantwortung inne. Einer, der bitte auch mal länger bleibt. Seit Christoph Daums Abschied im Oktober 2000 hielt sich keiner seiner neun Nachfolger länger als 31 Monate im Amt. Kein Vogts, kein Toppmöller, kein Augenthaler, kein Skibbe, kein Labbadia, kein Heynckes, kein Dutt. "Wir haben es ehrlicherweise in den vergangenen zehn Jahren nicht geschafft, eine gewisse Kontinuität auf der Trainerposition zu erreichen", gab Völler zu. Die Übergangslösung mit Lewandowski verschaffe ihnen nun Luft, in Ruhe den nächsten Trainer auszusuchen, so Völler weiter. Erste Gespräche seien schon geführt worden.

An Namen, die mit Leverkusen in Verbindung gebracht werden, mangelt es nicht. Heiß gehandelt wird Armin Veh, der zum Saisonende bei Eintracht Frankfurt ausscheidet und jüngst erneut beteuerte, seine Zukunft sei noch unklar. Doch im Frankfurter Umfeld mehren sich die Stimmen, die von einem Wechsel Vehs nach Leverkusen ausgehen. Veh selbst kann den Überraschungsmeistertitel mit Stuttgart 2007 vorweisen und würde gerne wieder einen Verein aus dem oberen Tabellendrittel übernehmen.

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Ebenfalls ins Blickfeld der Bayer-Macher ist Markus Weinzierl gerückt, der seit zwei Jahren mit dem FC Augsburg viele Experten verblüfft. Weinzierl hatte allerdings erst im Dezember seinen Vertrag beim FCA bis 2017 verlängert, und am Rande des 1:0-Sieges gegen den FC Bayern gab es dann auch Reaktionen aus dem Augsburger Lager. "Ich habe keine Gespräche mit Bayer Leverkusen geführt", sagte Weinzierl, und Manager Stefan Reuter sagte: "Markus hat klar gesagt, dass er sich hier wohl fühlt und den Weg mit uns weitergehen will." Der Draht zum Ex-Bremer Thomas Schaaf wäre für Völler angesichts einer gemeinsamen Werderaner Vergangenheit ein kurzer, und Thomas Tuchel (Mainz) ist eh immer im Gespräch, wenn bei vorderen Vereinen eine Stelle vakant ist.

Wenn denn ein Trainer mal kontinuierlich bei Bayer arbeiten können soll, dann, so sind sich Beobachter einig, müsse endlich der Druck auf die Spieler zunehmen, Leistung stärker eingefordert werden. "Wenn wir die vergangenen Spiele so angegangen wären, wie wir das Spiel in Hamburg angegangen sind, hätten wir ein paar Punkte mehr und Sami wäre noch Trainer. Viele sind mitschuldig, da nehme ich mich auch nicht aus", sagte Völler. Hyypiä half diese Einsicht nicht mehr.

(RP)