Bayer 04 Leverkusen: Tore von Julian Baumgartlinger haben Seltenheitswert

Erster Treffer seit zwei Jahren : Baumgartlingers Tore haben Seltenheitswert

Der 32-Jährige erlebt beim 4:1 in Paderborn einen außergewöhnlichen Moment. Den Konkurrenzkampf im Kader sieht er gelassen.

Lukas Hradecky ist immer für einen guten Spruch zu haben – auch am Dienstag nach dem Training. Gutgelaunt schreitet der Finne durch die Gänge der BayArena. Auf seinen Teamkollegen Julian Baumgartlinger angesprochen, reagiert er mit einer Mischung aus Ironie und Anerkennung: „Ah, der Torjäger! Also, wenn Baumi schon trifft, dann müssen wir auch gewinnen.“ Gemeint ist freilich der durch das 4:1 beim SC Paderborn gelungene Start in die Rückrunde. Der eher selten im gegnerischen Strafraum auftauchende Österreicher erzielte kurz vor der Halbzeit nach Vorarbeit von Karim Bellarabi und unter gütiger Mithilfe von SCP-Keeper Leopold Zingerle das vorentscheidende 3:0.

Fast auf den Tag genau zwei Jahre hat Baumgartlinger auf diesen Moment gewartet. Am 20. Januar 2018 gelang dem Mittelfeldspieler der Werkself beim Auswärtssieg in Hoffenheim das zwischenzeitliche 2:0. Es war sein erstes Bundesliga-Tor für Leverkusen. Nun folgte das zweite. Kurios: Beide Auswärtsspiele endeten mit einem 4:1-Sieg. Insofern kann Hradeckys These als bestätigt angesehen werden: Trifft Baumgartlinger, gewinnt Leverkusen.

Den Ball ins Netz zu befördern, ist ein seltenes Glücksgefühl für Baumgartlinger. „Ein Tor tut natürlich immer gut. Für uns als Mannschaft war es wichtig, so in die Rückrunde zu starten.“ Dabei ist er gar nicht so unerfahren, was das Einnetzen angeht. Als Jugendspieler habe er durchaus häufiger als Vollstrecker geglänzt. „Je dominanter man da ist, desto mehr Tore schießt man auch auf dem kleineren Feld, aber das hat sich dann mit den zunehmend defensiveren Positionen reduziert.“ Immerhin habe Peter Bosz ihn nun bei Standards in den Strafraum beordert, sodass die Chance für Baumgartlinger-Tore zumindest theoretisch gestiegen sei. „Aber es kommt natürlich auch darauf an, wie man seine Rolle im System interpretiert.“

Die Meinung unter den Bayer-Fans über die Leistungsfähigkeit des ehemaligen Profis von 1860 München und Mainz 05, der 2016 für rund vier Millionen Euro Ablöse von den Rheinhessen unters Bayer-Kreuz wechselte, ist auch in der vierten Saison des Österreichers zwiegespalten. Die einen schätzen Baumgartlingers Spielintelligenz, Passgenauigkeit, Zweikampfstärke und loben dessen Qualitäten als Allrounder. Andere wiederum sehen im defensiven Mittelfeldmann lediglich einen Ballquerschieber ohne herausragende fußballerische Vorzüge.

Doch der Kapitän der österreichischen Nationalmannschaft schafft es immer wieder, seine Kritiker zu widerlegen und sich einen Platz in der Startelf zu erkämpfen. In naher Zukunft wird ihm das keiner streitig machen können. Wann Positionskonkurrent Charles Aránguiz seinen Muskelfaserriss in der Wade auskuriert hat, ist noch offen, und Winterzugang Exequiel Palacios ist noch zwei Ligaspiele gesperrt. Der Argentinier hatte sich in seiner letzten Partie für River Plate Buenos Aires eine Rote Karte geleistet, deren Strafe verbandsübergreifend übernommen wurde. Und dann ist da noch Kerem Demirbay, der ebenfalls für die Positionen im zentralen Mittelfeld infrage kommt.

Baumgartlingers erste Eindrücke von Palacios sind durchweg positiv. „Er ist sehr ballsicher und mutig, arbeitet aber auch aggressiv gegen den Ball“, sagt der 32-Jährige. Seine Qualitäten habe der Zugang jedenfalls auch in der kurzen Zeit schon angedeutet. Den dadurch gestiegenen Konkurrenzdruck sieht Baumgartlinger gelassen. „Wir haben viele Spiele und brauchen einen breiten Kader – auch qualitativ. Es ist immer besser, eine gute Konkurrenzsituation zu haben. Das hält jeden Spieler scharf, konzentriert und fokussiert.“

Am kommenden Sonntag steht für die Werkself die nächste Partie gegen einen Abstiegskandidaten an. Ab 18 Uhr gastiert Fortuna Düsseldorf in der BayArena. Baumgartlinger geht von einem schwierigen Spiel gegen einen tief stehenden Gegner aus. „Sie werden sehr defensiv und kompakt bei uns auftreten“, prognostiziert der Österreicher. „Wichtiger ist aber, dass wir uns auf uns fokussieren.“