Bayer 04 Leverkusen: Trainer Peter Bosz will es der Liga zeigen

Bayer-Trainer leitet erstes Training: Peter Bosz will es der Liga zeigen

Was ihm bei Borussia Dortmund misslang, will der 55-jährige Trainer bei Bayer 04 Leverkusen schaffen: Deutschland soll den wahren Peter Bosz kennenlernen.

Schon bei seiner Vorstellung in der BayArena war die Vorfreude bei Peter Bosz spürbar. Nach rund einem Jahr Pause könne er es kaum abwarten, wieder auf den Trainingsplatz zu gehen, sagte er. Am liebsten wäre der Niederländer wohl direkt nach der obligatorischen Fragerunde zur Tat geschritten. Um 15 Uhr war es dann soweit. Er konnte mit seinem neuen Team arbeiten. Wort- und Gestenreich erklärte der Coach die Übungen. Überhaupt wurde viel kommuniziert auf dem Rasen. Vor allem Passformen und Abschlüsse standen auf dem Programm – und ein kurzes Trainingsspiel im nasskalten Nieselregen.

Bailey und Aránguiz fehlen im ersten Training

Nicht dabei waren Leon Bailey und Charles Aránguiz. Während ersterer wegen Unregelmäßigkeiten bei der Rückreise aus Jamaika fehlte und deswegen die erste Einheit unter Bosz verpasste, erhielt der Chilene eine Urlaubsverlängerung aus familiären Gründen. Mehr war von offizieller Seite nicht zu erfahren. Aránguiz wird am Sonntag zurück in Leverkusen erwartet.

Für die Werkself bedeutet der Trainerwechsel auch eine Abkehr vom eher kontrollierten taktischen Ansatz, für den Heiko Herrlich nach knapp drei teils spektakulären, teils turbulenten Jahren unter Roger Schmidt gefeiert wurde. Bosz steht für offensives Verteidigen, Gegenpressing und schnelles Umschaltspiel im 4-3-3. „Das ist ein Ansatz, der unseren Spielern zugutekommt“, sagte Sportgeschäftsführer Rudi Völler. „Nicht nur, weil sie jung, schnell und gut am Ball sind, sondern auch, weil sie einen gewissen Vorwärtsdrang haben.“ Deckungsgleich sind die Fußballphilosophien von Bosz und Schmidt nicht, aber sie ähneln sich zumindest im Ansatz. Wie viel er von seiner Spielidee bis zum Rückrundenauftakt gegen Mönchengladbach in zwei Wochen umsetzen kann, ist ungewiss. Bosz will jedenfalls nicht nur auf dem Trainingsplatz wirken. „Wir werden viele Sitzungen machen, in denen ich den Spielern meine Idee erkläre“, kündigte er an.

Offene Rechnung mit der Bundesliga

Mit der Bundesliga hat der 55-Jährige noch eine Rechnung offen. In Dortmund startete er stark, gewann sieben Spiele, blieb aber in den folgenden acht Partien sieglos und wurde letztlich entlassen. Dabei haben wohl auch interne Querelen eine Rolle gespielt. „Alle Fehler, die ich in Dortmund gemacht habe, muss ich nicht mehr hier machen“, sagte er. „Die Leute in Deutschland haben noch nicht den wahren Peter Bosz kennengelernt und ich hoffe, dass sie es jetzt hier sehen.“ Er sei noch nicht fertig mit der Bundesliga.

Der Kader gibt jedenfalls das passende „Material“ für seine Idee vom Fußball her. Nicht nur deswegen freut er sich auf die Zusammenarbeit. „Das 4-3-3 kann man auf verschiedene Arten spielen. Es ist nicht so wichtig, wie man es genau nennt“, sagte Bosz zum Thema Taktik. „Für mich ist wichtiger, welche Spieler ich zur Verfügung habe und wie man mit ihnen am besten attraktiven, offensiven Fußball spielen kann. Genau das wollen wir machen.“

Das klingt verheißungsvoll. Der Druck, der nach der durchwachsenen Hinrunde auf der Werkself lastet, ist ihm bewusst. Er weiß auch um die Ambitionen des Vereins. „Am Ende muss das Ziel sein, dass ein Verein wie Bayer Leverkusen in Europa spielt.“