Bayer 04 Leverkusen: Peter Bosz verteilt Sonderlob an die Werkself

Schnelle Fortschritte : Bosz verteilt Sonderlob an die Werkself

Nach der Analyse der 0:1-Niederlage gegen Mönchengladbach ist der Trainer von Bayer 04 sehr angetan von der Leistung seiner Mannschaft. Er sei positiv überrascht, wie gut die Spieler seine Spielidee bereits verinnerlicht hätten.

Ballbesitz, Passquote, Zweikampfbilanz, Laufkilometer, Torchancen – Fußballspiele sind ein Lieferant für allerhand Statistiken. Manch einer sieht in dem Zahlenwerk einen adäquaten Gradmesser dafür, wie gut oder schlecht eine Partie für eine Mannschaft gelaufen ist. Peter Bosz sieht das anders: „Diese Statistiken sagen nichts“, betont der Trainer der Werkself Man könne eine vermeintlich überragende Passquote auch durch das ideenlose Hin- und Herschieben des Balls erreichen. „Diese Zahlen sind vielleicht für die Zuschauer interessant, aber für mich als Trainer nicht.“ Gute Werte seien keine Garantie für Siege in der Bundesliga.

Aber es gibt auch Statistiken, die den 55-Jährigen interessieren. Zum Beispiel die der kurzen Sprints. Über 260 habe die Werkself gegen Mönchengladbach absolviert – ein Topwert. „Meine Spielweise braucht sehr viele kurze Sprints“, erklärt er. „Normalerweise sind wir in engen Räumen in der Spielhälfte des Gegners unterwegs und wenn wir den Ball verlieren, wollen wir ihn gleich wieder zurück.“ Sein Team habe „unheimlich viele“ dieser kurzen Sprints hingelegt. Für Bosz ist das ein Beleg dafür, dass seine Spieler lernfähig und willig sind, sein System umzusetzen. „So etwas habe ich vorher noch nie erlebt. Das heißt, dass die Spieler sehr schnell verstehen, was wir wollen und das aus ihrer Mentalität heraus auch umsetzen.“

Ohnehin war der Trainer in der Nachbetrachtung des Rückrundenstarts angetan von der Leistung der Werkself. Beim erneuten anschauen des Spiels habe er es als noch besser empfunden als live auf der Bank: „Wenn ich ehrlich bin, lief es besser als erwartet.“ Die dringendste Frage nach seinem Amtsantritt sei gewesen, wie lange es wohl dauere, bis er seine Spielidee mit Bayer 04 vollständig umsetzen könne. „Meine Erfahrung ist, dass das ganz unterschiedlich ist“, sagt er. Das könne Wochen oder auch Monate dauern. Nach einem Spiel eine abschließende Meinung zu haben, wie weit sein Team tatsächlich ist, sei unmöglich. „Das muss natürlich bestätigt werden.“

Die nächste Gelegenheit dazu ist am Samstag in Wolfsburg (15.30 Uhr). Gegen den VfL kann Bayer 04 im Erfolgsfall einen großen Schritt nach vorne machen. Die Niedersachsen haben nur vier Punkte Vorsprung. Um mit einem Sieg im Gepäck den Heimweg antreten zu können, müssen allerdings Tore her. Ex-Profi Oliver Neuville, der in 165 Bundesligaspielen für Bayer 04 42 Treffer erzielte und ebenso oft in 153 Partien für Mönchengladbach einnetzte, sieht kein akutes Stürmerproblem bei Bayer 04. „Das neue System bringt mehr offensive Qualität auf den Platz mit den beiden Achtern Julian Brandt und Kai Havertz“, sagt der Vize-Weltmeister von 2002 und spricht seinem ehemaligen Verein Mut zu. „So haben sie mit Karim Bellarabi, Leon Bailey und Kevin Volland fünf Granaten vorne. Ein Spiel wie gegen Gladbach gibt es nur einmal im Jahr. Da wollte einfach kein Tor fallen.“

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