Bayer 04 Leverkusen: So lief das Trainingslager in Zell am See/Kaprun

Abschluss des Trainingslagers : So lief Bayers Woche in den Alpen

Die Mannschaft von Trainer Peter Bosz ist nach einer knappen Woche in Österreich wieder in Leverkusen. Ein Fazit.

Nein, „optimal“ ist nicht das Wort, das Peter Bosz wählt, um die Bedingungen in Zell am See/Kaprun zu beschreiben. Der 55-Jährige bemängelte bei mehreren Gelegenheiten, dass der Trainingsplatz nicht direkt neben dem Mannschaftshotel „Tauern Spa“ sei. Auf dem Weg zu den Nachmittagseinheiten steckte der Bus der Werkself bisweilen im zähflüssigen Berufsverkehr fest – und so wurden aus eigentlich wenigen Minuten Anfahrt schnell 15 oder 20. „Das war ein bisschen schwierig“, sagte Bosz.

Von Sonntag bis Sonntag weilte der Champions-League-Teilnehmer aus Leverkusen in Österreich. Dabei gaben sich Kai Havertz, Kerem Demirbay, Kevin Volland und Co. als für Fans und Zuschauer nahbare Stars zum Anfassen, erfüllten Autogrammwünsche und nahmen sich Zeit für Selfies. Bayer 04 dürfte damit erneut Sympathiepunkte gesammelt haben. Zum siebten Mal in Folge bereitete sich das Team in den Alpen auf die Saison vor. Aus der langjährigen Zusammenarbeit sind derweil viele Freund- und Bekanntschaften entstanden. Man kennt und schätzt sich. Für das Salzburger Land ist es eine werbewirksame Kooperation und der Bundesligist fühlt sich in der 10.000-Seelen-Gemeinde am pittoresken Zeller See wohl – abgesehen vielleicht von von der kleinen Hotel-Trainingsplatz-Problematik.

Die will Bosz freilich nicht als einziges Kriterium für ein gelungenes Trainingslager gelten lassen. Ihm ist vor allem ein Dreiklang wichtig: „Wir brauchen gute Plätze, die Spieler müssen gut schlafen können und das Essen muss gut sein.“ Diese Punkte seien absolut erfüllt worden. Sinn und Zweck der alpinen Woche war freilich das Trainieren. Bergwanderungen gab es nicht, auch keine Fahrradtour und erst recht kein klassisches Konditionsgebolze – im Gegenteil: Die Tatsache, dass Bosz bis auf eine Ausnahme nur einmal pro Tag trainieren ließ, löste bei Beobachtern Erstaunen aus.

Bereits während seiner Zeit in Dortmund wurde geunkt, dass der Coach zu wenig trainieren lasse. Der will diese Kritik indes nicht gelten lassen und betont, die Vorbereitung auf die kommende Saison mit einem genauen Plan anzugehen. „Einmal 100 Prozent sind besser als zwei Mal 50 oder sogar 60 Prozent“, betonte er. Je intensiver das Training sei, desto besser. Bosz will seinen Spielern aber auch Zeit zur Regeneration einräumen. Behutsam soll sich der Schwierigkeitsgrad erhöhen. „Ich habe keine Angst, dass meiner Mannschaft Kondition fehlt. Ich glaube, dass wir in der vergangenen Rückrunde gezeigt haben, dass gerade das eine unserer Stärken war.“ Verletzungsvermeidung sei indes eines der obersten Gebote. Seine Rechnung: Die Nettospielzeit in der Bundesliga liegt irgendwo bei knapp 58 von 90 Minuten pro Partie. Den Rest nehmen Unterbrechungen und Verzögerungen von der Uhr – für Bosz sind das Ruhephasen. Das bezieht er ebenso in seine kumulative Trainingsidee ein, wie tägliche taktische Schulungen oder die beinahe schon obligatorischen Pass- und Spielformen. Ohnehin wird sehr viel mit Ball trainiert.

Den Spielern gefällt die Herangehensweise. „Er ist ein wirklich guter Trainer und es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten“, sagt Sven Bender, der auch die klare Ansprache schätzt. „Wenn ihm etwas nicht passt, sagt er das – und das kommt dann schon sehr deutlich rüber.“ Torwart Lukas Hradecky sieht „etwas Besonderes“ in der Methode von Bosz und sagt: „Man muss immer ein bisschen anders ticken als die breite Masse. Daraus können wir einen eigenen Stil entwickeln.“

Das war in Österreich bereits sichtbar – auf und neben dem Platz.

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