Bayer 04 Leverkusen: Völler bleibt in der Havertz-Frage „ganz entspannt“

Rudi Völler vor dem Rückrundenstart : „Es ist unser Anspruch, Gladbach noch einzuholen“

Bei Bayer Leverkusens Sportgeschäftsführer Rudi Völler sorgen die andauernden Spekulationen zur Zukunft von Kai Havertz nicht für schlaflose Nächte. An den Ligakonkurrenten Borussia Mönchengladbach richtet er eine kleine Kampfansage.

Bleibt er, geht er – und wenn ja, wohin? Die Frage nach der Zukunft von Kai Havertz begleitet die Werkself mindestens seit dem Saisonstart. Das 20-jährige Eigengewächs hat in der Vergangenheit mehrfach angedeutet, mittelfristig bei einem internationalen Spitzenklub spielen zu wollen. Der Vertrag des Nationalspielers läuft bis 2022. Längst wird bei einem Transfer im Sommer über eine mögliche dreistellige Millionenablöse für den von vielen Experten als „Jahrhunderttalent“ gehandelten Mittelfeldspieler spekuliert. Er wäre der erste deutsche Spieler, der einen derart hohen Erlös erzielt. Dafür wäre angesichts der Vertragslaufzeit ein Wechsel im Sommer aber beinahe schon zwingend, denn eine Verlängerung des Kontrakts kam nicht zustande.

Leverkusens Sportgeschäftsführer lässt sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen. „Wir sehen das Thema ganz entspannt – so wie Kai und sein Berater auch“, betont der 59-Jährige. „Wir sind natürlich im ständigen Austausch.“ Der gebürtige Aachener Havertz spielt seit seinem elften Lebensjahr im Trikot der Werkself, durchlief alle Jugendmannschaften und gewann mit Bayers U17 2016 die Deutsche B-Junioren-Meisterschaft.

Seitdem geht es für ihn steil bergauf. Im Oktober des gleichen Jahres gab er mit 17 Jahren und 126 Tagen sein Bundesligadebüt – als bis dato jüngster Spieler des Vereins. 2018 avancierte er zum Stammspieler, 2019 erzielte er als erster U20-Spieler der Geschichte 17 Tore in einer Bundesligasaison. In diesem Jahr erreichte er im Alter von 20 Jahren und 186 Tagen die Marke von 100 Spielen in der höchsten Spielklasse Deutschlands. Längst ist er Nationalspieler und einer der Hoffnungsträger des DFB. Bundestrainer Joachim Löw traut ihm eine „Schlüsselrolle“ in der deutschen Auswahl zu.

Völler geht davon aus, dass Havertz nach der eher enttäuschenden Hinrunde in diesem Jahr bei Bayer nochmal voll durchstarten wird. „Man sieht in den Einheiten im Trainingslager, dass der Junge brennt. Ich bin mir sicher, dass er eine Top-Rückrunde spielen wird.“ Das Dauertransferthema will der Sportgeschäftsführer nicht zu hoch hängen. „Wir haben ein Top-Verhältnis zu Kai. Es ist egal, ob und was im Februar, März oder April passiert.“

Eine starke Halbserie des umworbenen Schlüsselspielers wird wohl auch notwendig sein, wenn Bayer 04 seine Saisonziele noch erreichen will. Durch den 1:0-Sieg in Mainz am letzten Spieltag 2019 überwintert die Werkself mit 28 Punkten auf Platz sechs – und will bis zum Ende der Saison Platz vier erobern. Am ehesten traut Völler der Werkself zu, Borussia Mönchengladbach noch einzuholen. „Man muss es realistisch sehen“, sagt Völler. „Wir haben mit Leipzig, München und Dortmund drei Vereine, die um die Meisterschaft spielen. Aber das Feld ist enger geworden. Gladbach hat nach einer guten Hinrunde ein bisschen die Nase vorn.“

Hoffnung schöpft der 59-Jährige aus der vergangenen Rückrunde, als es der Mannschaft von Trainer Peter Bosz dank einer furiosen Aufholjagd gelang, Gladbach am letzten Spieltag noch zu überholen. „Sie sind stabiler geworden im Vergleich zum vergangenen Jahr, als sie zum Rückrundenstart nach dem Sieg bei uns bereits zwölf Punkte Vorsprung hatten. Natürlich wird es schwer, sie erneut einzuholen, aber das ist unser Ziel – und unser Anspruch.“ Ein Pluspunkt für Gladbach sei allerdings, dass die Borussia im Gegensatz zur Werkself nicht mehr in DFB- sowie Europapokal vertreten sei. „Es ist am Ende der Saison ein kleiner Vorteil, dass sie nicht mehr so viele Englische Wochen haben.“

Ein Kai Havertz in Topform wäre für den zweiten Teil der Aufholjagd freilich eine enorme Hilfe – unabhängig von der stetig brodelnden Gerüchteküche.