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Bayer 04 Leverkusen: Roger Schmidt auf die Tribüne verbannt

Bayer Leverkusen : Bayer 04: Schmidt auf die Tribüne verbannt

Angeblich soll der Trainer unflätig geschimpft haben. Beim 1:2 in Bremen erlebt er den Schlusspfiff nicht auf der Bank.

Zunächst schaute Roger Schmidt etwas ungläubig. Doch bevor er ernsthaft Gehör fand, hatte Schiedsrichter Peter Sippel mit seiner Handbewegung Richtung Tribüne bereits gezeigt, wo es für Schmidt hingeht. Bayers Trainer musste sich die letzten 25 Minuten in Bremen von der Tribüne aus ansehen. Warum, das wusste er selbst nicht so recht. "Ich habe vor mich hingeschimpft, habe niemanden angegriffen oder beleidigt, geschweige denn die Coaching-Zone verlassen. Ich dachte, dass man das noch darf", erklärte der 47-Jährige.

Zumindest gute Sicht hatte Schmidt ab diesem Zeitpunkt. Vielleicht sogar eine bessere als am Spielfeldrand, um die Leistung seiner Mannschaft zu analysieren. Was er gesehen hat, konnte ihn nicht zufrieden stimmen. Im Spiel der Werkself fehlten Struktur und Ideen gegen einen Gegner, der aktuell zwar im Aufwind ist, aber personell doch keineswegs mit dem Kader von Bayer 04 mithalten kann. Das wunderbar herausgespielte 1:0 der Bremer durch Davie Selke erkannte auch Schmidt neidlos an, dessen Wunsch es doch eigentlich ist, selbst solche Kontertore zu erzielen. Dass Zlatko Junuzovic Freistöße wie den zum 2:0 schießen kann, ist ebenso hinlänglich bekannt. Zuvor hatte Keeper Bernd Leno bereits Schlimmeres verhindert, als er den Kopfball von Theodor Gebre Selassie gerade noch aus dem Winkel fischte.

Geburtstagskind Hakan Calhanoglu erzielte kurz vor der Pause mit seinem (allerdings) einzigen fußballerischen Lebenszeichen den 1:2-Anschlusstreffer, und weckte sein Team damit - so schien es - rechtzeitig wieder auf. Denn nach der Pause war Leverkusen wie ausgewechselt und hatte in starken 30 Minuten alle Chancen, die Partie mindestens mit einem Punkt zu beenden - geschweige denn sie sogar zu gewinnen. Die Werkself drückte - auch weil der eingewechselte Heung-Min Son die Offensive kräftig belebte. Mehr als ein Pfostenschuss von Stefan Kießling kam aber nicht dabei heraus. "Wir spielen vor dem Tor zu kompliziert", erklärte Rudi Völler.

Geschäftsführer Michael Schade legte den Finger noch tiefer in die Wunde. "Aufgrund der zweiten Hälfte hätten wir einen Punkt verdient gehabt", sagte Schade. "In der ersten Hälfte wurden wir aber mit einfachen Mitteln vorgeführt", entgegnete er. Kießlings vergebene Torchance mag letztlich mit dazu beigetragen haben, dass Schmidt schließlich so vor sich hinfluchte, und aus einem Irrtum heraus auf die Tribüne verbannt wurde. Was ihn aber am meisten ärgerte: "Wir hatten den Glauben daran und die Möglichkeiten, die Partie drehen zu können. Wieder einmal haben wir es aber nicht geschafft."

(RP)