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Bayer 04 Leverkusen: Was der Werkself unter Hannes Wolf noch fehlt

Nach 0:0 in Hoffenheim : Was der Werkself unter Hannes Wolf noch fehlt

Die Nullnummer in Hoffenheim bringt Bayer Leverkusen im Kampf um einen Europacup-Platz nicht weiter. Der Mannschaft fehlt nach wie vor die Balance zwischen Abwehrarbeit und Angriffslust.

Zyniker würden wohl sagen, dass das ebenso torlose wie triste Remis ein passender Abschied für die bei vielen Fans extrem unbeliebten Montagabendspiele war. Bayer Leverkusen und die TSG Hoffenheim lieferten sich ein Duell, das alles vermissen ließ, was unterhaltsamen, mitreißenden Fußball auszeichnet. Es gab kaum Torchancen, so gut wie keine raffinierten Manöver, und sehenswerte Tempodribblings waren ebenfalls Mangelware. Stattdessen war es ein intensives, von Zweikämpfen geprägtes Spiel zweier Mannschaften, denen es an Durchschlagskraft und Risikobereitschaft mangelte.

Was war gut? Die Werkself agierte defensiv sehr souverän und stabil. Die Innenverteidiger Sven Bender und Edmond Tapsoba ließen nichts anbrennen, auf den Außen gaben Wendell und der erstmals seit gut zwei Jahren in der Startelf aufgebotene Tin Jedvaj Sicherheit. Hinzu kamen die beiden Sechser Exequiel Palacios sowie Charles Aránguiz, die als Abräumer vor der Viererkette die Hoffenheimer Angriffsbemühungen zuverlässig zunichte machten. „Wir haben fast nichts zugelassen“, resümierte Interimstrainer Hannes Wolf entsprechend zufrieden und nahm die Spieler in Schutz. „Wir kommen nicht aus einer Situation, in der wir jedes Spiel 3:0 gewonnen haben und auch mal eben hierhin fahren und gewinnen“, betonte der 39-Jährige. „Ich bin sehr angetan von der Energie und der Disziplin, die die Spieler am Ende einer solchen Saison aufbringen, um die Ziele zu erreichen.“

Was war nicht gut? Die TSG leistete sich beim Versuch, von hinten das Spiel aufzuziehen, ungewöhnlich viele Fehler im Aufbau. Bayer nutzte kaum eine der vielen sich bietenden Gelegenheiten für einen schnörkellosen Konter nebst Abschluss. Es ist bezeichnend, dass bis auf einen parierten Schuss von Aránguiz, einen über das Tor gezielten Versuch von Moussa Diaby und dem harmlosen Abschluss von Nadiem Amiri eigentlich keine Chance der Gäste in Erinnerung geblieben ist – abgesehen vielleicht von der unnötig verdribbelten Gelegenheit durch Florian Wirtz, der nach einem wunderbaren Pass von Jedvaj plötzlich frei auf das Hoffenheimer Tor zulief. Die eklatante Offensivschwäche ist freilich auch Wolf aufgefallen. „Wir hatten eigentlich die Momente, in denen wir es hätten zu Ende spielen können. Die müssen wir besser nutzen“, sagte der Coach. „Wir hatten viele ordentliche Ballgewinne und Ballbesitzphasen. Da fehlte uns ein Quäntchen, um ein Tor zu schießen.“ In den nächsten Spielen gehe es darum, mehr Klarheit in die Aktionen im Angriff zu bekommen, ohne dabei die defensive Stabilität zu verlieren – ein Balanceakt, der Bayer seit dem Jahreswechsel nicht nachhaltig gelingen will. Gefragt sind indes Spielwitz, Kreativität, Mut und Kaltschnäuzigkeit. Davon war bei der Werkself nicht allzu viel zu sehen.

Was bedeuet das Ergebnis? Für die Ambition, nächste Saison im europäischen Fußball mitzumischen, ist das 0:0 freilich ein bisschen zu wenig. Zwar hat Wolf mit seiner Einschätzung recht, dass vier Punkte aus zwei Spielen eine ordentliche Bilanz sind, aber die Gegner waren der abgeschlagene Tabellenletzte FC Schalke und das seit Wochen formschwache Hoffenheim. Am Samstag kommt mit dem 1. FC Köln der nächste akut kriselnde Gegner in die BayArena (18.30 Uhr).

Ein Blick auf das weitere Restprogramm zeigt, dass ein Sieg gegen die neuerdings von Friedhelm Funkel trainierten Domstädter im Grunde Pflicht ist, um den sechsten Platz zu sichern. Denn danach geht es für Bayer noch zum FC Bayern, gegen Eintracht Frankfurt, zu Werder Bremen, gegen Union Berlin – und zum Abschluss der Liga steht das Topspiel in Dortmund an.

„Das große Ziel ist, europäisch zu spielen. Da haben wir alle Chancen“, sagte Wolf, der aber auch weiß, dass ein Champions-League-Platz in weiter Ferne ist: „Um noch in die Top vier zu kommen, müssten wir wohl eine perfekte Serie spielen.“

Was sagen die Spieler? Sven Bender konnte mit dem Ergebnis leben.Es waren zwei Mannschaften, die sehr intensiv gespielt und alles reingeworfen haben. Ich glaube, am Ende ist das 0:0 gerecht.“ Bayer habe die wenigen vielversprechenden Momente, die sich aus dem Spiel ergeben hätten, nicht klar und konsequent zuende gespielt. Nadiem Amiri reagierte hingegen kritischer auf das Resultat. „Für unsere Ziele ist das zu wenig. Wir wollten in die Champions League, aber jetzt sind es neun Punkte Rückstand. Das wird schwierig.“