Bayer 04 Leverkusen: Ultras provozieren mit A1-Banner

Bayer Leverkusen : Ultras provozieren mit A1-Banner

Die Vorgehensweise von Bayer 04 ärgert einige Fans. Der Verein verteidigt sich und rechtfertigt die kritisierten Bannerverbote mit strengen Regularien. Beim 3:1-Heimsieg gegen Hertha BSC Berlin blieb die Nordkurve dennoch teilweise stumm.

Keine Stimmung, keine Choreographie, Fans, die lautstark für die Entlassung der Geschäftsführung plädieren - die Atmosphäre in der BayArena schwankte am Sonntagnachmittag zwischen angespannt und vergiftet. Obwohl die Werkself mit einem überzeugenden 3:1-Sieg in das Bundesliga-Jahr 2017 startete, verweigerten einige Fans die Gefolgschaft. Aus ihrer Sicht hat das gute Gründe. Insgesamt gibt es drei Fälle, die den Anhängern sauer aufstoßen.

Fünf Heimspiele Sperre nach Stelzenbanner Beim Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg Anfang Dezember wurde von den Ultras Leverkusen ein Banner mit dem Schriftzug "Schützt die Bürger dieser Stadt - Tunnel statt Mega-Stelze!" entrollt. Nun folgte der Aufruf, eine Petition gegen die "Megastelze" zu unterschreiben. Mit den Spruchbändern positionierte sich die Gruppe zum geplanten Ausbau der A1 - ein Verstoß gegen vorher abgeklärte Regeln. In einem Schreiben an die Ultras machte Bayer 04 laut Meinolf Sprink deutlich, dass politische Botschaften in der BayArena nichts verloren hätten. In der Winterpause erhielt ein Fan, der Teile des Spruchbandes ins Stadion geschmuggelt haben soll, eine Sperre für fünf Spiele in der BayArena. Die Auswertung des Videomaterials hatte ihn überführt.

"Unangemessen", nennt die Fangemeinschaft Nordkurve 12 (NK 12) die Strafe. "Konsequent" ist das Wort, das Sprink benutzt. "Das ist keine Willkür. Wir haben mehrfach angekündigt, dass es im Falle eines Falls Strafen geben wird." Die BayArena sei ein unpolitischer Ort. "Sie hätten vor dem Stadion Unterschriften sammeln können. Das wäre kein Problem gewesen, aber im Innenraum ist und bleibt es nicht erlaubt."

Die Ultras vergleichen ihre Aktion für den A1-Tunnel mit der ebenfalls von ihnen ins Leben gerufenen Initiative "Das Kreuz muss bleiben", die sich vor einigen Jahren erfolgreich für den Erhalt des Bayer-Kreuzes einsetzen konnte. Damals habe es keine Sperren gegeben. Sprink dazu: "Stadien sind nicht die richtige Bühne für Politik. Die punktuellen Verbote sind eine Maßnahme, um zu zeigen, dass in der BayArena gewisse Regeln gelten - und gelten müssen."

Verbot für leicht entflammbare Blockfahne Die Gruppierung "Farbenstadtinferno" (FSI) wollte anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens eine dreiteilige Choreographie starten. Die Vorgaben sind dabei klar: Blockfahnen, also jene, die über mehrere Reihen und Köpfe hinweg gespannt werden, müssen Anforderungen des Brandschutzes genügen. Ein Test mit dem Feuerzeug vor dem Spiel ergab, dass das Material leicht entflammbar ist.

Der Brandschutzbeauftragte untersagte daraufhin die Choreographie. "Wenn eine übergroße Fahne über den Köpfen gehalten wird, und sie fängt - aus welchem Grund auch immer - Feuer, ist das nicht im Ansatz tolerabel", betont Sprink. In dem Fall sei es einfach so, dass die nötigen Rahmenbedingungen nicht erfüllt worden seien - und den Entscheidern keine andere Möglichkeit blieb.

Für die Spruchbänder, die nicht überkopf genutzt werden, habe ein Feuerlöscher bereit gestanden. "Wir bemühen uns, den Fans entgegenzukommen, aber auch hier gilt: Regeln sind Regeln", betont Sprink. Der Werkself daraufhin die Unterstützung zu unterziehen, empfindet er als unangemessen: "Das ist dem Team gegenüber unfair."

Bundesweite Stadionsperren für zwei Vorsänger der Ultras Wie berichtet, sorgt auch die Strafe gegen zwei Vorsänger der Ultras aus dem Pokalspiel beim SC Hauenstein für Unmut. Die Partie wurde in Pirmasens ausgetragen. Bis März sind die beiden "Capos" bundesweit gesperrt. Der Versuch, eine Ausnahme zumindest für die BayArena zu erwirken, sei am DFB gescheitert, sagt Sprink. "Wir haben es vergeblich versucht, aber der DFB hat das letzte Wort."

Die Sperren seien auf Initiative des SC Hauenstein ausgegangen, der die beiden Gästeblockzaunkletterer für ihr rüdes Verhalten beim Pokalspiel sanktionieren wollte. Hinzu kam ein Bußgeld für einen der beiden - in Höhe von 800 Euro. Auch dieser Bescheid erreichte die Fans erst in der Winterpause. "Bayer 04 hat keine Aktien in dieser Geschichte", betont Sprink. Dass sich der Verein nicht für seine Fans einsetze, sei falsch: "Im Gegenteil - wir machen eine ganze Menge."

(RP)
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