Bayer 04 Leverkusen: Verletzung von Kai Havertz trübt Euphorie über Sieg gegen FC Bayern München

Bayer 04 wie entfesselt : Havertz-Verletzung bremst Euphorie nach Sieg gegen Bayern

Der 3:1-Sieg gegen den FC Bayern München euphorisiert Fans und Spieler. Sportgeschäftsführer Rudi Völler lobte den Mut der Mannschaft – und die taktischen Kniffe von Trainer Peter Bosz.

Kurz vor dem Schlusspfiff bot sich eine ungewohnte Kulisse in der ausverkauften BayArena. Lucas Alario hatte gerade durch sein videobeweisgeprüftes Tor zum 3:1 gegen den FC Bayern München den Schlusspunkt eines denkwürdigen Spiels von Bayer Leverkusen gesetzt – und die Nordkurve stimmte postwendend den Klassiker der absoluten Fanzufriedenheit an: „Oh, wie ist das schön!“

So was hat man in der Tat lange nicht mehr im Leverkusener Stadion gesehen – und auch nicht gehört. Vor einigen Wochen schien derartige Euphorie noch undenkbar. Zu bieder und zurückhaltend war bisweilen die Spielweise der Mannschaft unter Trainer Heiko Herrlich, der mal gewann, mal verlor und über die gesamte Hinrunde hinweg keine Konstanz zustande brachte.

Die Verantwortlichen zogen trotz aufsteigender Tendenz und einer zumindest passablen Punktausbeute kurz vor Weihnachten die Reißleine. Sie präsentierten in Peter Bosz einen Nachfolger, der das offensive Spektakel zurück nach Leverkusen bringen sollte.

Das ist dem Niederländer bislang gelungen. Schon beim 3:0-Sieg in Wolfsburg wirkte die Mannschaft wie entfesselt. Das 3:1 gegen den Rekordmeister untermauert diesen Eindruck nachhaltig.

„Das 1:1 war der Türöffner“, sagte Sportgeschäftsführer Rudi Völler. „Die Mannschaft hat an sich geglaubt und aufgrund der zweiten Halbzeit verdient gewonnen.“ Gemeint ist Leon Baileys Freistoß, der aus rund 25 Metern den Ball sehenswert halbhoch ins linke Eck schlenzte (53.) – und damit die Führung durch Leon Goretzka (41.) egalisierte. Kevin Volland ließ zehn Minuten später nach einem Bilderbuch-Konter das 2:1 folgen (63.).

Die Bayern rannten daraufhin gegen den Rückstand an, blieben ob ihrer individuellen Klasse stets gefährlich, aber fingen sich in der Schlussphase den nächsten Konter ein, den Alario regelkonform abschloss (89.). „Wir sind der Leverkusener Spielweise entgegengekommen“, räumte Münchens Trainer Niko Kovac ein. „Wir haben es 60 Minuten ordentlich gemacht, aber was ich bemängeln muss, ist unsere Kompaktheit."

Ein Lob hatte Völler indes für Bosz parat, der nach der Hüftverletzung von Kai Havertz kurz vor der Halbzeit Julian Baumgartlinger in die Partie brachte. „Das war sehr geschickt und intelligent“, konstatierte Völler. „Es war wichtig, nicht zu offensiv zu spielen.“ Durch die Einwechslung des Österreichers bildete sich mit Charles Aránguiz eine weitgehend stabile Doppel-Sechs. Julian Brandt übernahm die Rolle des dann einzigen offensiven Mittelfeldspielers.

Trotz aller Freude schmerzt freilich der womöglich längerfristige Ausfall von Havertz. Der Jungstar war bei einem schnellen Konter von Joshua Kimmich rüde umgerissen worden und versuchte es noch einige Minuten, doch dann ging es nicht mehr für ihn weiter. Wie lange der Leistungsträger der vergangenen Monate fehlen wird, ist unklar – laut Völler der einzige Wermutstropfen an einem ansonsten gelungenem Abend.

Brandt sprach nach dem Schlusspfiff von einem harten und intensiven Spiel gegen den Rekordmeister, in dem auch ein bisschen Glück dabei gewesen sei. Die Halbzeitansprache von Bosz beim Stand vom 0:1 habe das Team zusätzlich aufgeputscht. „Er hat gesagt, dass wir ans uns glauben sollen und das Spiel noch drehen können“, erzählt Brandt. Dass es auch so kam, tue „extrem gut“.

Das sehen wohl auch die Leverkusener Fans so, die ihr Team feierten, wie schon lange nicht mehr. Viel Zeit für Euphorie bleibt aber nicht. Bereits am Dienstag geht es im DFB-Pokal beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim weiter (18.30 Uhr), ehe am Freitagabend das Auswärtsspiel in Mainz ansteht (20.30 Uhr). Das ist die erste von nun mehreren Englischen Wochen in Folge. Genug Schwung dürfte die Werkself dafür nun geholt haben.

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