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Bayer 04 Leverkusen: Robert Andrich geht für die Werkself voran

Torschütze und Antreiber : Andrich geht für die Werkself voran

Der gebürtige Potsdamer spielt trotz Schmerzen weiter und leitet durch sein Tor kurz nach dem ersten vergebenen Strafstoß den Sieg in Gladbach ein. „So leidenschaftlich habe ich uns lange nicht gesehen“, sagt der 27-Jährige.

Der Tritt von Lars Stindl sah nicht nur schmerzhaft aus, sondern war es sicher auch. Kurz vor dem Halbzeitpfiff stieg der der Gladbacher seinem Leverkusener Kontrahenten Robert Andrich unabsichtlich auf die Achillessehne. Fans und Verantwortliche befürchteten bereits eine schlimme Verletzung beim ehemaligen Berliner. Andrich jedoch kehrte für die zweiten 45 Minuten zurück auf den Rasen, erzielte prompt das Führungstor und leitete damit den 2:1-Auswärtssieg im Borussia-Park ein. „Es ist ein bisschen rot und ein bisschen blau, aber nichts allzu Dramatisches“, sagte der 27-Jährige mit Blick auf seinen lädierten Fuß. Seinem Naturell entsprechend merkte er an: „Ist nur eine Fleischwunde.“

Der Mittelfeldmotor steht symbolisch für eine Werkself, die sich am Niederrhein auch von mehreren Negativerlebnissen binnen der 90 Minuten nicht vom Weg abbringen ließ und somit verdient die drei Punkte mit nach Hause nahm. Andrich selbst verbuchte in der Anfangsphase zwei schwache Abschlüsse: Beim ersten Versuch traf er den Ball nicht richtig, beim zweiten jagte er das Spielgerät weit über das von Yann Sommer gehütete Tor. Bezeichnend war dann aber, wie er trotz Verletzung weiter anlief und sich durch den Treffer zum 1:0 nach einem Eckball selbst belohnte (51.).

Das Tor war in doppelter Hinsicht wertvoll für den Werksklub. Nicht nur hatte Andrich den Führungstreffer für die Gäste erzielt, sondern zugleich die Erinnerung an den unmittelbar zuvor verschossenen Elfmeter von Patrik Schick auf Anhieb verblassen lassen. Im Sport wird häufig von psychologisch wichtigen Zeitpunkten für einen Torerfolg gesprochen. Ein Treffer, der in Folge eines vergebenen Foulelfmeters fällt, ist wohl ein Paradebeispiel für einen solchen Moment. Zeit, über die vertane Möglichkeit nachzudenken, blieb der Werkself so nicht.

Andrich war aber freilich nicht der einzige Bayer-Profi, der im Borussia-Park überzeugte. Leverkusen verteidigte im Kollektiv stark und ließ nur wenige wirklich gefährliche Abschlüsse der Gladbacher zu. Auch Offensivspieler wie Schick halfen fleißig in der Defensive aus, unterstützten etwa die Außenverteidiger beim Doppeln oder bei den Standardsituationen. Abwehrchef Jonathan Tah spielte nach einem Foul an Breel Embolo, in dessen Folge er die Gelbe Karte gesehen hatte, mehr als 60 Minuten vorbelastet. Der 25-Jährige agierte im weiteren Spielverlauf bemerkenswert umsichtig, ohne dabei in den Zweikämpfen an Schärfe zu verlieren.

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Auch Florian Wirtz wurde seinem Ruf als das Top-Talent unter dem Bayer-Kreuz mal wieder mehr als gerecht. Der 18-Jährige arbeitete sich vorbildlich in die Partie und war an unzähligen gelungenen Offensivaktionen beteiligt. Zudem schlug er die Ecke, die Andrich zum Führungstreffer verwandelte, und holte drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit den Elfmeter raus, den Kerem Demirbay aber nicht verwerten konnte.

„So leidenschaftlich habe ich uns lange nicht mehr gesehen, was das Coaching und das Mitreißen der Mitspieler angeht. Das war sehr, sehr gut“, lobte Andrich die siegreiche Werkself. Allerdings merkte der Mittelfeldspieler noch im selben Atemzug an: „Ein Spiel reicht leider nicht.“ Der Mannschaft müsse bewusst sein, dass sie den leidenschaftlichen Auftritt in Gladbach nun Woche für Woche bestätigen müsse. „Diese Leistung darf keine Eintagsfliege gewesen sein“, sagte er. „Das war ein wichtiger Schritt, aber wir sind noch nicht am Ziel.“