Bayer 04 Leverkusen: Rudi Völler lobt Kai Havertz für Umgang mit Spuck-Attacke

Er blieb ganz cool : Völler lobt Havertz für Umgang mit Spuck-Attacke

Der knappe Sieg in Stuttgart hat Leverkusens Negativtrend gestoppt. Den Tiefpunkt der Partie lieferte aber Santiago Ascacibar, der Kai Havertz kurz vor dem Schlusspfiff anspuckte – eine Erfahrung, die auch Bayers Sportgeschäftsführer bei der WM 1990 gemacht hat.

Das Spiel lag in den letzten Zügen, als Santiago Ascacibar die Sicherungen durchbrannten. Nach einer eigentlich nicht erwähnenswerten Szene bespuckte der Stuttgarter seinen Gegenspieler Kai Havertz, langte dem 19-Jährigen ins Gesicht und sah dafür völlig zurecht die Rote Karte. Das und die folgende Rudelbildung war der emotionale Schlusspunkt einer hitzigen Schlussphase, die trotz aller Bemühungen des VfB mit einem 1:0-Sieg für die Werkself endete.

Es war ein extrem wichtiges Erfolgserlebnis für Leverkusen an Rudi Völlers 59. Geburtstag. Entsprechend erleichtert zeigte sich der Sportgeschäftsführer von Bayer 04 nach den 90 umkämpften Minuten in Stuttgart. „Das ist gut für die Tabelle, unser Selbstvertrauen und schärft die Sinne für das Spiel gegen Nürnberg am kommenden Samstag“, sagte der Weltmeister von 1990, der selbst einst Opfer einer inzwischen beinahe schon legendären Spuck-Attacke wurde.

Die Szene, in der sein niederländischer Gegenspieler Frank Rijkaard bei der WM in Italien Völler in die Haare spuckte, hat sich längst in das kollektive Gedächtnis des Weltfußballs eingebrannt. „So was macht man nicht. Ich habe mit Kai gesprochen und ihm erklärt, wie das damals bei mir war. Er ist ein Spieler, der in den kommenden Jahren noch sehr oft provoziert werden wird. Dass er nicht die Nerven verloren hat, ist das Wichtigste“, sagte der 59-Jährige.

Das gilt auch für den Elfmeter, den der 19-Jährige in seinem 100. Pflichtspiel für Bayer 04 mit bemerkenswerter Sicherheit zum Endstand verwertete (64.). Das nötigte auch Trainer Peter Bosz ein Sonderlob ab: „Er ist ein außergewöhnlich talentierter Spieler, der aber auch noch viel lernen muss“, betonte der Niederländer. „Ich habe mit 36 Jahren mit Fußball aufgehört, aber da war ich noch nicht so ruhig bei einem Elfmeter."

Für den 55-Jährigen war der Sieg extrem wichtig. Zuvor hatte seine Mannschaft teils spektakulär, teils desolat drei Mal in Folge verloren und 4:11 Tore kassiert. Insofern ist die defensive Stabilität und das erkämpfte Erfolgserlebnis gegen die Schwaben als Fortschritt zu werten. „Es war nicht einfach für uns, aber wir haben es gut gemacht. Das ist ein sehr gutes Ergebnis für uns“, sagte Bosz, der mit seinem Team im Rennen um einen Europa-League-Platz wieder voll mitmischt.

Seine Spieler sahen das ähnlich, übten aber teils harsche Kritik an Ascacibar. Havertz selbst wollte sich nach dem Spiel nicht dazu äußern. Torhüter Lukas Hradecky regte an, den Argentinier bis zum Saisonende zu sperren, Kevin Volland betonte, dass der Stuttgarter bereits in der ersten Halbzeit auffällig provokant unterwegs war. „Er wird selber merken, dass er damit seiner Mannschaft geschadet hat. Aggressivität ist ja schön und gut, aber Spucken ist natürlich etwas, auf das ich niemals kommen würde“, sagte der Torjäger. Julian Brandt reagierte mit der ihm eigenen Schlitzohrigkeit auf die Attacke gegen seinen Teamkollegen und Kumpel: „Wenn ein Spieler zu einer solchen Maßnahme greifen muss, hat Kai in den 90 Minuten davor wohl alles richtig gemacht."

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