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Bayer 04 Leverkusen: Peter Bosz fährt ohne Druck zum VfB Stuttgart

Auswärts beim Aufsteiger : Bosz fährt ohne Druck nach Stuttgart

Der Trainer der Werkself verspürt nach dem mäßigen Saisonstart keinen Erfolgsdruck – „absolut nicht“, wie er betont. Mit Blick auf das Bundesverdienstkreuz für Thomas Hitzlsperger spricht er homosexuellen Profis Mut zu, sich zu outen.

Als die Lostrommeln in der Uefa-Zentrale in Nyon (Schweiz) von Ciro Ferrara durchwühlt wurden, wird wohl nicht nur Peter Bosz gespannt gewesen sein, welche Gegner Bayer 04 in der Europa League erwarten. Das Ergebnis: Die Werkself trifft in Gruppe C auf Slavia Prag (Tschechien), OGC Nizza (Frankreich) und Hapoel Beer Sheva (Israel). Für solche Gruppen hat irgendwann mal das Wort „machbar“ den Weg in die einschlägige Fußballterminologie gefunden. Coach Bosz sagte vor der Auslosung, dass er sich eine Gruppe wünsche, die ein Überwintern im Wettbewerb sehr wahrscheinlich mache. Enttäuscht dürfte er nicht über die Konstellation sein – auch, wenn es freilich kein Spaziergang wird.

Aber Ciro Ferrara war nicht nur die „Losfee“, er hat auch 1989 mit der SSC Neapel den Uefa-Cup gewonnen. Gegner im Endspiel war damals der VfB Stuttgart, der wiederum am Samstag Bayers nächste Aufgabe in der Bundesliga ist (15.30 Uhr). Bei den aufgestiegenen Schwaben ist nach dem gelungenen Saisonstart alles in Ordnung. Vier Punkte hat die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo bereits gesammelt – und damit zwei mehr als Leverkusen.

Doch der Blick auf die bisherigen Gegner relativiert Bosz zufolge die eher magere Ausbeute. Man dürfe nicht vergessen, dass Wolfsburg (0:0) und Leipzig (1:1) sehr gute Gegner zum Start in die Liga gewesen seien, sagte der Niederländer und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Man kann es auch so sehen, dass wir noch kein Spiel verloren haben.“ Allerdings sei auch ihm bewusst, dass die bisherige Ausbeute zu gering für die Ansprüche des Werksklubs sei.

Größeren Druck empfindet er vor dem Gastspiel in Stuttgart aber „absolut nicht“, wie er betont. Sein Team reist bis auf den langfristig verletzten Paulinho (Kreuzbandriss) in Bestbesetzung gen Süden. Zudem steht Zugang Santiago Arias vor seinem Debüt für Bayer 04. Bosz attestierte seinem neuen Rechtsverteidiger zwar eine gute erste Trainingswoche, schränkte aber wohl auch aus taktischen Gründen ein: „Ob das bedeutet, dass er auch fit für das Spiel ist, werden wir sehen.“

Der Respekt vor dem Gegner ist groß. Die Erinnerung an den knappen 2:1-Sieg im Pokal gegen den VfB im Februar ist noch lebendig. „Die meisten Spieler von damals sind noch da“, sagt Bosz. „Das ist eine Mannschaft in Balance, die vor allem im Mittelfeld starke Spieler hat, schnell umschalten und guten Fußball spielen kann. Meiner Meinung nach müssten sie ohne Probleme in der Bundesliga bleiben. Die Qualität ist da.“

Das wird Stuttgarts Vorstandschef Thomas Hitzlsperger gerne hören. Der 38-Jährige wurde unter der Woche unter anderem für sein Engagement gegen Homophobie und Rassismus in Stadien und sein Coming-out mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Frage, wann der Profifußball soweit sei, mit dem Thema Homosexualität normal umzugehen, beantwortete Bosz mit einem klaren Statement: „Das wird erst der Fall sein, wenn es Spieler gibt, die sich outen, wenn sie noch aktiv sind. Thomas Hitzlsperger hatte sein Coming-out nach der aktiven Karriere.“

Das ist durchaus als Ermutigung für homosexuelle Profis zu verstehen, den Schritt an die Öffentlichkeit zu wagen und eines der großen Tabus im Fußball ins Wanken zu bringen. „Wann das sein wird, weiß ich nicht, aber es würde gut sein, wenn es passiert.“