Bayer 04 Leverkusen: Team von Peter Bosz offenbart neue Stärke

Arbeitssieg in Wolfsburg : Bayer 04 offenbart eine neue Stärke

Beim 2:0 der Werkself in Wolfsburg überrascht die Mannschaft ihren Trainer Peter Bosz mit Kampfkraft statt Spielfreude. Auch das Glück ist auf der Seite der Leverkusener.

Der 11. Bundesliga-Spieltag lieferte den Stammtischen in Fußballdeutschland Gesprächsstoff für Tage – angefangen bei der Entlassung des Kölner Trainers Achim Beierlorzer über die Machtdemonstration der Bayern im Topspiel gegen Dortmund bis hin zur Tätlichkeit von Frankfurts David Abraham an Freiburgs Trainer Christian Streich mit anschließenden Jagdszenen im Breisgau. Der 2:0 (1:0)-Arbeitssieg von Bayer 04 beim VfL Wolfsburg wird sich hingegen wohl nicht ins allgemeine Fußballgedächtnis eingebrannt haben. Dennoch brachte der Auftritt der Werkself in Niedersachsen Trainer Peter Bosz eine wichtige Erkenntnis.

„Dass meine Mannschaft Fußball spielen kann, wusste ich. Aber dass sie auch über 90 Minuten so kämpfen kann, macht mich stolz“, sagte der niederländische Coach der Leverkusener. In der Tat schaffte es die zweifelsohne offensivbegabte Mannschaft aus dem Rheinland bei den nun seit sieben Partien sieglosen Wolfsburgern kaum, Spielfluss herzustellen und leistete sich mit 125 Fehlpässen zudem so viele, wie in keinem anderen Liga-Spiel zuvor. Dass Bayer dennoch als Sieger aus dem Duell der Werksklubs hervorging, hatte an diesem Sonntagnachmittag mehrere Gründe.

Da wäre zum einen die Entstehung des 1:0. Karim Bellarabi setzte sich nach 25 Minuten mit Glück und Geschick gegen mehrere Wolfsburger durch und vollendete seinen Sololauf zum Führungstreffer. Etwas glücklich war freilich auch, dass der Unparteiische Manuel Gräfe einen vorausgegangenen Schubser des 29-Jährigen an Marcel Tisserand als nicht ahndungswürdig erachtete und weiterspielen ließ.

Mit Beginn des zweiten Spielabschnitts, in dem insgesamt ideenlose Wolfsburger auf den Ausgleich drängten, waren es dann die Zweikampf- und Antizipationsstärke eines erneut herausragenden Sven Benders, die hervorstachen. Der 30-jährige Abwehrchef entschärfte viele brenzlige Situationen und ging mit seinem Willen voran. Innenverteidigerkollege Jonathan Tah sprach nach dem Schlusspfiff von „Männerfußball“, den Bayer gezeigt habe. Was er damit meinte, dürfte klar sein: Leverkusen spielte nicht gut, warf sich aber in jedes Duell, als wäre es das letzte – und feierte schließlich verdient den ersten Liga-Sieg seit dem 3:0 Ende September in Augsburg.

Ein weiterer Faktor für den „Dreier“ waren zudem die Einwechselspieler. Julian Baumgartlinger spielte als Sechser solide. Moussa Diaby, der zur Pause den leicht angeschlagenen Bellarabi ersetzte, sah so viele Minuten wie nie zuvor im Bayer-Trikot und stellte die VfL-Verteidiger mit seiner Geschwindigkeit vor Schwierigkeiten. Paulinho gelang in der Nachspielzeit zudem sein erster Treffer in der Bundesliga für den Werkskub.