Bayer 04 Leverkusen: Sieg bei RB Leipzig war ein Fußballfest

Bayers Sieg in Leipzig: Dauerwerbesendung für die Bundesliga

Das Duell zwischen RB Leipzig und Bayer Leverkusen am Montagabend war ein Boykottspiel, das unverhofft zu einem Fußballfest avancierte. Prädikat: sehenswert.

Bereits in der Halbzeit hatte TV-Experte Matthias Sammer genug gesehen — im positiven Sinn. "Das war Werbung für den Fußball", schwärmte er von der hochunterhaltsamen Begegnung zwischen Leipzig und Leverkusen. Da stand es noch 1:1, aber es hätte nach 45 Minuten auch 3:3 stehen können.

Dass in der Schlussphase ein 4:1 für die Gäste aus dem Rheinland auf der Anzeigetafel stand, trübte die Stimmung in der Arena kaum. Die Fans feuerten ihr Team weiterhin an. "Dass die Fans bei diesem Spielstand die Mannschaft und den Verein feiern, kommt nicht in vielen Stadien vor", kommentierte Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl die Atmosphäre.

Die war für eine Partie, die eigentlich zum Boykottspiel ausgerufen war, tatsächlich überraschend gut. Vielleicht ließen sich die rund 35.000 Zuschauer auch einfach von der Dramaturgie des Abends mitreißen — und von der Tatsache, dass sich ihr Team trotz des klaren Rückstandes nie aufgab. Es ging munter hin und her bei diesem offenen Schlagabtausch, in dem beide Teams Vollgas nach vorne gaben.

Dennoch wurde auch sichtbar, wie tief die Fanszene gespalten ist. Montagsspiele sind bei vielen verhasst. Als Protestaktion wollten die Anhänger von RB 45 Minuten schweigen, doch davon war nicht viel zu hören. Längst nicht alle Fanklubs wollten sich der Aktion anschließen. Trillerpfeifenlärm, Pfiffe und Gesänge gegeneinander waren mitunter das Resultat.

Nur wenige Leverkusen-Fans in Leipzig

Im Gästeblock herrschte indes gähnende Leere. Die organisierten Fans von Bayer 04 hatten bereits vor Wochen angekündigt, die lange Reise nach Leipzig nicht antreten zu wollen. So bejubelten Julian Brandt und Co. ihre vier Treffer gegen den direkten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze vor einer Kurve, in der sich nur ein paar versprengte Rot-Schwarze eingefunden hatten.

"Von Leverkusen nach Leipzig ist ein weiter weg. Ich kann verstehen, dass sich viele Zuschauer dagegen auflehnen", sagte Kapitän Lars Bender. Die Verkomplizierung von Auswärtsfahrten ist ein Argument der Fans, die Spiele am Montag abzulehnen. Für die Spieler sei der Spieltermin aber ebenso suboptimal, so der 28-Jährige: "Alle anderen haben schon gespielt und du musst ellenlang warten. Auch für uns ist das ein ungewohnter Rhythmus, aber es ist wie es ist." Es gebe ja auch gute Gründe für die Montagsspiele.

Einer davon ist die Entlastung von Europa-League-Teams, die donnerstags international spielen müssen ­— so wie RB Leipzig, das seinen 1:0-Sieg im Hinspiel nun bei Olympique Marseille mit dem Halbfinaleinzug vergolden will (21.05 Uhr).

Ob das Spiel ebenfalls Marketing für den deutschen Fußball wird, bleibt indes abzuwarten. Für Leverkusens Galavorstellung in Leipzig gilt das aber allemal — egal, ob live im Stadion oder daheim am Bildschirm. Und es entbehrt freilich nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die beiden bei Traditionalisten ungeliebten "Konzernvereine" für die attraktive Dauerwerbesendung verantwortlich waren.