Bayer 04 Leverkusen schießt Hamburger SV aufs Abstiegsgleis

HSV - Leverkusen 1:2: Leverkusen schießt Hamburg auf das Abstiegsgleis

Der 2:1-Sieg der Werkself in der Hansestadt bringt wichtige Punkte im Kampf um die Champions League. Beim HSV manifestiert sich hingegen die Angst, kommende Saison nur noch zweitklassig zu sein.

Für den Hamburger SV hatte die Partie gegen Bayer 04 angesichts von bereits sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz besondere Bedeutung im Abstiegskampf. Immerhin gilt es für die Hanseaten, die seit dem Start der Bundesliga tickende Uhr im Stadion auch 2019 am Laufen zu halten. Inzwischen läuft sie im 54. Jahr. Der HSV ist bis heute der einzige Verein, der noch nie aus der Bundesliga abgestiegen ist. Doch dem letzten "Dino" droht mehr denn je das Aussterben, denn Leverkusen nimmt nach dem 2:1 (1:0)-Sieg die Punkte mit ins Rheinland.

Den ersten Ausfall hatte Trainer Heiko Herrlich schon vor der Partie zu beklagen. Innenverteidiger Jonathan Tah reiste mit einer Grippe kurzfristig wieder ab. Tin Jedvaj kam so zu seinem ersten Pflichtspieleinsatz in dieser Saison – und das gleich von Beginn an. Ansonsten stellte der 46-Jährige Coach im Vergleich zum 0:2 gegen Hertha BSC Berlin auf vier weiteren Positionen um: Anstelle von Benjamin Henrichs, Julian Baumgartlinger, Karim Bellarabi und Lucas Alario begannen Wendell, Charles Aránguiz, Leon Bailey und Kai Havertz, der von seiner Wurzelbehandlung am Donnerstag rechtzeitig genesen ist.

Die Partie begann gemächlich. Erstmals lauter wurde es auf den Rängen, als Filip Kostic einen schönen Sololauf hinlegte, flach an die Strafraumgrenze zu Jann-Fiete Arp passte, der allerdings in den Rasen statt gegen den Ball trat (5.). Bayers direkte Antwort war eine vertändelte Chance von Dominik Kohr. Abgesehen davon spielte sich das Geschehen zunächst eher zwischen als in den jeweiligen Strafräumen ab.

Ein Aufreger war das Foul von Mergim Mavraj an Leverkusens Wendell, der minutenlang behandelt werden musste. Im Lager der Werkself war im Vorfeld der Begegnung die Sorge groß, dass es in Hamburg "ordentlich auf die Socken" geben würde, wie Julian Brandt es formulierte. Felix Brych zückte früh die Gelbe Karte und machte nicht nur Mavraj damit klar: bis hier hin und nicht weiter (10.). Das galt allerdings auch für Wendell. Der Brasilianer musste ausgewechselt werden (16.). Verdacht: Fußverletzung. Benjamin Henrichs ersetze ihn.

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Danach versank die Partie wieder in ihre anfängliche Tristesse. Optisch war die Werkself zwar überlegen, aber mehr als ein harmloser Abschluss von Kevin Volland sprang dabei vorerst nicht heraus (22.). Besser war da schon der Kopfball von Aránguiz, der eine Havertz-Flanke nur knapp neben den Pfosten setze (25.). Kurz danach war es der 18-Jährige selbst, der vergeblich Richtung HSV-Tor köpfte (29.). Auch Henrichs Versuch aus der Distanz brachte nichts Zählbares ein (30.). Hamburg kam seinerseits durch einen verstolperten Pseudo-Volley von Arp zu einer, naja, "Chance" (31.).

Ein katastrophaler Fehler von Douglas Santos, der eine eigentlich harmlose Hereingabe von Kohr annehmen wollte und dabei wirklich alles falsch machte, was falsch zu machen war, brachte die Führung für die Gäste. Bailey lauerte im Windschatten des Hamburgers geradezu auf den Fehler, spitzelte ihm frech den Ball weg, umkurvte Christian Mathenia und schob lässig ein (40.). Fußball-Fachsimpler würden wohl von dem "perfekten Moment für das 1:0" sprechen. Nebenbei: Es war das erste Tor der Werkself in der Hansestadt seit vier Jahren.

Noch perfekter war der Moment des 2:0 für Leverkusen: Kurz nach dem Wiederanpfiff erzielte Havertz nach einer schönen Hereingabe von Henrichs aus etwa sieben Metern das vorentscheidende Tor (50.). Im Anschluss kamen die Gäste aus dem Rheinland noch zu einigen guten Chancen und der HSV mühte sich nach Kräften, die Pleite zu verhindern. Bobby Woods Seitfalllzieher parierte Bernd Leno (65.), die artistische Einlage sorgte nur für ein Raunen in der Nordkurve, nicht aber für Jubel.

Ganz anders die Lage beim 1:2 durch André Hahn: Der eingewechselte Hamburger tauchte nach einem Steilpass plötzlich frei vor Leverkusens Schlussmann auf und vollendete sicher zum Anschlusstreffer (71.). Jetzt war plötzlich richtig Musik drin und die stärkste Phase des HSV nahm ihren Lauf. Bayer 04 überstand aber das Aufflackern der Gegenwehr unbeschadet und fährt mit drei Punkten im Gepäck nach hause.

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(dora)