Bayer 04 Leverkusen: Sportdirektor Simon Rolfes steht vor seiner Reifeprüfung

Leverkusener Sportdirektor : Rolfes vor seiner Reifeprüfung bei Bayer 04

Seit acht Monaten ist Simon Rolfes nun Sportdirektor bei Bayer 04 Leverkusen. Der Kader trägt zunehmend seine Handschrift.

Simon Rolfes ohne Smartphone in der Hand – das ist auch in den österreichischen Alpen ein seltenes Bild. Es liegt in der Natur seines Jobs, quasi nonstop erreichbar und online zu sein. Entsprechend ruhelos verlief der Sommer für ihn. „Bislang hatte ich noch keinen Urlaub, aber das ist kein Problem“, sagt der Sportdirektor von Bayer Leverkusen. Zu spannend sei die Aufgabe, den Champions-League-Teilnehmer voranzubringen.

Die ersten acht Monate seiner Amtszeit waren ereignisreich. In der Winterpause trennte sich der Verein nach langem Hin und Her von Trainer Heiko Herrlich und ersetzte ihn durch Peter Bosz. Der Niederländer führte die Werkself als drittbestes Team der Rückrunde von dem neunten auf den vierten Platz. „Es war eine intensive Zeit, die gefühlt gerast ist. Wir haben viel bewegt“, sagt Rolfes, der zehn Jahre für Bayer 04 spielte und in 288 Bundesligaspielen 41 Tore für den Klub erzielte. 2015 beendete er seine aktive Laufbahn. Dem 26-maligen Nationalspieler war früh klar, dass es ihn ins Management zieht. „Das langfristige, strategische Denken und die Möglichkeit, Dinge zu entwickeln, haben mich daran besonders interessiert“, sagt er. Die grobe Richtung für die Zeit nach seiner Profikarriere sei daher klar gewesen, „aber ich konnte natürlich nicht genau planen, wie es sich letztendlich entwickelt hat“, betont Rolfes.

Neben seiner Tätigkeit als TV-Experte war er unter anderem Geschäftsführer des Unternehmens GoalControl, das sich auf kamerabasierte Torlinientechnik spezialisiert hat. Zudem schloss er das Uefa-Studium „Executive Master for International Players“ ab, das ehemalige Profis auf eine Karriere im Management vorbereitet. Im Juli 2018 wurde Rolfes Leiter für Jugend und Entwicklung bei Bayer 04, im Dezember übernahm der 37-Jährige von Jonas Boldt den Posten des Sportdirektors.

Sein erster Transfer war gleich mit einem Ausrufezeichen versehen. Kerem Demirbay kam für 32 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim  – der mit Abstand teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte. Doch der 37-Jährige betont, dass seine Aufgabe aus mehr als dem bloßen Im- und Export von Spielern besteht. „In der vergangenen Rückrunde hatten wir keine Zugänge und trotzdem ist einiges passiert“, sagt Rolfes. Es gehe in seiner Position auch darum, bereits vorhandene Spieler bestmöglich zu entwickeln.

Dennoch trägt der Kader der Werkself durch die Zugänge zunehmend seine Handschrift. Neben Demirbay sind der extrem antrittsschnelle Franzose Moussa Diaby und in Daley Sinkgraven endlich ein zweiter Linksverteidiger neben Wendell neu im Team. U21-Nationalspieler Nadiem Amiri soll zudem noch für das offensive Mittelfeld aus Hoffenheim kommen. Es gibt mehrere Interessenten, doch Leverkusen hat abgesehen von Demirbay, der ein guter Freund Amiris ist, ein weiteres gewichtiges Argument: die Champions League.

Simon Rolfes. Foto: dpa/Marius Becker

Dass Kai Havertz trotz kolportierter Angebote nahe der dreistelligen Millionengrenze zumindest noch ein Jahr gehalten wird, sagt ebenfalls viel über die Ambitionen des Klubs des Sportdirektors aus. „Ich glaube, dass wir eine Mannschaft haben, die dem Trainer viele Varianten ermöglicht – für die Spielart und was die Spielertypen angeht. Wir sind noch variabler geworden“, sagt Rolfes. Der Subtext: Mit Bayer Leverkusen ist zu rechnen.

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