Bayer 04 Leverkusen: RB Leipzig legt Schwächen offen

Dritte Pleite in Serie : Bayer kommt nicht vom Fleck

Leverkusen kassiert beim 2:4 gegen RB Leipzig die dritte Niederlage in Serie. Dadurch gerät die Werkself auch im Kampf um die internationalen Plätze ins Hintertreffen.

Sportdirektor Simon Rolfes bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Doch nach dem 2:4 (2:1) der Werkself gegen RB Leipzig brodelte es im Leverkusener. Der Handelfmeter nach Videobeweis gegen Mitchell Weiser, den Schiedsrichter Tobias Welz in der 71. Minute gegeben und der Leipzig zur ersten Führung verholfen hatte, sei ein Witz gewesen, echauffierte sich der 37-Jährige. „Wenn das gepfiffen wird, gibt es bald bei jedem Kontakt einen Elfmeter“, betonte Rolfes.

Die Stimmung unter dem Bayer-Kreuz ist nach der dritten Niederlage in Serie angespannt. Für die Champions League reicht es für den Werksklub wohl auch in dieser Saison nicht. Dabei sprach nach den ersten 45 Minuten noch alles für einen Sieg der Leverkusener. Der glänzend aufgelegte Kai Havertz hatte die Werkself gleich zwei Mal in Führung gebracht. Marcel Sabitzer war auf Seiten der Gäste erfolgreich. Zur zweiten Halbzeit stellte RB-Coach Ralf Rangnick dann auf eine Dreierkette um – und Leverkusen verlor die Kontrolle. Timo Werner, Emil Forsberg und Matheus Cunha drehten die Partie.

Neben dem berechtigten Unmut der Verantwortlichen und Spieler von Bayer über den umstrittenen Strafstoß, der zum 3:2 führte, offenbarte die Mannschaft jedoch erneut eklatante Schwächen in allen Bereichen. Ein Manko, das auch unter Coach Peter Bosz nach wie vor Thema ist, ist die Chancenverwertung: 6,28 Schüsse benötigt die Werkself im Schnitt in dieser Saison, um zum Torerfolg zu kommen. Das ist im Liga-Vergleich nur Mittelmaß.

Kevin Volland spielt eine solide Saison, ist aber mehr ein arbeitender Stürmer denn Vollstrecker. Sein Vertreter Lucas Alario kommt nicht über die Joker-Rolle hinaus und dürfte sich gedanklich schon nach einem neuen Verein umschauen. Nur Volland und Havertz haben in der Liga mehr als fünf Treffer für die Werkself erzielt. „Dass die Ergebnisse zuletzt nicht gut waren, hat auch mit unserer Chancenausbeute zu tun. Auch gegen Leipzig wieder. Wir müssen das 2:0 machen und kassieren im Gegenzug nach einem Konter den Ausgleich. Das passiert uns wirklich zu oft“, betonte Bosz. Innenverteidiger Jonathan Tah pflichtete seinem Trainer bei: „Wir bekommen den Gegner nicht dazu, dass er aufgibt, dass er tot ist. Wir lassen ihn immer ein bisschen am Leben.“

Diese lebenserhaltenden Maßnahmen manifestieren sich bei Bayer auch in Form von mangelndem Abwehrverhalten. Elf Tore kassierte Leverkusen allein in den vergangenen drei Partien. 48 Gegentore insgesamt sind der mit Abstand schwächste Wert aller Teams aus der oberen Tabellenhälfte – und bereits vier mehr als in der gesamten vergangenen Spielzeit. „Das ist viel zu viel, das darf nicht passieren“, sagte Bosz.

Deswegen von seiner Spielidee abweichen will der Niederländer freilich nicht. „Und ich glaube, dass auch die Spieler nicht zweifeln. Wir haben zu Beginn gezeigt, dass wir mit dieser offensiven Spielweise gewinnen, wenige Gegentore bekommen und auch zu Null spielen können.“ Um das Minimalziel Europa League nicht aus den Augen zu verlieren, benötigt Bayer in den verbleibenden sechs Partien dringend Punkte. Am kommenden Samstag ist Leverkusen zu Gast beim VfB Stuttgart, anschließend warten im 1. FC Nürnberg und dem FC Augsburg weitere Gegner aus der erweiterten Abstiegsregion auf den Werksklub. In den letzten drei Partien kommt es zum Wiedersehen mit Frankfurt, Schalke und Berlin.

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