Bayer 04 Leverkusen: Union Berlin vor Augen, Sportfreunde Lotte im Kopf

DFB-Pokal: Berlin vor Augen, Lotte im Hinterkopf

Für die Werkself geht es heute gegen Union Berlin um den Einzug in das Achtelfinale des DFB-Pokals. Coach Heiko Herrlich muss die Favoritenrolle annehmen. Bayers bester Torschütze Kevin Volland fällt für die Partie aus.

Nach dem Derby-Triumph ist vor der Pflichtaufgabe: Bayer 04 empfängt heute Abend Union Berlin (18.30 Uhr). Zwischen dem 5:1-Spektakel vom vergangenen Wochenende und dem am Samstag anstehenden Nachbarschaftsduell in der Bundesliga gegen den 1. FC Köln mutet die Aufgabe beim Zweitligisten beinahe wie trister Alltag an. Leverkusen ist klarer Favorit gegen die ambitionierten Hauptstädter - auch, wenn Union Berlin fester Bestandteil der Spitzengruppe im Unterhaus ist.

Das ist eine Rolle, die Bayer 04 im Oktober 2016 nicht gut bekam: Gegen den Drittligisten Sportfreunde Lotte setzte es vor ziemlich genau einem Jahr eine peinliche 3:4 (2:2)-Schlappe nach Elfmeterschießen. David hatte Goliath einmal mehr geschlagen. Damit die ewig gültige Regel, dass der Pokal seine eigenen Gesetze habe, morgen keine Fortsetzung findet, setzt Heiko Herrlich im Vorfeld der Partie auf eine klare Ansprache. "Das ist ein Leben-oder-sterben-Spiel", sagt Bayers Coach in ungewohnt martialischer Manier, um gleich im nächsten Satz zu relativieren. Das sei freilich nicht buchstäblich gemeint, sondern eher dem Turniermodus geschuldet: "Du hast keine Möglichkeit, etwas zu korrigieren. Wenn wir verlieren, sind wir ausgeschieden."

Berlin habe es psychologisch gesehen etwas leichter: "Die haben nichts zu verlieren und verfügen über einen Kader, der durchaus auch in der Bundesliga funktionieren kann." Nicht umsonst sei der Aufstieg in die höchste Spielklasse das Ziel des mit bundesligaerfahrenen Akteuren gespickten Hauptstadtklubs. Natürlich sei sein Team dennoch Favorit, sagt Herrlich. "Wir nehmen diese Rolle ganz klar an."

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Das weckt Erinnerungen an Lotte, wo die damals noch von Roger Schmidt trainierte Werkself in Überzahl nicht über ein 2:2 in der regulären Spielzeit hinauskam. Keiner in der Mannschaft schreie laut "Juhu!", wenn er an jenen trüben Abend im Oktober 2016 denke, betont Herrlich. "Das wissen die Spieler noch. Ich bin davon überzeugt davon, dass morgen alle die 100-prozentige Konzentration an den Tag legen, um diesen Gegner ernst zu nehmen und die bestmögliche Leistung abzurufen." Ein bisschen Bodenhaftung kann nach dem berauschenden Sieg in Mönchengladbach jedenfalls nicht schaden.

Als Abkürzung nach Europa sieht der 45-Jährige den DFB-Pokal jedoch nicht. "Jetzt schauen wir nicht auf das Fernziel, sondern nur auf die Aufgabe Union Berlin - und die ist richtig schwer." Immerhin hatte der kommende Gegner im vergangenen Jahr sogar Borussia Dortmund am Rande einer Niederlage. Erst im Elfmeterschießen setzte sich der spätere Pokalsieger gegen den vermeintlichen Außenseiter durch.

Definitiv fehlen wird Kevin Volland. Der treffsicherste Torschütze der Werkself (fünf Tore) hat in Mönchengladbach einen Schlag auf den Fuß abbekommen und muss pausieren. Gegen den 1. FC Köln am Samstag soll der gebürtige Allgäuer aber wieder zur Verfügung stehen. Auch Jonathan Tah ist laut Herrlich noch leicht angeschlagen. Ansonsten sind alle Spieler fit. Der Coach möchte aber ohnehin rotieren: "Wir werden auch Spielern die Chance geben, die zuletzt nicht zum Einsatz gekommen sind."

(RP)