Bayer 04 Leverkusen: Viel Ballbesitz, wenig Ertrag

Baumgartlinger analysiert Dortmund-Pleite : Die Werkself macht zu wenig aus ihrem Ballbesitz

Die Werkself lässt sich von heimstarken Dortmundern auskontern und kassiert beim 0:4 im Ruhrgebiet die erste Saisonniederlage. Julian Baumgartlinger will in der Effizienz des BVB den Knackpunkt des Spiels ausgemacht haben.

Julian Baumgartlinger gehört zu jener seltenen Spezies Profi-Fußballer, die direkt nach dem Schlusspfiff ein Spiel beredt analysieren kann. Auch nach der 0:4 (0:2)-Niederlage seiner Werkself bei Borussia Dortmund, bei der der Österreicher aufgrund des Fehlens von Kerem Demirbay (familiäre Gründe) von Beginn an spielte, hatte der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler den in seinen Augen entscheidenden Faktor gleich ausgemacht.

„Die Effizienz war der große Unterschied. Es war augenscheinlich, dass Dortmund dahingehend mal wieder einen Top-Tag hatte. Sie haben sich aber nicht nur darauf verlassen, sondern hatten einen klaren Spielplan“, sagte Baumgartlinger, der wie seine Nebenleute schon bessere Spiele im Trikot der Werkself gezeigt hat. Dass Bayer 04 den ansonsten selbst dominant auftretenden BVB bei 34 Prozent Ballbesitz hielt, sei seiner Meinung nach wenig effektiv gewesen. „Die Dortmunder haben bewiesen, dass sie auch mal etwas weniger Ballbesitz ertragen und dann eiskalt umschalten können. Da haben sie uns gezeigt, wie man es macht.“

Bayer 04 kam durch Karim Bellarabi (49.) und Kai Havertz (63.) zu guten Gelegenheiten, das Spiel auszugleichen beziehungsweise den Anschlusstreffer zu erzielen, ließ im Gegensatz zu den schwarz-gelben Gastgebern aber die Kaltschnäuzigkeit vermissen. „Wenn man am Ende kein Tor schießt, bringen auch 65 oder 66 Prozent Ballbesitz nichts. Da müssen wir besser und effizienter werden.“ Vor allem mit der vertanen Chance Bellarabis haderte Baumgartlinger. „Das ist in so einem engen Spiel entscheidend. Wenn man die nicht nutzt, kann es am Ende so ausgehen. Das sollte und darf nicht – ist aber leider so.“

Dass die Werkself in der Schlussphase, in der Trainer Peter Bosz in Moussa Diaby und Lucas Alario noch einmal zwei Angreifer brachte, in zwei Konter lief, ärgerte den Mittelfeldspieler. „Wir hätten kompakter bleiben und sehen müssen, dass es vielleicht auch von der Kraft her nicht mehr reicht, vorne draufzugehen. Das wird ein Entwicklungsschritt sein.“

Von der offensiv geprägten Spielweise abzuweichen, sei keine Option, betonte Baumgartlinger. Oft genug habe das boszsche System funktioniert. „Auch gegen Dortmund war das phasenweise so, dass wir uns ganz wohlgefühlt haben.“ Bayers „Schlüssel zum Erfolg“ sei bereits vergangene Rückrunde die Effizienz gewesen. Dass sich die Gegner nun auf die Spielweise der Leverkusener einrichten würden, sei nur legitim. Baumgartlinger: „Jeder adaptiert, versucht sich darauf einzustellen – das ist normal nach einer halben Saison, in der es funktioniert hat. Aber ich denke trotzdem, dass wir weiter den Weg gehen wollen. Der Trainer traut es uns zu, und wir es uns auch.“ Der Österreicher weiß aber: „Wir müssen die Ergebnisse liefern. Sonst stehen wir immer wieder mit Fragezeichen da.“

Sportgeschäftsführer Rudi Völler blickte derweil schon auf die kommenden beiden Heimspiele am Mittwoch gegen Lokomotive Moskau (21 Uhr) und Samstag (15.30 Uhr) gegen Union Berlin. „Da haben wir die Möglichkeit, schnell wieder in die Spur zu finden“, sagte der Weltmeister von 1990.

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