Bayer 04 Leverkusen: Peter Bosz will der Werkself die Ballverluste austreiben

Vorbereitung auf den FC Bayern : Bosz will Bayer die Ballverluste austreiben

Die Fußballphilosophie von Peter Bosz forciert offensives Spektakel, ist aber vor allem bei Fehlern im Spielaufbau hochriskant. Genau da setzt Bayers Trainer in der Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den FC Bayern den Hebel an.

Nach dem 0:1 gegen Mönchengladbach zum Rückrundenstart war Peter Bosz auch mit einem Tag Abstand noch sehr angetan von der Spielweise seiner Mannschaft. In der Aufzeichnung der Partie sei ihm klar geworden, dass Bayer 04 noch besser gespielt habe, als er es live auf der Bank erlebt hätte. Der 3:0-Sieg in Wolfsburg gab dem 55-Jährigen in der Nachbetrachtung indes nur bedingt Anlass zum Schwärmen. „Wir hatten vor allem in der ersten Halbzeit zu viele Ballverluste“, moniert der Niederländer. „Das muss besser werden.“

Mit Blick auf das anstehende Heimspiel gegen den FC Bayern München dürfte das umso mehr zutreffen. Der Rekordmeister wird mit all seiner individuellen Klasse wohl nicht so schludrig mit sich bietenden Konterchancen nach Balleroberungen umgehen, wie es die Wolfsburger über weite Strecken taten. Zudem kostet es viel Kraft, unnötig verlorenen Bällen hinterherzujagen. „Wolfsburg war ein gutes Spiel, aber ich habe viele Dinge gesehen, die besser werden müssen.“ Punkt eins auf der Liste sind die Ballverluste im Spielaufbau.

Die Philosophie des Niederländers forciert attraktives Offensivspiel. Mehr als 40 Abschlüsse erspielte sich die Werkself insgesamt in den beiden Partien unter seiner Regie – eine bemerkenswerte Statistik. Doch auch die defensive Anfälligkeit blitzte immer wieder auf, erst recht beim spielentscheidenden Tor durch Gladbachs Allassane Pléa. Doch auch in Wolfsburg wurde bisweilen sichtbar, wie schnell es gefährlich werden kann, wenn bei weit nach vorne aufgerückten Verteidigern der Ball in den eigenen Reihen verloren geht.

Abgesehen davon scheint es so, als hätte Bosz den Spaß am Fußball zurück nach Leverkusen gebracht. Die Trainingseinheit am Dienstagvormittag legte den Schwerpunkt auf das Spiel mit dem Ball. Unter anderem traten die Profis in zwei Teams gegeneinander an. Schnelle Pässe, clever herausgespielte Abschlüsse unter hohem Druck und intensives Pressing waren zu sehen. Bei aller Ernsthaftigkeit, mit der die Spieler auf dem Rasen unterwegs waren, wurde zum Beispiel bei Gegentoren auch immer wieder geflachst. Überhaupt war die Kommunikation auf dem Platz eine andere als noch vor einigen Wochen unter Heiko Herrlich. Der Sieg in Niedersachsen scheint die Stimmung deutlich aufgehellt zu haben.

Wendell, Charles Aránguiz sowie Lars und Sven Bender trainierten hingegen jeweils nur dosiert oder individuell. Das Quartett ist angeschlagen, aber nicht akut bedroht, für das Spiel am Samstag in der BayArena auszufallen (15.30 Uhr). Dass er mit einem Sieg oder Remis gegen den Tabellenweiten aus München seinem Ex-Verein und Spitzenreiter Borussia Dortmund einen großen Gefallen tun könnte, spielt für Bosz indes nur eine untergeordnete Rolle. „Wenn es möglich ist, dann gerne. In Dortmund arbeiten viele gute Menschen“, sagt der Trainer der Werkself. „Doch wenn wir gewinnen, machen wir das für uns selbst.“

Nach der Partie gegen den Rekordmeister geht es für Bayer 04 Schlag auf Schlag. Am 5. Februar reist das Team im Pokal zum Zweitligisten 1. FC Heidenheim (18.30 Uhr), ehe am folgenden Freitag bereits das Auswärtsspiel in Mainz ansteht (20.30 Uhr). Am 14. Februar geht zudem die K.o.-Phase der Europa League mit der beschwerlichen Reise zum FK Krasnodar nach Russland los (18.55 Uhr) – und drei Tage später kommt Fortuna Düsseldorf nach Leverkusen (18 Uhr). Auch danach reihen sich Englische Wochen aneinander. „Da ist es vor allem wichtig, dass wir uns zwischen den Spielen gut erholen“, betont Bosz. Siege wären dabei sicher hilfreich – nicht nur für die Stimmung.

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