Bayer 04 Leverkusen: Werkself ist nur temporär eine Topmannschaft

Niederlage gegen Gladbach : Bayer 04 ist nur temporär eine Topmannschaft

In dieser Saison ist es Bayer Leverkusen noch nicht gelungen, in einem Ligaspiel über 90 Minuten zu überzeugen. Die 1:2-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach ist dafür geradezu exemplarisch.

Im Erklären von unnötigen Niederlagen sind die Spieler der Werkself inzwischen geübt. Trotzdem machte sich im Anschluss an das 1:2 (1:2) gegen Borussia Mönchengladbach eine gewisse Ratlosigkeit in der BayArena breit. Die Profis standen missmutig vor den Mikrofonen und bemühten sich um eine sachliche Einordnung, was in den kurzweiligen und intensiven 90 Minuten gegen den Tabellenführer eigentlich schief gelaufen war.

„Wir haben gut gespielt, aber nur in der zweiten Halbzeit“, sagte Sven Bender und kam damit der Wahrheit schon ziemlich nah. „Für den hohen Aufwand, den wir betreiben, ist der Ertrag zu gering. Das ist schon seit der letzten Länderspielpause so.“ In diesen Zeitraum fallen das 0:3 in Frankfurt, das 2:2 gegen Bremen sowie die Niederlage gegen Mönchengladbach. Hinzu kommen das 0:1 in der Champions League bei Atlético Madrid und der 1:0-Pokalerfolg gegen den SC Paderborn.

„Vieles, was wir machen, ist sehr, sehr gut. Aber am Ende zählen die Ergebnisse“, konstatierte Bender. Es sei angesichts der Leverkusener Chancen ein „Wahnsinn“, die Partie zu verlieren. „Gladbach war abgeklärt, extrem reif, gieriger auf das Tor – und wir waren vielleicht nicht fokussiert genug.“ Der Befund des 30-jährigen Abwehrchefs ist für eine Partie gegen den Tabellenführer ebenso erstaunlich wie richtig.

Ein Beleg dafür sind die beiden nahezu identischen Gegentore über die linke Seite. Erst setzte sich Patrick Herrmann auf der Außenbahn durch und passte auf den frei vor das Tor startenden Oscar Wendt (18.), dann glich Kevin Volland aus (25.). Der zweite Rückstand war beinahe eine Kopie des ersten, dieses Mal über Herrmann und Thuram (42.). „Es klingt blöd, aber wir hätten schon aus dem 0:1 lernen müssen“, betonte Bender. „Da müssen wir klarer und wacher sein."

In der zweiten Halbzeit war Leverkusen drückend überlegen und erspielte sich ein klares Chancenübergewicht, doch der Ausgleich wollte einfach nicht gelingen. So kam es, wie es kommen musste: gute Statistik, schlechtes Ergebnis. „Wir sollten vielleicht aufhören, über irgendwelche großen Ziele zu sprechen, sondern einfach Woche für Woche unsere Arbeit machen“, mahnte Bender. „Man hat es ja in der zweiten Halbzeit gesehen: Wenn wir wollen, können wir auch eine Mannschaft wie Mönchengladbach beherrschen.“

In der Liga wartet die Mannschaft von Trainer Peter Bosz seit vier Spielen auf einen Erfolg. Der Anschluss zu den Teams, die mit einem Sieg und entsprechenden Parallelergebnissen die Tabellenführung erobern können, ist verlorengegangen. Stattdessen steht Leverkusen nun auf Platz zehn unter Druck, die Top-Ränge nicht aus den Augen zu verlieren. Immerhin hält der Spielplan die dafür notwendigen Duelle bereit. Weiter geht es gegen Wolfsburg, Freiburg, München und Schalke – allesamt Teams, die vor Bayer 04 stehen.

Auf die Tabelle will Bender indes nicht schauen: „Am Ende geht es darum, Spiele zu gewinnen. Wenn wir das machen, rutschen wir automatisch dahin, wo wir hinwollen – und wo wir uns auch selbst sehen.“ Dafür wäre es allerdings dringend erforderlich, eine der wohl bekanntesten und abgedroschensten Phrasen der Fußballwelt zu beherzigen: Ein Spiel dauert 90 Minuten. Nicht 45.