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Bayer 04 Leverkusen: Werkself bereitet sich auf das Wolfsburg-Spiel vor

Training während Corona-Krise : Bayer 04 ist um Normalität bemüht

Die Werkself bereitet sich auf das Spiel am 4. April gegen Wolfsburg vor – auch, wenn der Termin wohl nicht zu halten ist.

Am Samstag gab es bei Bayer 04 eine Sitzung, die es in sich hatte: Sportgeschäftsführer Rudi Völler, Trainer Peter Bosz und Mannschaftsarzt Dr. Karl-Heinrich Dittmar sprachen mit den Spielern über die Fakten und Folgen der Corona-Krise. Dabei ging es auch um die Sorgen und Ängste der Profis um ihre Gesundheit und vor allem die ihrer Familien sowie etwaige Verhaltensempfehlungen während der Pandemie: soziale Kontakte reduzieren, möglichst nicht verreisen und nicht ausgehen. Anschließend gab es unter Ausschluss der Öffentlichkeit so etwas wie versuchte Normalität auf dem Trainingsplatz. Bis Mittwoch haben die Fußball-Profis jetzt frei.

Was vor ein paar Wochen noch schwer vorstellbar schien, ist Realität: Die Krankheit Covid-19 hat das den Alltag wie selbstverständlich begleitende Milliardengeschäft Fußball binnen Tagen zum Stillstand gebracht. Der Spielbetrieb in Liga, Pokal, Champions League und Europa League ruht, kein Verein weiß derzeit, wie es weitergeht. Klarheit sollen die Beratungen von Deutscher Fußball-Liga (DFL) am Montag sowie dem europäischen Fußballverband Uefa am Dienstag bringen. Es gilt, unzählige Fragen zu beantworten. Es ist eine historische Situation.

Bayer 04 ist trotzdem bemüht, das Training und andere Abläufe aufrecht zu erhalten, bis DFL und Uefa entschieden haben. „Ich gehe davon aus, dass am Dienstag die EM verschoben wird. Dann hätten wir im Sommer Zeit, die Wettbewerbe zu Ende zu spielen“, mutmaßte Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro in der ARD-Sportschau am Samstag. Letztlich seien die nationalen Ligen aber das wichtigste. „Die sollten wir versuchen, zuende zu spielen – egal, ob im Juni oder Juli.“ Für die späte Absage des Spieltags am Wochenende äußerte er Verständnis: „Wenn sogar Virologen von einen Tag auf den anderen Tag anders entscheiden, kann man der DFL nicht vorwerfen, dass sie innerhalb von Stunden ihre Entscheidungen revidiert.“

Dittmar war ebenfalls in der Sendung zu Gast. Dass er neben seiner Funktion als Leiter der medizinischen Abteilung auch Pandemie-Beauftragter des Klubs ist, liegt an den Vorgaben des Mutterkonzerns. „Ich weiß nicht, ob das jeder Verein hat. Wir sind eine Tochter der Bayer AG sind und die gibt uns gewisse Dinge vor. Wie wir jetzt gesehen haben, ergibt das dann irgendwann auch Sinn.“ Seit Wochen gebe es einen Krisenstab, der sich mit verschiedenen Szenarien beschäftige. Insgesamt sei es aber so, dass alle Beteiligten von den Entwicklungen überrollt würden.

Der Internist versucht, das Positive an der Situation zu sehen. „Wir hatten jetzt viele Englische Wochen. Ein paar Regenerationstage sind uns aktuell ganz recht“, sagte er. Ein bis zwei Wochen Ruhe würde die Fitness der Profis kaum beeinträchtigen, ab der dritten wäre das indes schon der Fall. „Aber auch da haben wir uns für alle Eventualitäten Überlegungen gemacht, was man in der häuslichen Quarantäne tun kann oder auch beim normalen Training. Wir bereiten uns so vor, dass wir am 4. April gegen Wolfsburg spielen können. Ob das dann gelingt, werden wir sehen.“

Rudi Völler, der sich am Sonntag im „Doppelpass“ (Sport1) zur Situation äußerte, ist diesbezüglich skeptisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir gegen Wolfsburg spielen, aber wir müssen uns eben darauf so vernünftig vorbereiten, dass es weitergehen könnte“, betonte der Sportgeschäftsführer. Aufschluss darüber wird es wohl bereits am Montag geben. Der 59-Jährige versuchte sich an der Rolle des Optimisten: „Es muss ja irgendwann weitergehen – auch in der Gesellschaft insgesamt. Wir können uns nicht Monate einschließen.“

Aber wann und wie es weitergeht, weiß im Moment niemand. Also bleibt Bayer Leverkusen vorerst nur die Simulation von Normalität in unnormalen Zeiten.