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Bayer 04 Leverkusen: Trainer Peter Bosz schlägt Belastungsalarm

Bis zu 19 Spiele bis Weihnachten : Peter Bosz schlägt Belastungsalarm

Die Profis der Werkself haben bis zur Winterpause noch 16 Spiele vor der Brust, die Nationalspieler gar bis zu 19. Trainer Peter Bosz kritisiert vor allem die Ansetzung von Test-Länderspielen und befürchtet viele Verletzte.

Für Julian Baumgartlinger war nach dem Arbeitssieg gegen seinen Ex-Klub FSV Mainz klar, dass nur die drei Punkte zählen. Dass der 1:0-Erfolg bei den kriselnden Rheinhessen glanzlos zustande kam, ist für den Österreicher vor allem den besonderen Umständen im Pandemiejahr 2020 geschuldet. „Es soll keine Ausrede sein, aber ohne richtige Vorbereitung ist es für alle schwierig“, betonte der Mittelfeldspieler mit Blick auf die durch das Europa-League-Turnier im August extrem kurze Trainingsphase vor dem Saisonstart. „Wir müssen erst wieder in das Selbstverständnis hineinfinden, mit dem wir die letzten Jahre gespielt haben.“

Bis dahin scheint es indes noch ein weiter Weg für die Werkself zu sein, den sie zudem nur sehr bedingt im Training gehen kann. Der Grund: Bis zur Winterpause stehen quasi nur noch Englische Wochen an – und noch eine Länderspielpause, in der nicht nur Deutschland drei Spiele zu absolvieren hat. Hinzu kommt die 2. Runde des DFD-Pokals, die auch noch in diesem Jahr ausgetragen werden soll, aber noch nicht ausgelost ist. Unterm Strich kommen auf Bayers Nationalspieler also bis zu 19 Partien bis Weihnachten zu. Danach folgt eine kurze Verschnaufpause, ehe es bereits am ersten Januarwochenende mit dem Spiel in Frankfurt weitergehen soll. Das ist eine Taktung, die Bayers Trainer Peter Bosz zufolge zu hoch ist.

„Die Belastung wird unglaublich sein. Deshalb werden wir viele Verletzungen erleben – leider“, sagte der Niederländer nach dem Sieg in Mainz. Dem 56-Jährigen sind vor allem die Test-Länderspiele ein Dorn im Auge. In der nächsten Nationalmannschaftspause geht es für Deutschland in der Nations League gegen die Ukraine und Spanien weiter (14. und 17. November), vorher ist ein Freundschaftsspiel gegen Tschechien angesetzt (11. November). Dann geht es zurück in den Pflichtspielmarathon in Liga, Pokal und Europapokal.

„Ich glaube, die Nationaltrainer und die Spieler wollen das nicht – und wir Vereinstrainer auch nicht“, sagte Bosz. „Das ist eine Extra-Belastung, die für mich völlig unnötig ist. Ich weiß, dass das auch mit Geld zu tun hat. Trotzdem verstehe ich es nicht. Wir müssen in so kurzer Zeit unsere Spiele machen und haben dafür zwei Monate weniger als sonst.“ Hinzu komme der Nachteil, in den Länderspielpausen kaum sinnvoll trainieren zu können. Während der vergangenen Unterbrechung der Liga habe er zwei Wochen mit sechs Spielern trainiert, bekräftigt Bosz und betont: „Was ich nicht verstehe, sind die Freundschaftsspiele, die hinzugekommen sind.“

Baumgartlinger hingegen freut sich auf die Dauerbelastung. „Dafür spielen wir alle Fußball“, sagte der 32-jährige Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft. „Es geht jedes Jahr darum, den internationalen Wettbewerb zu erreichen, um alle drei Tage spielen zu können, dann regenerieren und trainieren, um wieder auf dem Feld zu stehen, 90 Minuten um den Sieg zu kämpfen und am Ende vielleicht einen Titel zu gewinnen.“ Allerdings schränkt er ein: „Wir haben bislang mehr Länderspiele als normale Spiele absolviert. Das ist für die Vereinsmannschaften schwierig.“

Gemessen an dem ambitionierten Spielplan wird sich allerdings zumindest dieses Missverhältnis schnell umkehren.