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Bayer 04 Leverkusen: Trainer Peter Bosz kann Frust der Fans verstehen

Negativlauf : Peter Bosz kann den Frust der Fans verstehen

Bayer Leverkusens Trainer Peter Bosz ist nach der Schmach bei Rot-Weiss Essen als Psychologe gefragt. Der Niederländer stuft das Pokal-Aus als Tiefpunkt der bisherigen Saison ein.

In den vergangenen Tagen prasselte von allen Seiten Kritik auf die Werkself ein. Das 1:2 bei Rot-Weiss Essen war tatsächlich eine Schmach historischen Ausmaßes. Bayer Leverkusen ist bis zu dem unglückseligen Abend im Stadion an der Hafenstraße noch nie im Pokal an einem Viertligisten gescheitert. Essen beendete diese Serie. Entsprechend verheerend waren die Kommentare der Anhängerschaft in den Sozialen Medien. Für sie war die Niederlage im Achtelfinale ein sportlicher Offenbarungseid und absoluter Tiefpunkt. Davon hat Peter Bosz indes nichts mitbekommen.

„Ganz ehrlich: Ich bin vielleicht der einzige in Deutschland, aber ich habe keine Sozialen Medien und nutze keiner dieser Plattformen. Ich habe aber das Spiel gesehen und verstehe die Fans absolut“, sagt der Trainer der Werkself. Er gibt sich für das anstehende Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am Samstag (15.30 Uhr) kämpferisch: „Die Antwort darauf können wir nur auf dem Platz geben. Da müssen wir es zeigen.“

Und da deutet sich zumindest in personeller Hinsicht eine Entspannung an. Das liegt zum einen an den drei Wintertransfers Jeremie Frimpong, Timothy Fosu-Mensah und Demarai Gray, aber auch an der Rückkehr von Sven Bender, der bereits in Essen 120 Minuten auf der Bank saß. Exequiel Palacios gab zudem am Dienstag sein Comeback nach monatelanger Verletzungspause. „Es sieht immer besser aus. Es kommen mehr und mehr Spieler zurück“, sagt Bosz. „Wir werden diese Woche wieder einen erwachsenen Kader haben mit wahrscheinlich 20 Profis.“ Zuletzt hatte der Niederländer sein Aufgebot immer wieder mit Talenten aus der U19 auffüllen müssen.

Interessant bleibt die Frage, wie Bosz die Pokal-Blamage aus den Köpfen seiner Spieler bekommt. „Ich bin als Psychologe und Trainer gefordert. Natürlich war das eine riesige Enttäuschung, die wie erstmal verarbeiten müssen“, räumt der 57-Jährige ein. „Dazu haben wir 120 Minuten in den Beinen auf einem schwierig zu bespielenden Platz. Das muss man auch verkraften.“

Bleibt zudem noch das im Pokal offensichtlichste Manko: Die mangelhafte Chancenverwertung. Daran zu arbeiten, ist schwierig. Vielleicht greift Bosz auch deshalb auf Ansätze zurück, die über das Physische hinausgehen. „Wir versuchen, den Jungs Vertrauen zu geben. Am Ende kann auch nicht jeder Ball an den Pfosten oder zum Torwart gehen. Er wird auch mal reingehen“, ist sich der Niederländer sicher. „Das Wichtigste ist, dass man sich Torchancen herausspielt und erarbeitet. Hätten wir im Pokal nicht 27, sondern zwei Torschüsse gehabt, hätte ich mir Sorgen gemacht.“

Im Fußball gebe es eben Dinge, die nicht zu erklären seien. „Zum Start in die Liga haben wir 0:0 in Wolfsburg, 1:1 gegen Leipzig sowie 1:1 in Stuttgart gespielt – und alle haben darüber geredet, dass uns mit Kevin Volland und Kai Havertz zu viele Scorerpunkte verlassen haben. Dann haben wir gegen Nizza sechs Mal getroffen. Manchmal muss man einfach machen. Und wenn der erste Ball reingeht, wird es einfacher.“