Bayer 04 Leverkusen: Trainer Peter Bosz will weniger Laufkilometer sehen

Ambivalenz des Zahlenwerks : Bayer-Trainer Bosz will weniger Laufkilometer sehen

Kein Team der Bundesliga spult so viele Kilometer ab wie die Werkself. Trainer Peter Bosz ist davon allerdings nicht begeistert.

Fußball ist ein von oben bis unten und links bis rechts vermessener sowie berechneter Sport. Unzählige Regalmeter ließen sich mit Statistiken, Zahlen und Bilanzen füllen. Ein Wert, der in den vergangenen Jahren immer größere Relevanz in der öffentlichen Wahrnehmung hat, sind die absolvierten Laufkilometer einer Mannschaft. Die Werkself ist in dieser Statistik Spitzenreiter der Liga. 596,1 Kilometer legten die Spieler von Trainer Peter Bosz bislang auf dem Rasen zurück – mehr noch als die Hochgeschwindigkeitsfußballer aus Leipzig (585,5) oder der lauffreudige Aufsteiger Paderborn (582,8).

Vor dem Auswärtsspiel in Augsburg am Samstag (15.30 Uhr) betont Coach Bosz die Ambivalenz des Zahlenwerks. Die zurückgelegte Distanz belege zwar, dass seine Mannschaft eine gute Kondition habe, „aber auch, dass wir noch nicht sehr gut spielen. Denn wenn wir besser spielen, verlieren wir seltener den Ball und müssen weniger laufen.“ Insofern freue sich der Niederländer, wenn die Zahl sinke. Es wäre für ihn ein Indiz, dass seine Spieler sicherer und besser mit dem Ball umgehen.

Es ist allerdings wahrscheinlich, dass in Augsburg erneut überdurchschnittlich viele Kilometer zusammenkommen. Bosz rechnet damit, dass die Mannschaft von Martin Schmidt kompakt verteidigt und auf Ballverluste der Werkself lauert, um postwendend zu kontern. „Das wird nicht einfach“, ist sich der 55-Jährige sicher. „Wenn sie den Ball bekommen, gehen sie sehr schnell und gradlinig nach vorne. Aber wir sind es gewohnt, gegen tief stehende Gegner zu spielen.“ Dann wiederholte er einen Satz, den er schon oft gesagt hat: „Wir müssen unsere Restverteidigung gut organisieren.“

Gegen Union Berlin ist das beim 2:0 am vergangenen Spieltag gut gelungen. Es war der erste Zu-Null-Sieg der Saison. Allerdings warf der schwache Auftritt der Hauptstädter die Frage auf, ob sie nur wegen der Stärke Bayers einen bundesligauntauglichen Auftritt ablieferten oder aufgrund der eigenen Unzulänglichkeit. Dennoch sei der Sieg gegen Union nach zuvor drei Spielen ohne Erfolgserlebnis wichtig gewesen. „Jetzt ist das gute Gefühl wieder da. Ich sehe eine Entwicklung in meiner Mannschaft, dass wir stabiler werden und besser spielen.“ Diese langfristige Perspektive sei wichtiger als die kurzfristige Bewertung einzelner Partien. „Aber klar ist auch: Mit den Punkten steigt das Selbstvertrauen.“

So kommt dem Gastauftritt im Südwesten Bayerns eine besondere Bedeutung zu. In Juventus Turin und RB Leipzig halten die Tage nach Augsburg zwei Gegner bereit, die international sowie national zu den Besten der Besten gehören. Insofern könnte sich Bayer 04 mit einem Sieg beim FCA Schwung für die Woche holen. „Wir haben letztes Jahr gut in Augsburg gespielt und zurecht gewonnen“, erinnert Bosz an das 4:1 im März. „Es ist sehr wichtig für uns, dort wieder ein gutes Ergebnis zu erreichen.“

Karim Bellarabi fällt für die Partie aus. Der Flügelspieler fehlte zuletzt krankheitsbedingt im Training. Er wird also nicht dabei helfen können, dass Bayer 04 einen Bundesligarekord einstellt. Erst eine Mannschaft schaffte es, die 17 ersten Begegnungen gegen ein Team nicht zu verlieren: der FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim. Bayer könnte gegen Augsburg im 17. Aufeinandertreffen gleichziehen. Es wäre ein weiterer Beitrag für die unendlichen Weiten der Fußballstatistiken.

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