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Bayer 04 Leverkusen: So lief das Trainingslager unter Gerardo Seoane

Fünf Eindrücke : So lief Bayers erstes Trainingslager unter Seoane

Gerardo Seoane hat sich während Bayer Leverkusens Woche in den Alpen als abgeklärter Kommunikator präsentiert, der viel Wert auf Disziplin legt. Der Schweizer zieht nach dem Trainingscamp in Österreich ein positives Fazit.

Das achte Sommertrainingslager der Werkself im Salzburger Land ist Geschichte. Acht Tage bereitete Bayers neuer Coach Gerardo Seoane seine Mannschaft vor traumhafter Kulisse in den österreichischen Alpen auf die in zwei Wochen mit dem Pokalspiel bei Lokomotive Leipzig beginnende Saison vor. Während Tief „Bernd“ die Pläne des Trainerstabs in den ersten Tagen durcheinanderwirbelte, schufteten die Profis aus Leverkusen ab dem dritten Trainingstag bei brütender Hitze. Eindrücke einer intensiven Woche.

Der Trainer Die Eine-Training-pro-Tag-Regel unter dem Bayer-Kreuz gilt nicht mehr. Im Gegensatz zu Peter Bosz, der auch in den Trainingslagern auf lediglich eine Einheit pro Tag setzte, bittet Seoane sein Team nun wieder zwei Mal täglich auf den Rasen. Auf diesem präsentiert sich der 42-Jährige als guter Kommunikator, der seine Profis sowohl geistig als auch physisch fordert. Seine Ansagen formuliert der Schweizer wahlweise auf Deutsch oder Englisch. In den vielen Einzelgesprächen, für die er eine Übung auch gerne mal unterbricht, kommt sein Sprachtalent erst recht zum Tragen. Moussa Diaby wird auf französisch gelobt, Wendell auf portugiesisch dirigiert und Lucas Alario auf spanisch instruiert. Das kommt beim international aufgestellten Team freilich gut an.

Der ehemalige Coach der Young Boys aus Bern strahlt darüber hinaus eine natürliche Autorität aus. Disziplin ist ihm wichtig. Ein Beispiel: Als Paris-Zugang Mitchell Bakker und Diaby für den Social-Media-Auftritt des Werksklubs nach einer Trainingseinheit das 50-Meter-EM-Tor von Patrik Schick nachstellen sollen, und sie dafür mehr Versuche benötigen, als vom Trainer zugestanden, ordnet Seoane an, ohne die beiden im Mannschaftsbus zurück zum Teamhotel zu fahren. Bei seiner didaktischen Herangehensweise profitiert er von seiner Zeit beim FC Luzern, wo er rund sechs Jahre im Nachwuchsbereich gearbeitet hat.

 Top-Talent Zidan Sertdemir im Zweikampf mit dem erfahrenen Kerem Demirbay (r.). Im Hintergrund verfolgt Florian Wirtz das Geschehen auf dem Rasen.
Top-Talent Zidan Sertdemir im Zweikampf mit dem erfahrenen Kerem Demirbay (r.). Im Hintergrund verfolgt Florian Wirtz das Geschehen auf dem Rasen. Foto: Bayer 04 Leverkusen/Jörg Schüler

Die Führungsspieler Auch wenn in Zell am See/Kaprun noch mehrere Stammkräfte fehlten, waren doch einige Profis mit Führungsanspruch dabei. Seoane nannte konkret Lukas Hradecky, Jonathan Tah, Kerem Demirbay, Florian Wirtz und Moussa Diaby als Spieler, die das Grundgerüst der neuen Werkself bilden sollen. Auch mit Julian Baumgartlinger, dem mit 33 Jahren ältesten Profi im Kader, hat der Werkself-Coach bereits über eine Führungsrolle im Team gesprochen.

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Mit dem im Trainingslager gezeigten Leistungen jener Profis war Seoane zufrieden. Alle seien „sehr aktiv“ und würden versuchen, das unter anderem durch die Abgänge der Bender-Zwillinge entstandene Machtvakuum innerhalb des Teams zu füllen. Der Lärmpegel beim Training sei gestiegen, es gebe mehr Kommandos und mehr Initiativen. Auch Demirbay und Co. untermauerten mit ihren Aussagen, sich der veränderten Ausgangssituation bewusst zu sein.

Die Neuen Bayers 24-Millionen-Euro-Plus-x-Transfer Odilon Kossounou (FC Brügge) stößt erst am Montag zum Team. In Zell am See/Kaprun waren Linksverteidiger Mitchel Bakker und Torwart Andrej Lunev damit die einzigen Zugänge. Bakker beeindruckte während der Einheiten in Österreich mit einer beachtlichen Physis, Zweikampfhärte und Offensivdrang. Dem Paris-Zugang (sieben Millionen Euro) mangelt es weder auf noch neben dem Platz an Selbstbewusstsein.

Lunev, der sich durch seinen Wechsel in die Bundesliga einen Karrieretraum ermöglicht hat, überzeugte derweil mit einigen starken Paraden. Durch seine Verpflichtung sollte Bayer besser als zuletzt für etwaige Ausfälle von Hradecky gerüstet sein.

Die Youngster Dass Zidan Sertdemir über außergewöhnliches Talent am Ball verfügt, zeigte er beim Training im Alois-Latini-Stadion des FC Zell am See. Körperlich muss der erst 16-jährige Däne freilich noch zulegen, verfügt mit 1,83 Metern aber bereits über eine stattliche Größe für einen Mittelfeldspieler. Sollte sich das Top-Talent, das vor der Saison vom FC Nordsjaelland kam, weiter so rasant entwickeln, sind Einsätze bei den Profis schon in dieser Saison nicht abwegig. Wirtz und Havertz haben es in den vergangenen Jahren vorgemacht. Die Klubverantwortlichen sind allerdings verständlicherweise darum bemüht, die Erwartungen zu bremsen. Sertdemir soll zunächst in der U19 auflaufen, aber bei den Profis mittrainieren.

Auch die weiteren mitgereisten Jugendspieler des Werksklubs, Joshua Eze, Sadik Fofana, Ayman Aourir, Christian Schwieren und Leon Pesch zeigten, dass sie kicken können.

Das Testspiel Zum Abschluss des Trainingscamps trennte sich Bayer 04 in Wattens torlos vom Ligakonkurrenten SC Freiburg. Beide Teams erarbeiteten sich mehrere hochkarätige Chancen, um die Partie zu entscheiden, zielten aber letztlich zu ungenau. Positiv aus Bayers Sicht war vor allem die defensive Absicherung nach Ballverlusten. In den verbleibenden Tests gegen den FC Utrecht (Mittwoch, 16 Uhr) und Celta Vigo (Samstag, 16 Uhr) gehe es laut Seoane nun darum, weiter in den Spielrhythmus zu finden sowie „mehr Kreativität und mehr Lösungen“ auf den Platz anzubieten.