Bayer verliert erstmals unter Hannes Wolf Mutlos in München

München/Leverkusen · Bayern München hat nur 13 Minuten gebraucht, um Bayer Leverkusen die erste Niederlage unter Interimstrainer Hannes Wolf zuzufügen. Sven Bender und Lukas Hradecky üben harsche Selbstkritik.

 Leverkusens Abwehrchef Sven Bender (l.) muss dabei zusehen, wie Münchens Jamal Musiala an ihm vorbeizieht.

Leverkusens Abwehrchef Sven Bender (l.) muss dabei zusehen, wie Münchens Jamal Musiala an ihm vorbeizieht.

Foto: AP/Matthias Schrader

So hatte sich das Hannes Wolf sicher nicht vorgestellt. „Vollgas voraus“, war das Kommando des Trainers der Werkself an seine Mannschaft vor dem Gastspiel beim FC Bayern. Leverkusen brauche ein „Topspiel in allen Bereichen“, um beim Rekordmeister zu bestehen. Davon war indes nicht viel zu sehen. Bereits nach 13 Minuten stand es 2:0 für München – und dabei blieb es trotz verbesserter zweiter Halbzeit der Gäste bis zum Schlusspfiff. Ernsthaft in Gefahr geriet der Sieg des Rekordmeisters nicht.

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Abwehrchef Sven Bender reagierte angefressen auf die Niederlage. Ruhig, aber bestimmt zerlegte er vor allem die schwache erste Viertelstunde der Werkself in ihre unschönen Einzelteile. „Wir hatten beim 0:1 nicht den Willen, das Tor zu verteidigen. Das ist gegen die Bayern tödlich“, haderte der 31-Jährige mit der Situation in der 7. Minute. David Alaba schlug vergleichsweise unbedrängt eine Flanke auf Thomas Müller, dessen Schuss Lukas Hradecky stark parierte. Der Ball landete allerdings beim ebenfalls sträflich freien Eric Maxim Choupo-Moting, der zur frühen Führung abstaubte.

Sechs Minuten später prallte eine Alaba-Flanke von Daley Sinkgravens Füßen vor die von Joshua Kimmich, der mit einem Präzisionsschuss das 2:0 erzielte. Es war im Grunde die Vorentscheidung. Die Bayern nahmen nach dem Blitzstart das Tempo raus, kontrollierten den Gegner beinahe nach Belieben und ließen den Ball laufen. Bayer hatte dem nichts entgegenzusetzen.

„Von dem, was wir uns vorgenommen haben, haben wir in der ersten Halbzeit ganz wenig gezeigt“, konstatierte Bender. „Um in München etwas mitzunehmen, musst du mutig spielen. Wir waren zum Teil sehr ängstlich und haben nicht am Anschlag gespielt.“ Am Samstag gegen Frankfurt (18.30 Uhr) müsse „fast alles“ besser werden, um für einen Sieg in Frage zu kommen, betonte der Routinier.

Sein Schlussmann Lukas Hradecky sah es ähnlich. Er hatte mit seinen Paraden Anteil daran, dass es beim relativ schmeichelhaften Endstand blieb – unter anderem wehrte er sehenswert einen Freistoß von Alaba kurz vor der Halbzeit ab. „Wir waren einfach zu weich in der ersten Halbzeit“, sagte der Finne. „Nach den frühen Toren war es natürlich schwierig, wieder in das Spiel kommen. Vielleicht hatten wir einfach zu viel Respekt.“

So fehlen drei wohl nicht unbedingt einkalkulierte Punkte im Kampf um Europa. Wolf ist bewusst, dass er in den vier verbleibenden Partien liefern muss. „In der Halbzeitpause haben wir uns zusammengerauft und ein offeneres Spiel daraus gemacht“, resümierte der Interimstrainer zutreffend. Auch ihm ist aber die schwache erste Hälfte aufgefallen. „Wir wollten nach vorne verteidigen und ins Pressing kommen. Nach dem zweiten Gegentor ist uns das nicht mehr in der Form gelungen, in der wir uns das vorgestellt haben.“

Während der Auftrag des 40-Jährigen weiterhin lautet, mit dem Ziel Europa League in den verbleibenden Saisonspielen so viele Punkte wie möglich einzufahren, kann sein Pendant Hansi Flick mit einem Sieg am Samstag in Mainz (15.30 Uhr) die Meisterschaft sichern. Vorzeitige Glückwünsche wollte der scheidende Bayern-Trainer aber freilich nicht entgegennehmen. „Ich habe der Mannschaft vor dem Spiel gesagt, dass wir einen riesigen Schritt in die richtige Richtung machen können – und den haben wir getan“, sagte Flick.

Der abstiegsbedrohte FSV Mainz sei indes ein nicht zu unterschätzender Gegner. „Sie haben keine Punkte zu verschenken.“ Mit dem Auftritt seiner Mannschaft gegen Leverkusen zeigte sich der 57-Jährige nach den unruhigen vergangenen Tagen seit seiner Ankündigung, die Bayern im Sommer verlassen zu wollen, vollkommen zufrieden: „Wenn die Mannschaft so spielt wie in der ersten Halbzeit, kann ich unser Spiel richtig genießen. Das Ziel für die zweite Halbzeit war, dass die Null stehen bleibt. Auch das haben wir geschafft.“

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