Bayer 04 Leverkusen verliert das Derby gegen den 1. FC Köln mit 0:2

2:0-Sieg gegen Leverkusen: Köln düpiert Bayer und zieht an Hamburg vorbei

Die Werkself verliert verdient gegen den akut abstiegsbedrohten Rivalen aus der Nachbarstadt. Die 0:2-Niederlage im Derby ist ein herber Rückschlag im Kampf um die anvisierten Champions-League-Plätze.

Die Machtfrage am Rhein beschäftigt seit Jahrzehnten die Fans aller Klubs am großen Fluss. Tabellarisch steht zwar Leverkusen nach wie vor im Vergleich mit Mönchengladbach und Köln am besten da, doch nach der 0:2-Niederlage beim 1. FC Köln sind die Nachbarn aus der Domstadt zumindest für einen Tag obenauf — und schöpfen als nun Vorletzter mit nur noch fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz Hoffnung im Abstiegskampf. Yuya Osako und Simon Zoller erzielten die Tore des Tages.

"Es ist unerklärlich, wie wir in so einem wichtigen Spiel so auftreten konnten", sagte Bayer-Keeper Bernd Leno bei Sky: "Wir waren von der ersten Minute nicht da. Man hatte nie das Gefühl, dass was für uns geht."

Bayers Trainer Heiko Herrlich stellte seine Startelf im Vergleich zum 2:0-Heimsieg gegen Borussia Mönchengladbach auf zwei Positionen um: Für Kapitän Lars Bender (muskuläre Beschwerden im Adduktorenbereich) rückte Tin Jedvaj rechts in die Viererkette. Kevin Volland verpasste das Derby aus einem erfreulichen Grund: Der Offensivspieler und seine Frau erwarten ihr erstes Kind — just am Tag des Nachbarschaftsduells. Julian Brandt ersetze ihn in der Anfangsformation.

Beide Teams hielten sich von Anfang an nicht mit langem Abtasten auf. Die keineswegs defensiv eingestellten Kölner störten die Leverkusener früh im Spielaufbau und kamen durch Leonardo Bittencourt zum ersten Abschluss, den Bernd Leno locker abfing. Der zweite Versuch der Gastgeber bereitete Bayers Nummer eins hingegen deutlich mehr Probleme: Bittencourt spielte von rechts flach in den Strafraum auf Yuya Osako, der aus zwölf Metern zur frühen Führung des "Effzeh" traf (9.). Leno war zwar noch am Ball, konnte ihn aber letztlich nicht parieren.

Die ebenso unnötige wie justiziable Antwort aus dem Gästeblock: Pyrotechnik. Auf dem Rasen versuchte sich währenddessen Leverkusens Leon Bailey an einer Flanke, die Timo Horn postwendend aus der Gefahrenzone boxte (12.). Ansonsten war vorerst nicht viel zu sehen vom der hochkarätig besetzten Offensive des Champions-League-Aspiranten. Lucas Alarios geblockter Schuss (21.) war da noch die erwähnenswerteste Chance, was vor allem daran lag, dass Köln leidenschaftlich verteidigte. Auch der Kopfball des Argentiniers ein paar Minuten später bereitete Horn keine Mühe (26.).

Alario schlägt mit Ellenbogen zu

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Bayer hatte zwar mehr Ballbesitz und zeigte einige gefällige Passabfolgen, doch der FC kam immer wieder in gefährliche Umschalt- und Kontersituationen. In den gegnerischen Strafraum einzudringen, vermochten aber beide Teams vorerst nicht. So sorgte Schiedsrichter Harm Osmers für den nächsten Aufreger: Nachdem er sich eine hitzige Szene zwischen Dominic Maroh und Alario in der "Review Area" am Bildschirm anschaute, zeigte er Bayers Angreifer die Rote Karte. Er hatte seinen auf Tuchfühlung gehenden Gegner abseits des Balls absichtlich mit dem Ellbogen am Kopf getroffen. Ein klassischer Fall von durchgebrannter Sicherung — belegt durch den Videobeweis.

Gelbe Karten gegen Kölns Dominique Heintz und Leverkusens Wendell nahmen zunächst die Dynamik aus dem Spiel. Die Gäste hatten zudem sichtlich an dem Platzverweis zu knabbern und leisteten sich ungewohnte technische Schwächen. Köln hingegen war bissiger bei der Sache, allerdings auch zu unpräzise im letzten Drittel. Kurz vor der Halbzeit segelte eine Bittencourt-Flanke noch haarscharf am Leverkusener Tor vorbei. Ob der 24-Jährige das so beabsichtigt hatte, blieb ungewiss. Dass er auf der rechten Seite ein bärenstarkes Spiel machte, ist indes eine gesicherte Erkenntnis.

Die Gäste kamen schwungvoll aus der Kabine, doch Horn parierte Julian Brandts Versuch aus spitzem Winkel (46.). Auch Baileys Freistoß endete in den Armen des Schlussmanns (50.), während auf der Gegenseite Osako und erneut Bittencourt am Tor vorbeischossen (55./63.). Die Entscheidung des 62. Duells beider Klubs in der Bundesliga brachte Simon Zoller, der versehentlich von Leverkusens Charles Aránguiz den Ball in den Lauf geköpft bekam, frei aufs Tor zulief, den heranstürmenden Leno überlupfte und den Ball locker im verwaisten Tor unterbrachte (69). Die Antwort aus dem Gästeblock, Teil 2: Pyrotechnik.

Alle Leverkusener Bemühungen, das Ergebnis erträglicher zu gestalten, blieben an Kölns gut gestaffelter Defensive hängen. Nach dem zweiten Tor des Tages war die Luft auf dem Rasen raus, während auf den Rängen die FC-Party ihren Lauf nahm — in der Hoffnung, dass es in der kommenden Saison eine Neuauflage des Derbys gibt.

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