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Bayer 04 Leverkusen: Triumph der Ersatzbank

Tah, Weiser und Dragovic überzeugen : Triumph der Ersatzbank

Aleksandar Dragovic trifft kurz vor dem Abpfiff zum 2:1-Sieg in Bielefeld, Jonathan Tah sowie Mitchell Weiser sind an der Entstehung des Treffers beteiligt. „Man hat gesehen: Wir brauchen alle Spieler im Kader“, betont Trainer Peter Bosz.

In der Werkself hat Aleksandar Dragovic eigentlich nur zwei Rollen. Er ist Innenverteidiger oder Rechtsverteidiger. Als Torschütze tritt er hingegen extrem selten in Erscheinung. In seinen bislang 85 Pflichtspieleinsätzen für Leverkusen erzielte er drei Treffer – aber einer davon war besonders wichtig: Das 2:1 am Samstag in Bielefeld, das Bayer den fünften Ligasieg in Serie und Platz drei in der Tabelle bringt.

Dragovic beschrieb die entscheidende Szene in der 88. Minute so: „Es war turbulent. Es kam ein langer Ball auf Jonathan Tah, der ihn gut in die Mitte geköpft hat. Dann hat Mitchell Weiser die Chance und ich dachte, dass er ihn rein macht, doch der Ball wird abgewehrt und prallt vor meine Füße.“ Dann setzte der Österreicher um, was wohl alle Fans der Werkself vor dem Bildschirm dachten: „Mach es, Drago!“ Und genau so kam es, ins rechte untere Eck.

„Wer das Training in Leverkusen beobachtet weiß, dass das eine Spezialität von mir ist – mit der Innenseite rein. Zum Glück hat das geklappt“, sagte der Nationalspieler, der sich dann aber gleich in der profitypischen Bescheidenheit übte. „Am Ende des Tages ist es egal, wer die Tore macht. Wichtig ist die Mannschaft und wichtig sind die drei Punkte.“

Dragovic und Bayer – das ist eine Beziehung mit dem Status „kompliziert“. Bis heute ist der gebürtige Wiener der teuerste Defensivzugang der Vereinsgeschichte. Für kolportierte 20 Millionen Euro wechselte er 2016 von Dynamo Kiew zur Werkself. Doch Stammspieler wurde er nie. In Roger Schmidt, Tayfun Korkut, Heiko Herrlich und nun Peter Bosz hat der 29-Jährige bereits vier Trainer unter dem Bayer-Kreuz erlebt. Keiner von ihnen schenkte ihm dauerhaft das Vertrauen. Vor einigen Tagen kochte das nächste von im Laufe der Jahre ziemlich vielen Wechselgerüchten hoch: Roter Stern Belgrad soll noch in diesem Winter an Dragovics Diensten interessiert sein. Sein Vertrag in Leverkusen läuft noch bis 2021.

Doch weil sich Sven Bender in Bielefeld zu Beginn der zweiten Halbzeit verletzt hat und bis auf weiteres mit einer Prellung am linken Sprunggelenk ausfällt, sein Zwillingsbruder Lars mit einem „Pferdekuss“ am Oberschenkel angeschlagen ist und Tapsoba nach positivem Test in Corona-Quarantäne muss, kommen auf Dragovic wohl Wochen mit viel Einsatzzeit zu. Am Donnerstag geht es bereits in der Europa League gegen Hapoel Be’er Sheva weiter (21 Uhr), am Sonntag folgt das Heimspiel gegen Hertha BSC (15.30 Uhr).

„Ich rede nie von Stammspielern oder Ersatzspielern“, betonte Trainer Peter Bosz. „Wir sind eine Mannschaft und haben viele Spiele. Nicht jeder wird gleich viel spielen, aber wir brauchen alle. Das haben wir in Bielefeld gesehen.“ Ohnehin war der 2:1-Siegtreffer ein Triumph der Ersatzbank. Tah war in der Entstehung beteiligt, Mitchell Weiser ebenfalls – und Dragovic. Das bestätigt ein Credo von Bosz, der am Samstag seinen 57. Geburtstag feierte: „Jeder Spieler im Kader ist wichtig.“