Bayer 04 Leverkusen: Werkself gelingt in München Historisches

2:1-Sieg in München : Bayer 04 beendet gegen Bayern einige Serien

Bayer Leverkusen schlägt Rekordmeister München 2:1 beim Abschied von Uli Hoeneß und beendet dabei einige Serien. Leon Bailey schießt dabei nicht nur die Tore, er ist auch Bayers erster Doppeltorschütze gegen Bayern seit 33 Jahren.

Kurz vor dem Anpfiff wurde es feierlich. Uli Hoeneß, über Jahrzehnte Gesicht, Seele, Manager und Präsident des FC Bayern München, wurde im heimischen Stadion verabschiedet. Als Geschenk für die künftig wohl „etwas ruhigere Zeit am Tegernsee“, wie es der Stadionsprecher umschrieb, bekam er unter anderem einen Gamsbart überreicht. Zudem wird eine Lounge in der Allianz-Arena nach dem 67-Jährigen benannt. Dass sich der FC Bayern laut Vereinshymne zumindest in der Bundesliga mit einer gewissen Berechtigung „Forever Number One“ nennen kann, ist einer der Verdienste des streitbaren wie streitlustigen Funktionärs. Nun tritt er von der großen Fußballbühne ab – und hinterlässt gigantische Fußspuren.

Jetzt fehlte nur noch ein Sieg gegen Bayer Leverkusen und die bajuwarische Glückseligkeit wäre perfekt gewesen. Doch es blieb beim Konjunktiv, denn die Rheinländer gewannen das Topspiel 2:1 (2:1) durch zwei Treffer von Leon Bailey (10./35.). Daran änderten auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch Thomas Müller (34.), etliche Großchancen der Gastgeber, die Rote Karte für Jonathan Tah (82.) und sechs Minuten Nachspielzeit nichts. „Wir haben mit unserem ganzen Herzblut gespielt, haben alles gegeben und jeder war für den anderen da. Das war das Wichtigste“, beschrieb der zweifache Torschütze Bayers Erfolgsformel und ergänzte: „Es war ein verrücktes Spiel.“

Die Liste der Serien, die am Samstagabend endeten, ist lang. Es war Leverkusens erster Sieg in München seit rund sieben Jahren, Bailey war der erste Bayer-Spieler mit einem Doppelpack gegen die Bayern seit Falko Götz 1986, die Gastgeber verloren erstmals seit 87 Partien nach einem Müller-Tor in der Liga – und für den zweifachen Vorlagengeber Kevin Volland war es der erste Erfolg beim Rekordmeister überhaupt.

Auch die beinahe schon unheimliche Erfolgssträhne von Bayern-Coach Hansi Flick fand ein Ende. Zuvor hatte er die vier Partien seit seiner Amtsübernahme von Niko Kovac mit 16:0 Toren gewonnen. „Es ist natürlich ärgerlich, wenn man so viele Chancen hat und dann als Verlierer vom Platz geht“, sagte Flick. Er könne seinen Spielern aber nichts vorwerfen. „Ich glaube, es war für jeden Zuschauer im Stadion ein Genuss, beide Mannschaften zu sehen.“ Mit dem Ergebnis sei er nicht einverstanden, aber mit der Leistung seines Teams. „Schnelligkeit, Spielwitz und Kreativität waren da“, resümierte der 54-jährige Interimstrainer, der von Karl-Heinz Rummenigge eine längere Amtszeit in Aussicht gestellt bekommen hat.

„Wir haben mit ihm und in ihm einen Trainer, der gut zur Mannschaft passt“, würdigte Münchens Vorstandschef den Kovac-Nachfolger am ersten Advent. „Wir haben verabredet, dass wir bis zur Winterpause weitermachen. Dann setzen wir uns gemeinsam hin, werden das besprechen und machen möglicherweise auch darüber hinaus weiter.“

Die Statistiken untermauern, dass die Partie auch ohne Weiteres mit einem 6:2-Sieg für den FC Bayern hätte enden können. 74:26 Prozent Ballbesitz, 88:66 Prozent Passquote, 24:11 Torschüsse und ein deutliches Plus bei den gewonnenen Zweikämpfen führen wohl in 99 von 100 Fällen zu einem Sieg des Rekordmeisters. Müller sprach anschließend von einer „vielleicht nie dagewesenen Ineffizienz“ seiner Bayern. „Das hat weder mit der Leistung und dem Einsatz zu tun. Es ist uns selbst nicht erklärbar“, sagte der Torschütze.

Peter Bosz begründete den Erfolg indes mit „sehr, sehr viel Glück“ und hatte viel Anerkennung für den Gegner übrig: „Wir haben dieses Jahr gegen Juventus Turin und Atlético Madrid gespielt, aber wir waren noch nie so unter Druck“, sagte der Trainer der Werkself. „Ich muss meinen Spielern ein riesiges Kompliment machen. Wir haben es bis zum Ende durchgezogen.“

Münchens Benjamin Pavard und Leverkusens zweifacher Vorlagengeber Kevin Volland (r.) kämpfen um den Ball. Foto: dpa/Matthias Balk
Uli Hoeneß (Mitte), wird von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge (l.) vor dem Anpfiff mit Blumen, Gamsbart und netten Worten geehrt. Foto: dpa/Matthias Balk

Leverkusens Torwart Lukas Hradecky, der eine Leistung an der Schwelle zur Weltklasse ablieferte, kommentierte den Sieg auf Twitter mit dem ihm eigenen Humor – und drei Bierhumpen-Emojis. Frei übersetzt: „Wir hatten vielleicht mehr Glück als Können, aber wen zur Hölle interessiert’s?“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bayern - Bayer: die Bilder des Spiels